text:graessepreussen491
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| - | ====== Die Sage von der Rothenburg ====== | ||
| - | S. Gottschalk Bd. II. S. 256 etc. | ||
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| - | Unzertrennlich von dem Kiffhäuser ist die Rothenburg, zu der sich von seinen Ruinen ein schöner breiter Weg auf dem Rücken des Gebirges herabsenkt. Zwar gehört auch sie zum Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt, | ||
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| - | Im Dorfe Hackpfiffel in der Nähe der alten Rothenburg, von der ebenfalls noch die Ruinen des Hauptgebäudes und eines 80 Fuß hohen, runden, fast bis an seinen Fuß geborstenen Thurmes übrig sind, lebte vor mehreren hundert Jahren ein Schulmeister, | ||
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| - | Renatus steckt in die Tasche, was er erhalten, dankt aber für das Roß, versichert, er verstehe nicht zu reiten, gehe lieber und will zur Thüre hinaus. Da hält ihn der böse Mann am Arme und spricht: »Du sollst und mußt reiten, ich befehle es Dir. Das Roß ist sanft und gut, Du leidest nicht Schaden und wirst es noch oft reiten, denn es soll Dein eigen sein. Das aber sage ich Dir, berühre beim Reiten nicht die Saiten Deiner Zither, sonst bist Du verloren, hörst Du, sonst bist Du verloren, bis Dir ein weißes Roß begegnet.« | ||
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| - | Renatus nickt, als wolle er thun wie ihm befohlen, geht hinaus, nimmt die Zither und arbeitet sich mit vieler Mühe auf das ruhig stehende kohlschwarze Roß. Das geht nun sichern Schrittes fort und je länger je mehr kehrt der Muth bei Renatus zurück, glücklich nach Rathsfeld zu gelangen. Immer mehr nimmt seine Angst ab und er wird so sorglos, daß er dem Gaul die Zügel auf den Hals legt und Speise und Trank hervorholt, sich zu stärken. Gar herrlich schmeckt es ihm, denn er ist sehr verhungert gewesen, und in der Flasche, voll des besten Weines, bleibt kein Tropfen. Leer ist sie, hoch wirft er sie in die Luft und singt ein Lied voll Lust und Freude. Jetzt sieht er die Lichter in Rathsfeld und nun ergreift ihn ein Jubel, bald zu sein, wo er hin will. An den langen Mann und seine letzten Worte gedenkt er nicht mehr, greift in die Saiten der Zither und singt sich eins. Ach, wie geht's dem armen Schulmeister da! Das Roß schnaubt und tobt, es bäumt sich, schlägt hinten und vorn aus und endlich rennt es im schnellsten Jagen vorwärts. Renatus sucht es zu halten und zu beruhigen, aber Alles umsonst. Er will sich hinunterwerfen, | ||
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| - | »Wo bin ich denn?« fragt der erstaunte Schulmeister. Da erzählt ihm das Mädchen, daß er viele tausend Meilen weit von Hackpfiffel entfernt und in Asien sei, daß er auf der Rothenburg das Werkzeug einer Frevelthat gewesen und dort ein böser Geist sich seiner bedient, um sich an Kaiser Friedrich dem Rothbart zu rächen, und da er, der Warnung ungeachtet, die Zither doch gespielt, der Spruch an ihm in Erfüllung gegangen sei, so lange zu reiten, bis ein weißes Pferd ihm begegne. Des Mädchens Vater, der ein Fürst gewesen ist, fuhr dann fort: er habe des armen Renatus Loos gekannt, seine Tochter aber, die im Zauberspiegel gesehen, wie traurig es ihm ergangen, habe aus Mitleiden gebeten, er solle ihm helfen, worauf er ihm auf seinem weißen Zelter entgegen gekommen sei und so den Fluch gelöst habe, der über ihn ausgesprochen gewesen sei. | ||
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| - | Der Schulmeister dankt seinem Wirth schönstens für die große Hilfe, und als er sich nach einigen Tagen erholt und sich wieder auf den Weg nach Hause begeben will, spricht der Fürst zu ihm: »Bleibe noch bei uns!« und Renatus bleibt auch wirklich noch mehrere Monate lang. In der Zeit weiß er gar nicht, wie ihm geschieht; er fühlt sich immer kraftvoller und jünger und wird immer schmucker. Bald sieht er sich wieder völlig als Jüngling in voller Blüthe stehen. Die schöne Prinzessin verliebt sich in den wieder jung gewordenen Renatus, und als ihr Vater stirbt, da zieht sie mit ihm als seine Frau nach Hackpfiffel. Sie nehmen große Reichthümer mit dorthin und leben hier lange glücklich, zufrieden und im Ueberfluß, und als sie endlich beide zusammen in einer Stunde sterben, da legt man sie zusammen in ein Grab. Den Stein aber, unter welchem der Schulmeister und die Türkin ruhen, kann man noch heute in Hackpfiffel sehen. | ||
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