text:gau100
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| - | ====== Trifels ====== | ||
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| - | Aloys Wilhelm Schreiber | ||
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| - | Am überrheinischen Gebirge, in der Nähe von Annweiler, liegt die ehemalige Reichsburg Trifels, wovon noch ein mächtiger Turm und einiges Gemäuer vorhanden sind. Hier wurden früher die Reichsinsignien und der Krönungsschmuck der deutschen Könige aufbewahrt. Aber herrlicher noch als in der Geschichte glänzt Trifels in der deutschen Sage, weil in seinem Turm der ritterliche König Richard Löwenherz gefangen saß und durch die Klugheit und mutige Treue eines Sängers daraus befreit wurde. Als Herzog Leopold von Österreich gezwungen war, seinen hohen Gefangenen, Richard Löwenherz, an den deutschen König Heinrich VI. auszuliefern, | ||
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| - | Blondel setzte sich in kleiner Entfernung von dem Hirten auf einen Stein, betrachtete den hohen Turm und die mit Gräben umgebenen Mauern und dachte an Richard. Da sang plötzlich ein kleines Hirtenmädchen in seiner Nähe: | ||
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| - | »Der Pfeil von meinem Bogen\\ | ||
| - | Bringt bittern Todesschmerz, | ||
| - | Der Pfeil aus deinen Augen\\ | ||
| - | Dringt schmeichelnd in das Herz.«\\ | ||
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| - | Blondel schrak freudig zusammen, als er den Gesang hörte. Es war die erste Strophe eines Liedes, welches er für Richard gedichtet. Hastig ging er auf die Hirtin zu und fragte, wer sie das Lied gelehrt? »Niemand, | ||
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| - | »Es ist also wohl ein Gefangener in diesem Turme?« fragte Blondel weiter. »Freiwillig wird sich wohl niemand da einsperren lassen,« erwiderte die Hirtin. Blondel sann nach. Er wartete, bis der Schleier der Nacht alles umher bedeckt hatte, dann schlich er sich unten an dem Turm hin und sang zur Harfe: | ||
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| - | »Der Pfeil von meinem Bogen\\ | ||
| - | Bringt bittern Todesschmerz, | ||
| - | Der Pfeil aus deinen Augen\\ | ||
| - | Dringt schmeichelnd in das Herz.«\\ | ||
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| - | Im Augenblick antwortete eine Stimme aus dem Turme: | ||
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| - | »Ich habe mir erfochten\\ | ||
| - | Wohl manchen Warenpreis.\\ | ||
| - | Nun darf ich auch wohl suchen\\ | ||
| - | Ein blühend Myrtenreis.«\\ | ||
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| - | »Richard!« rief jetzt Blondel, und »Blondel!« rief Richard, beide wie mit einer Stimme. »Zählt auf mich, mein König; ich verlasse diese Gegend nicht ohne Euch.« Mit diesen Worten entfernte sich der Sänger. Tag und Nacht war sein einziger Gedanke, wie er den Gefangenen befreien möge. Mit Gewalt? – Dazu war das Kastell zu fest und hatte eine Besatzung von wenigstens sechzig Mann. Also mit List! Der Zufall begünstigte einen solchen Plan. Es nahte der Tag, an welchen! Heinrich zum König der Deutschen gewählt worden war, und an diesem Tag wurden den Reisigen der Burg Brot und Wein ausgeteilt. Dies geschah in einer Schenke, welche ganz in der Nähe von Trifels lag. Blondel ging zu dem Wirt und sagte: »Ich bin ein wandernder Sänger und komme vom Hoflager des Kaisers, der mich mehr als kaiserlich beschenkt hat. Übermorgen ist sein Wahltag, da möchte ich den treuen Burschen, so seine Burg bewachen, ein Gutes tun. Gebt ihnen das Doppelte an Wein, was sie sonst erhalten und das Beste aus Eurem Keller. Ich zahle voraus.« Der Wirt zeigte sich über diese Freigebigkeit höchst vergnügt und versprach auch, reinen Mund zu halten, bis das Gelage vorüber sein würde. Nun ging Blondel auch mit den beiden Rittern zu Rate, die seine Reisigen anführten, und verabredete mit ihnen das Nähere. | ||
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| - | Der Tag des Festes kam heran. Nachmittags versammelte sich die ganze Besatzung, bis auf wenige Wachtposten, | ||
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