text:graessepreussen562
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| - | ====== Die Sagen vom Kapellenfleck bei Braunlage ====== | ||
| - | S. Pröhle S. 152. cf. | ||
| - | Sagen und Geschichten aus der Vorzeit des Harzes. Halberstadt 1847. S. 391 etc. | ||
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| - | In der Nähe von Braunlage stand früher eine Burg, deren Namen aber jetzt Niemand mehr weiß; deren Besitzer war nach Palästina gezogen und hatte daselbst seine Tochter Luitgarde zurückgelassen. Während der Abwesenheit des Ritters hatte dieselbe sich mit dem Ritter Siegbodo von Scharzfels, dem nachherigen Stammvater der neuern Scharzfels' | ||
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| - | Indessen durchsuchten Luitgardens Vater und Bräutigam die wüste Stätte, wo einst die Burg gestanden, immer wieder von Neuem, um doch vielleicht noch irgendwo Spuren von der Verstorbenen zu finden, und so begab es sich eines Tages, daß sie, als sie unverrichteter Sache den Ort verließen, durch den Wald ein Glöcklein klingen hörten. Dies war das Glöcklein der Kapelle St. Maria im Walde, welche zwischen den Ortschaften Braunlage und Wieda lag, welche damals noch ohne Kirche waren, weshalb die Einwohner in jener Kapelle ihre Andacht verrichteten. Sie beschlossen also auch dahin zu gehen und ihr Herz zu Gott zu erheben. Zwar war die Kapelle von vielem Volk umlagert, denn am andern Tage sollte der Abt von Walkenried daselbst Messe lesen und eine große Menge Wallfahrer war bereits dorthin zusammengeströmt und hatte sich um dieselbe gelagert, um gleich am andern Morgen bei der Hand zu sein. Die Kapelle selbst aber war leer und der trostlose Greis warf sich vor dem Muttergottesbilde darin nieder und flehte die heil. Jungfrau um ihren Beistand an, daß es ihm gelingen möge, seine verlorene Tochter wiederzufinden. Wer aber beschreibt sein freudiges Erstaunen, als das Bild sich zu dem Weinenden herabneigte und mit sanfter Stimme zu reden begann: »Sei getrost, Du Tiefbetrübter, | ||
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| - | Kaum war aber der Morgen angebrochen, | ||
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| - | Während dieses Fluches, der wörtlich derselbe ist, den einst die Stifterin von Walkenried, Adelheid von Klettenberg, | ||
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| - | Die heil. Jungfrau aber wanderte mit den Geretteten eine Strecke fort, bis auf den Gipfel des höchsten Berges, da blieb sie stehen und mit Erstaunen sah ihre Umgebung, daß statt der lebenden Maria jetzt wieder nur ihr Bild, das vordem in der Kapelle gestanden hatte, unter ihnen weilte. Da bauten sie statt der versunkenen Kapelle »Mariä im Walde« eine neue auf der Stätte, wo das Bild sich nun befand, und der Graf Siegbodo dotirte sie mit dem ganzen Walde ringsum; das ist die Kapelle »Mariä auf dem Berge«, bei welcher späterhin das Dorf Hohengeiß entstand. | ||
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| - | Da aber, wo die alte Kapelle Maria im Walde mit dem verbrecherischen Abte und der ruchlosen Menge versunken ist, herrscht seit der Zeit ein unheimliches gespenstiges Walten. Da hören die Vorübergehenden zur Nachtzeit Glockengeläute und Chorgesang oder wildes Tosen wie das Gewühl eines wüsten Gelages. Es huschen Gestalten in der Dunkelheit an dem Wanderer vorüber und graue Mönche stehen spukhaft am Wege und erschrecken den Arglosen. | ||
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| - | So kam einst ein Bergmann Nachts zur Schichtzeit aus der Grube heim und nicht weit von dem Kapellenfleck vorüber. Er wohnte noch nicht lange in der Gegend und wußte deshalb noch nichts von dem, was hier vorgefallen war. Als er nun Glöckchen in der Nähe schellen hörte, schloß er, es müsse eine Kirche dort stehen, und weil er ein frommer gottesfürchtiger Mann war, beschloß er dort sein Gebet zu verrichten; er ging also dem Schalle nach und langte bei einer Kapelle an, die von gar mannigfachen Zelten und von einer lauten Volksmenge umgeben war. Da gab es vielerlei zu kaufen und zu schmausen, aber der Bergmann hielt sich dabei nicht auf, sondern legte seine Axt wie auch Schlägel und Eisen auf die Schwelle des Kirchleins, setzte sein Grubenlicht daneben und trat andächtig hinein. Während er aber in sein Gebet versunken war, hatte einer der außen sich Herumtummelnden heimlich die Geräthschaften des Bergmanns weggenommen und dieser fand sie nicht wieder und begann zu klagen und zu jammern; denn er war ein armer Mann und der Wochenlohn, den er bei sich trug, war nöthig, um Frau und Kinder zu ernähren, und wollte er sich davon die Geräthschaften wieder kaufen, so mußten jene darben. Wie er aber so klagte und sich erbärmlich geberdete, sammelte sich die Menge um ihn und lachte ihn aus und verspottete den Armen, ohne daß ihm einer die Geräthschaften wieder zurückgegeben hätte. Was wollte er thun? Wohl oder übel, er mußte sein Wochenlohn daran wenden, sich wieder mit dem Arbeitszeuge zu versehen, und trat vor eins der Zelte, was ihm fehlte, zu erhandeln. Darauf gab er mit einem schweren Seufzer seinen Wochenlohn hin, erhielt eine Hand voll blanker Pfennige darauf zurück, nahm die erkauften Werkzeuge und ging mit schwerem Herzen von dannen, unterwegs überlegend, | ||
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| - | Die Kinder hüpften ihm wie immer bei seinem Eintritt entgegen, und obwohl er ein verdrießliches Gesicht zog, hingen sie sich doch liebkosend an ihn, und sein Weib trug die warme Wassersuppe auf den Tisch und bat ihn liebevoll, sich nun zu pflegen. Da fing er fast an zu weinen vor Traurigkeit, | ||
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| - | Ein ander Mal kamen drei Räuber in tiefer Nacht des Weges, mit reicher Beute beladen, die sie bei der Plünderung des Försterhauses zu Bektessem (Benneckenstein) davongetragen hatten. Der kostbarste Theil der Beute war jedoch das junge Weib des Försters, auf welches der Anführer der Räuber es vorzüglich abgesehen hatte, weshalb er alles übrige Geraubte seinen Kumpanen überließ und sich allein mit der reizenden weiblichen Bürde belud, die halb ohnmächtig in seinen Armen hing und vergebens sich gegen das Fortschleppen sträubte. Wie nun die Räuber ihrem sichern Versteck in einer Felsenhöhle des ungangbaren Waldes zueilten, hörten sie in der Nähe Glockenklang, | ||
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| - | Auf jenem Kapellenflecke ist ein Born. Ein Köhlerjunge sollte die Pferde suchen. Als er bei den Born kam, schwamm darauf eine große Glocke, die war ihm bescheert. Sie kam, daß er sie greifen konnte und er trug sie nach der Köthe. Sein Meister verlangte aber, er sollte sie wieder hintragen; das geschah auch, da that sie einen Kling, daß der Junge taub wurde. Nachher ist sie nicht wieder zum Vorschein gekommen. | ||
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