text:graessepreussen489-01
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| - | ====== Der Ritterkeller auf dem Kiffhäuser (Grässe) ====== | ||
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| - | Einst richtete ein guter, aber armer Mann aus Tilleda eine Kindtaufe aus, und das seine achte. Er mußte dabei den Gevattern nach Sitte des Landes einen Schmauß geben. Bald war der Landwein, den er seinen Gästen vorzusetzen hatte, ausgetrunken und sie forderten mehr. »Geh«, sagte er im Scherze zu seiner ältesten Tochter, einem hübschen sechszehn Jahre alten Mädchen, »und hole uns noch bessern Wein aus dem Keller.« »Aus welchem Keller denn?« fragte das erstaunte Mädchen. »Ih«, antwortete der Vater, »aus dem großen Weinkeller der alten Ritter auf dem Kiffhäuser.« Das Mädchen geht in ihrer Einfalt, weil sie wirklich glaubte, ihr Vater spreche im Ernst, mit einem kleinen Eimer in der Hand den Berg hinan; in der Mitte desselben erblickt sie am verfallenen Eingange eines großen Kellers, den sie freilich nie zuvor gesehen, eine Schaffnerin in ganz ungewöhnlicher Tracht, mit einem großen Schlüsselbunde an der Seite. Sie verstummt vor Erstaunen, doch freundlich fragt sie die Alte: »Gewiß willst Du Wein holen aus dem Ritterkeller? | ||
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| - | Sie gingen nun beide durch einen halbverschütteten Gang und das Mädchen mußte erzählen, wie es jetzt in Tilleda aussehe. »Einst«, sagte die Alte, »war auch ich jung und schmuck wie Du, als mich die Ritter des Nachts durch einen Gang unter der Erde aus dem Hause in Tilleda wegholten, das jetzt Deinem Vater gehört. Kurz vorher hatten sie am hellen Mittag die vier schönen Jungfern, die hier noch zuweilen auf prächtig geschirrten Pferden herumreiten und dann wieder verschwinden, | ||
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| - | Gegenüber wohnte jedoch ein Schenkwirth, | ||
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| - | Nach einigen Stunden erwacht er wieder, sieht sich zu seinem Entsetzen noch in der schwachbeleuchteten Todtengruft und hört gerade über seinem Kopf die ihm wohlbekannte Thurmglocke in Tilleda zwölf schlagen. Nun wußte er, daß es Mitternacht war und daß er sich unter der Kirche und dem Begräbnißplatz seines Dorfes befand. Er war mehr todt als lebendig und wagte es kaum zu athmen. Siehe, da kommt ein Mönch und trägt ihn eine lange, lange Treppe hinan, schließt eine Thüre auf, drückt ihm schweigend etwas Geld in die Hand und legt ihn am Fuße des Berges nieder. Es war aber eine kalte eisige Nacht. Allmählig erholt er sich jedoch und kriecht ohne Tonne und Wein seinem Hause zu. Es schlug Eins, als er es erreichte. Er mußte sich sogleich ins Bett legen und nach drei Tagen war er todt; das Geld aber, das ihm der verzauberte Mönch gegeben hatte, reichte gerade zu seinem Begräbniß hin. | ||
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