text:graessepreussen492
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| - | ====== Der Püsterich auf der Rothenburg ====== | ||
| - | Nach Gottschalk Bd. II. S. 309 sq. und Melissantes S. 556 sq. | ||
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| - | Im Schlosse zu Sondershausen wird noch heute ein sonderbares Götzenbild((Abgebildet bei S. Ch. Wagener, Handbuch der vorzüglichsten in Deutschland entdeckten heidnischen Alterthümer. Weimar 1842. Taf. 115. No. 1138. und besser in den Curiositäten Bd. I. S. 216.)) verwahrt, welches einst auf der Rothenburg gefunden ward, in die Familie derer von Tütcherode kam, die die Burg zur Lehn hatten (bis 1576) und von dieser im Jahre 1546 an den Grafen Günther von Schwarzburg abgetreten ward. Es wird dieses Bild gewöhnlich Päuster, Püstrich, Beustrich, Bausterich, von den Einwohnern der Güldenen Aue aber Beusterd und von den Niedersachsen Püster (d.h. Blasbalg) genannt, weil er die Feuerflammen gleichsam von sich gepustet oder geblasen habe. Dieses Bild ist aus einem unbekannten Metall, 2 Fuß 1/2 Zoll hoch und stellt einen dicken häßlichen Jungen vor, der scheinbar aus Bosheit das Gesicht verzieht. Er ist sehr stark von Gliederbau, hat aufgeblasene Backen, eine platte Nase, dumme Gesichtszüge und einen aufgetriebenen Bauch von 2 Fuß 6 Zoll im Umfange, kniet mit dem rechten Beine, hat die rechte Hand, die aber nicht vollkommen ist, da, wie es scheint, die Masse im Gusse ausgelaufen ist, auf dem Kopfe, die linke aber auf dem Knie liegen. Der linke Arm ist nicht mehr vollständig vorhanden, er fehlt vom Ellbogen an. Diese Verstümmelung nahm einst Landgraf Moritz von Hessen mit ihm vor, der den Püstrich einst nach Cassel kommen ließ, um ihn und das Metall, aus dem er gegossen ist, näher kennen zu lernen. Er schlug deshalb die Hälfte des linken Armes ab und behielt das Stück an sich; ob er aber gleich nicht herausbekam, | ||
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| - | Man sagt nun, daß wenn man diesen Götzen mit Wasser fülle, seinen Leib mit hölzernen Pflöcken verstopfe, hernach in das Feuer oder auf glühende Kohlen setze, er alsdann so sehr zu schwitzen anfange, daß ein Tropfen dem andern folge, sobald er aber gänzlich erhitzt werde, stoße er beide Pflöcke mit einem solchen Knalle von sich, als wenn es donnere, und hierauf werfe er aus beiden Löchern in die Höhe und Weite viele Feuerflammen. | ||
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| - | Es sind zu verschiedenen Malen Versuche angestellt worden, ob sich dies wirklich so verhält. So hat man einst in der Schwarzburger Schloßküche eine derartige Probe gemacht, allein dieselbe ist schlecht abgelaufen, indem Alles umher in Brand und das Schloß selbst in Gefahr gerathen ist, in Feuer aufzugehen. Freilich wissen wir nicht, ob man sich zu diesem Versuche blos des Wassers, oder des Spiritus oder Oels bedient hat. Im Jahre 1814-15 wurde bei Sondershausen ein gleicher Versuch im Freien gemacht. Man füllte die Figur mit Wasser und verstopfte die Oeffnungen, die Wirkung war die gewöhnliche, | ||
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| - | Wozu die Figur gedient habe, ist ebenfalls ungewiß. Einige sagen, die heidnischen Priester der Thüringer hätten sich ihrer bedient, um dem unwissenden Volke weiß zu machen, Gott zürne auf dasselbe, wenn sie donnere oder Feuer ausspeie, sie müßten also, dafern sie nicht des Todes sein wollten, denselben durch Opfer an Geld, Vieh, Früchte etc. zu besänftigen suchen. Als nun Karl d. Gr. durch Bonifacius alle Götzenbilder zertrümmen ließ, hätten sie den Püsterich in einer Vertiefung des Berges, auf dem man später die Rothenburg erbaute, versteckt und so sei er hierher gekommen. Allein die Gestalt hat eigentlich nichts Götzenartiges und die Bildung ihrer Haare läßt durchaus nicht auf ein vorchristliches Zeitalter schließen, ein slavischer Götze Püsterich wird aber nirgends erwähnt, auch kein ähnlicher. Eine andere Meinung ist die, die Räuber auf dem Kiffhäuser oder andern dort herum liegenden Schlössern hätten das Bild zur Vertheidigung gebraucht, weil man ihnen wegen dem Feuerspeien desselben nicht habe beikommen können. Eine noch andere Ansicht, die etwas mehr Wahrscheinlichkeit hat, ist die, daß die Mönche mit dem Bilde ihre Gaukelei getrieben und dasselbe auf der Rothenburg in die Kirche in eine Mauer hinter eine Tafel gestellt hätten. Da nun früher hierher jährlich eine große Wallfahrt angestellt ward, so sei, wenn viel Volks hier zusammengekommen, | ||
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| - | Sieht man sich nun die Figur genauer an, so könnte man auf den Gedanken kommen, dieser Püsterich sei vielleicht eine jener metallenen Teufelsfiguren, | ||
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| - | Angeblich ist in der Nähe des Schützenbornes im Jahre 1632 ein broncener geharnischter Ritter auf einem ungesattelten Pferde, das hohl war und worin Flüssigkeiten gegossen werden konnten, ausgepflügt worden. Diese Figur soll nach Arnstadt gebracht, vom Fürsten Günther aber im Jahre 1731 der Dresdener Kunstkammer verehrt worden sein, wo sie sich aber nicht mehr befindet. | ||
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