text:gau102
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| text:gau102 [2023/09/28 14:18] – angelegt ewusch | text:gau102 [2024/03/21 16:06] (aktuell) – gelöscht ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | **[[buch: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | ====== Der Volkssänger Augustin in der Pestgrube ====== | ||
| - | |||
| - | Moritz Bermann | ||
| - | |||
| - | »Ei du lieber Augustin,\\ | ||
| - | Geld ist hin, all's ist hin!«\\ | ||
| - | |||
| - | Wer von euch kennt nicht dies volkstümlichste aller Wiener Lieder? Ihr wißt aber nicht, von wem es stammt: der Verfasser und Komponist desselben ist der erste Volkssänger, | ||
| - | |||
| - | Leider ist über die Geburt und Abstammung dieses Mannes nichts zu erfahren, nur in einer späteren Chronik wird berichtet, daß er als Sohn einer Gastwirtsfamilie im Jahre 1643 zu Wien geboren worden sei, und sein Humor würde allerdings für die Richtigkeit dieser Angabe sprechen. | ||
| - | |||
| - | Max Augustin lebte in größter Armut; dies hinderte ihn aber nicht, die köstlichste Laune von der Welt zu entfalten und – zum Nichtstun geneigt – es vorzuziehen, | ||
| - | |||
| - | Herr Konrad Ulrich Puffan, Besitzer der letztgenannten Schenke, wußte ihn durch kluge Schmeicheleien und zeitweise auch durch Zechfreiheit derart für sich zu gewinnen, daß er wöchentlich zweimal – Donnerstag und Sonntag – bei ihm musizierte. Die Freigebigkeit des Wirtes hatte aber großen Einfluß auf Augustins frohe Laune, und er tat meist des Guten so viel, daß er nur durch die bereitwillige Hilfe einiger Begleiter in seine Wohnung, ein Dachkämmerchen in der Hahngasse auf der Landstraße, | ||
| - | |||
| - | Diejenigen, welche Lust und Mut zu Saus und Braus hatten, fanden keinen Gefallen an Augustins Liedern und Späßen, welche, des strengen Verbotes gegen alle Lustbarkeit halber, ohnedies nur verstohlen gesungen werden konnten; er selbst, durch sein stark vermindertes Einkommen unwillig gemacht, zeigte sich zuweilen mürrisch und eigensinnig, | ||
| - | |||
| - | Augustin suchte nun im Bier Trost und nahm davon in so reichlichem Maße zu sich, daß es des Branntweins nicht bedurft hätte, um seine Sinne vollends zu verwirren. Als es dunkel geworden, erhob er sich und wankte halb besinnungslos seiner Wohnung zu. Gänzlich unvermögend, | ||
| - | |||
| - | »O du lieber Augustin,\\ | ||
| - | 's Geld ist hin, d' Freud' ist hin;\\ | ||
| - | O du lieber Augustin,\\ | ||
| - | Alles ist hin!\\ | ||
| - | »Wär' | ||
| - | Hätt' ich nicht noch Kredit,\\ | ||
| - | Doch folgt mir Schritt für Schritt\\ | ||
| - | Noch der Kredit.\\ | ||
| - | »Ach, selbst das reiche Wien\\ | ||
| - | Arm ist's wie Augustin,\\ | ||
| - | Seufzt nun mit trübem Sinn:\\ | ||
| - | Alles ist hin!\\ | ||
| - | »Täglich war sonst ein Fest,\\ | ||
| - | Jetzt hab'n wir die Pest!\\ | ||
| - | Ein großes Leichennest: | ||
| - | Das ist der Rest!\\ | ||
| - | »O du lieber Augustin,\\ | ||
| - | Leg' nur ins Grab dich hin,\\ | ||
| - | O du herzliebes Wien,\\ | ||
| - | Alles ist hin!«\\ | ||
| - | |||
| - | Er gedachte, immer fortschwankend, | ||
| - | |||
| - | Man sollte nun glauben, daß Augustin ein Opfer dieses unglücklichen Ereignisses geworden sei; aber im Gegenteil, es schadete seinen starken Nerven nicht im mindesten. Er erzählte sein Abenteuer überall mit lachendem Munde, und das Mitleid der Zuhörer trug ihm reichliche Spenden ein. Augustin überlebte die Pestzeit mit frohem Mute, war übermäßig im Genusse wie sonst, und als im Dezember die Seuche erlosch, fing er seine Vorträge wieder an. Das nächtliche Abenteuer brachte er in wohlklingende Verse, erfand eine Melodie zu der Ballade und sang sie unter jubelndem Beifall in allen Schenken ab. | ||
| - | |||
| - | Noch lange Jahre lebte Augustin gesund und voll köstlichen Humors, bis ihn am 10. Oktober 1705 der Tod ereilte. Nach gewohnter Weise hatte er eine Nacht durchschwelgt, | ||
| - | |||
| - | //Quelle: [[buch: | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | {{tag> | ||
text/gau102.1695903500.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
