text:graessepreussen609
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| - | ====== Die Sage von dem Schacht, genannt die Hoffnung, bei Goslar ====== | ||
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| - | Romantisch behandelt von Fischer, Burgvesten der Preuß. Monarchie. Bd. II. S. 315 etc. | ||
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| - | Vor dreihundert Jahren befanden sich die Grafen Stolberg-Wernigerode im Besitz mehrerer Erzgruben auf dem Harz. Von einer derselben, die Hoffnung genannt, giebt es folgende Volkssage. | ||
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| - | Ganz nahe bei Goslar wohnte ein armer Bergmann, Hans Bunkert genannt, der nahm einst am 23. December des Jahres 1522 seine Axt und wollte während eines schauerlichen Schneegestöbers noch sein Haus verlassen, während sein hochschwangeres Weib bereits im Schlafe zu liegen schien. Allein dieselbe bemerkte sein Weggehen dennoch und fragte ihn, wo er hin wolle, er aber sagte, er wolle nur in den nahen Wald gehen, um einen Christbaum für die Kinder zu fällen. Zwar redete sie ihm ab fortzugehen und sie in ihren Umständen so allein zu lassen, allein er ließ sich nicht halten und ging hinaus in den finstern Wald und suchte sich unter den dort stehenden Tannenbäumen ein schlankes Stämmchen aus, das er mit einem Hiebe seiner Axt fällte. Allein kaum lag das Bäumchen vor ihm, da stand auch ein hoher Jägersmann hinter ihm und fragte ihn mit ernstem Tone, was er da mache. Der arme Bergmann jedoch entschuldigte sich mit seiner Armuth, wie er keinen Pfennig habe, um sich ein Christbäumchen zu kaufen und doch am heiligen Weihnachtsabend seinen Kindern, denen er weiter nichts bieten könne, wenigstens einen Lichterbaum habe anzünden wollen und dadurch zu diesem Eingriff in fremdes Eigenthum verleitet worden sei. Der Jäger fragte ihn nun nach seinen übrigen Verhältnissen aus und als er erfuhr, daß er bald Kindtaufen halten werde, da ließ er sich erbitten, schenkte ihm das Bäumchen und sagte, wenn seine Frau ein Mädchen zur Welt bringen werde, so solle er sie Maria nennen, er selbst wolle zum Taufessen kommen und das Nöthige mitbringen. Damit schenkte er ihm noch einen Albertsthaler, | ||
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| - | Der Zigeunerin Prophezeiung traf ein; Hans Bunkert machte gute Geschäfte und wo er einschlug, gab es gute Ausbeute; zwar nicht reich, aber wohlhabend verlebte er nebst seiner fleißigen Hausfrau zufriedene Tage, seine ärmliche Hütte war zu einem freundlichen Häuschen umgebaut worden und es fehlte der Familie nichts zu einem bescheidenen Auskommen. So verflossen funfzehn Jahre, weder der Jäger noch die Zigeunerin hatten sich wieder sehen lassen, wohl waren die Kinder groß geworden und die älteste Tochter sollte das väterliche Haus verlassen, denn sie war eben mit einem schmucken Bergknappen getraut worden. Noch saßen Eltern, Brautleute und Hochzeitsgäste beim Hochzeitsschmause, | ||
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| - | Von diesem Augenblick an konnte das Mädchen das Bild des Jägers nicht wieder aus ihrem Herzen los werden, sie mußte jede Minute an ihn denken. Da trug es sich einst zu, daß sie spät am Abend von ihrer verheiratheten Schwester nach Hause zurückkehrte. Auf einmal stand der junge Jägersmann vor ihr, ergriff sie bei der Hand und fragte sie, ob sie noch manchmal an ihn denke. Das junge Mädchen erröthete zwar vor Ueberraschung, | ||
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| - | Maria bat ihren Vater, nicht weiter mit Fragen in sie zu dringen, sondern damit zufrieden zu sein, daß sie gerettet sei, und in demselben Augenblicke pochte es an's Fenster und draußen stand die Zigeunerin, die ihr einst kurz nach ihrer Geburt ihre Zukunft prophezeit hatte. Sie ward von der Bergmannsfamilie gut aufgenommen, | ||
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| - | Die Eltern glaubten nun, dieser bösen Prophezeiung nicht anders die Spitze abbrechen zu können, als wenn sie ihre Tochter anderweitig verheiratheten. Dazu bot sich auch bald Gelegenheit, | ||
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| - | Am Morgen darauf saß Maria voller tiefer Gedanken in ihrer Kammer. Da stand plötzlich der Jäger vor ihr, fragte, was ihr fehle und ob sie ihn noch liebe und seine Frau werden wolle, sie müsse aber mit ihm weit, weit fortziehen. Maria weigerte sich zwar lange, aber endlich ließ sie sich doch überreden und versprach ihm zu folgen, wohin es auch sei. Da bat sie der Jäger um die goldene Kette sammt der Schaumünze um ihrem Halse als Unterpfand ihrer Treue und Liebe. Auch dieses theure Andenken konnte sie ihm nicht abschlagen, allein kaum hatte sie es hingegeben und ihr der Jäger zum Dank einen Kuß auf ihre Lippen gedrückt, als sie auf einmal entschlummerte und beim Erwachen sich nicht mehr in ihrer Kammer, sondern in einer schönen Grotte erblickte, auf weichem Mooslager, an ihrer Seite aber einen engelschönen Jüngling, nicht mehr ein Jäger, nunmehr der König der Erbgeister. Zwar schauderte sie anfangs vor solcher Vermählung, | ||
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| - | Als am andern Morgen Maria nicht zum Frühgebete herunter zu ihren Eltern kam und diese hierauf in ihre Schlafkammer eilten, um sie zu holen, fanden sie ihr Bett unberührt und die Stube leer, auf dem Kopfkissen ihres Lagers lag aber von Myrthen und Rosenknospen umkränzt eine zerknickte Lilie. Die armen Eltern ahnten den Zusammenhang und betrauerten sie manches Jahr; während dem hatte ihr älterer Bruder Gotthold sich verheirathet und nur ihr jüngster Bruder Joseph war noch zu Hause. Der hatte aber die verlorene Schwester nicht vergessen können und dachte immer und immer an sie. So saß er einst nebst Vater und Mutter beim Mittagsbrod in der Grube und sprach: »Ach, meine gute Maria, wo magst Du umherirren und Jammer und Elend ertragen?« – »Vertraue Gott!« mahnte scheltend der Vater, »Mariens und unser Schicksal liegt in seiner Hand!« und damit falteten Alle die Hände und beteten für das verlorene Kind. Kaum hatten sie aber Amen gesprochen, da rollte über ihnen Donnerkrachen, | ||
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| - | Mehrere Jahre waren seit diesem Vorfall verflossen, da beschloß man zu Goslar, die Grube wieder gangbar zu machen und wo möglich die Verschütteten wieder aufzufinden. So zog denn am 26. Juni des Jahres 1563 ein langer Zug Bergleute zu diesem Zwecke dahin, an ihrer Spitze Gotthold Bunkert, jetzt Obersteiger, | ||
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