text:kloster_walkenried
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| - | ====== Kloster Walkenried ====== | ||
| - | Anmutig, von hohen Bergen umschlossen, | ||
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| - | Im Jahre 1129 wurde das Kloster von der frommen Gräfin Adelheid von Klettenberg gegründet, die nicht allein den Grund und Boden zu dem Bau gab, sondern auch für inneren und äußeren Schmuck sorgte und zahlreiche Reliquien mit großen Kosten anschaffte. Kaiserliche und päpstliche Privilegien beförderten den Aufschwung und bald gehörte Walkenried zu einem der reichsten Klöster. | ||
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| - | Dieser Reichtum gab Veranlassung zu einem größeren, schöneren Bau, zu dem im Jahre 1207 der Grund gelegt und der von 1210 ab energisch gefördert wurde. Papst und Bischöfe verhießen all denen, welche den Bau befördern halfen, reichen Ablass und Befreiung vom Fegefeuer. Daher kamen denn Geld und Arbeiter von allen Seiten herbei. Dennoch aber trat nahe vor der Vollendung des prachtvollen Baues Geldmangel ein und die Mönche befanden sich in arger Verlegenheit. Da – erzählt die Sage – fuhr einst mitten in der Nacht ein von vier Pferden gezogener Wagen vor den Neubau, der bis zum Rand mit Geld und Kostbarkeiten angefüllt war. Der Kutscher war verschwunden und keiner wusste, woher die Hilfe kam. Einige meinten, Gott habe ein Wunder geschehen lassen, andere aber erzählten, ein reicher Bürger aus Goslar sei es gewesen, der den Wagen selbst nach Walkenried gefahren und, um nichts mitzunehmen, | ||
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| - | Nun konnte der Bau weitergeführt werden. Nachdem achtzig Jahre daran gearbeitet worden waren, wurde derselbe im Jahre 1290 vollendet und im selben Jahr vom Erzbischof Adalbert von Mainz geweiht. | ||
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| - | Dank der vielen Geschenke und freiwilligen Arbeiten war ein Kloster emporgestiegen, | ||
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| - | Wie nun das Kloster in höchster Blüte stand, brach im Jahre 1525 der Bauernkrieg aus. Als die Mönche erfuhren, dass eine wilde Rotte von ungefähr achthundert Mann sich nach Walkenried wende, packten sie eilig alle Kostbarkeiten zusammen und flohen nach Nordhausen oder Goslar. | ||
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| - | Alle Türen des Klosters blieben unverschlossen, | ||
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| - | Als die Bauern ankamen, zerstörten sie, was nur ihren Kräften weichen wollte, zerschlugen die Fenster mit den prächtigen Glasmalereien, | ||
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| - | Der Zimmermann hieb das Holzwerk durch, und mit vereinter Kraft wurde nun der ganze Turm mitsamt der Glocke herabgerissen. Allein der Zimmermann fand hierbei seinen Tod. Bei dem heftigen Sturz hatte der Turm das Dach der Kirche so sehr beschädigt, | ||
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| - | Als die Grafen von Hohenstein von dem Bauernaufstand in Walkenried hörten, eilten sie sofort dahin, um denselben zu unterdrücken. Doch keine Vorstellungen halfen und nur mit Mühe und List entgingen sie selbst dem Tod. Erst als in Walkenried nichts mehr zu verwüsten war, zog die wilde Rotte fort nach Frankenhausen. Unterwegs aber hörten sie, wie übel es ihren Brüdern dort ergangen sei. Große Angst ergriff die Bauern und schleunigst versuchten sie in ihre Heimatdörfer zurückzukommen. | ||
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| - | Nun ließen aber die Grafen von Hohenstein die Rädelsführer sofort ergreifen und hinrichten. Die anderen Übeltäter kamen mit dem Leben davon, nur eine Geldstrafe wurde ihnen auferlegt. | ||
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| - | Einige Mönche kehrten später in das zerstörte Kloster zurück, doch bald kam dasselbe mehr und mehr in Verfall und verarmte. | ||
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| - | Dann wurde es protestantisch und 1566 zu einer evangelischen Knabenschule eingerichtet, | ||
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| - | Ein alter Chronist erzählt von einem im Kloster befindlichen Saal, welcher der Zaubersaal genannt wird, folgende kuriose Geschichte: | ||
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| - | Als sich einst mehrere Knaben in diesem Saal durch Springen ergötzten und jeder den anderen zu überbieten versuchte, konnte plötzlich einer der Knaben nicht wieder vom Platz fortkommen, auf den er gesprungen war. Seine Gefährten rissen und zerrten ihn; alles vergeblich. Der Rektor der Schule wurde herbeigeholt, | ||
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| - | Endlich fiel ihm ein, dass dieser Zustand von einer Beschwörung herrühren müsse. Er befahl seinem Schüler, fleißig um sich zu schauen, ob er nicht irgendein Zeichen oder eine Schrift entdecken könne. | ||
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| - | Der Knabe sah umher und gewahrte über sich einen Zirkel, an der Wand nach Osten eine griechische Schrift, gegen Süden etliche Charaktere, welche er teils hersagen, teils beschreiben musste. | ||
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| - | Daraus entnahm nun der Rektor, dass in der Mauer ein Schatz verborgen sei und dass derjenige, welcher die Punkte, die bei Vergrabung des Schatzes gemacht seien, mit den Füßen berühren würde, die Schrift sehen und das Verborgene offenbaren solle. Sobald der Rektor das nun verstanden hatte, wurde der Knabe frei und konnte aus dem beschworenen Zirkel heraus. Der Rektor zeigte das Vorgefallene an. Als man nach seiner Anweisung suchte, wurde ein steinernes, mit Geld gefülltes Geschirr in der Mauer aufgefunden. | ||
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| - | //Quelle: Im Zauberbann des Harzgebirges, | ||
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