text:gau075
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| text:gau075 [2023/09/19 15:55] – angelegt ewusch | text:gau075 [2024/03/21 15:44] (aktuell) – gelöscht ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | **[[buch: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | ====== Der Raubritter ====== | ||
| - | |||
| - | Aloys Wilhelm Schreiber | ||
| - | |||
| - | Am schroffen Abhang des Niederwalds hängt wie das Nest eines Raubvogels die zerfallene Burg Ehrenfels, einst von den Kurfürsten von Mainz erbaut. Da lebte in alter Zeit ein Burgvogt, Hans von Ehrenfels genannt, der eine einzige Tochter, Uta, hatte, deren Schönheit am ganzen Rheinstrom gerühmt wurde. Ein Edelmann aus Mainz, der ein steinreicher Mann war, warb um sie, aber Uta gestand ihrem Vater offen, ihr Herz sei bereits versagt, und sie würde ihre Hand nie einem andern Manne geben, als dem jungen Ritter von Reichenstein. | ||
| - | |||
| - | »Wie, einem Räuber?« brüllte der Vater. | ||
| - | |||
| - | »Reichenstein ein Räuber?« stammelte Uta, und alles Blut wich aus ihren Wangen. | ||
| - | |||
| - | »Ja,« versetzte Hans von Ehrenfels, »der Alte und sein Sohn sind Raubritter, und der Kaiser hat geschworen, alle Raubnester am Rhein zu zerbrechen und keinen Stein auf dem andern zu lassen.« | ||
| - | |||
| - | »Nein, nein, es ist unmöglich!« rief Uta. »Der Vater mag ein Räuber sein, aber der Sohn teilt gewiß seine Schuld nicht.« | ||
| - | |||
| - | Der Burgvogt sah wohl ein, daß es in diesem Augenblick unmöglich sei, die Gesinnung seiner Tochter zu ändern, und entfernte sich. | ||
| - | |||
| - | Es war eine späte Abendstunde, | ||
| - | |||
| - | Plötzlich sprang Uta vom Sessel auf und ans Fenster. Als sie die Helle gewahrte, zuckte plötzlich ein Gedanke wie ein Blitz durch ihre Seele: »Wenn es Reichenstein wäre, das brennt! Wenn die Soldaten des Kaisers die Feste schon genommen hätten!« Sie bat Elsbeth, auf den Turm zu steigen, der eine weite Aussicht gewährte, und sich dort umzusehen. »Ich kann dich nicht begleiten, | ||
| - | |||
| - | Elsbeth tat, wie ihr befohlen war, und kam bald mit der Nachricht zurück, es scheine, daß Rheinstein und Reichenstein wirklich in Flammen stünden. | ||
| - | |||
| - | Uta hielt sich mühsam an der Lehne eines Sessels. Elsbeth trat jetzt wieder ans Fenster, sie hörte Ruderschlag und bemerkte jetzt einen Nachen, der unter der Burg anlegte. Eine hohe Gestalt schwang sich auf die schmale Felsenterrasse, | ||
| - | |||
| - | »Uta, komm herab zu mir, nur auf einige Augenblicke!« flehte der Ritter. »Reichenstein brennt, mein Vater ist tot, ich bin geächtet! Aber ich kann, ich kann nicht von dieser Gegend scheiden, ohne dich noch einmal an mein Herz gedrückt zu haben.« | ||
| - | |||
| - | Uta befahl Elsbeth, ihr zu folgen. Sie ließ sich durch den Torwart ein kleines Pförtchen öffnen, welches an den Rhein hinabführte, | ||
| - | |||
| - | »Ich liebe dich, wie meine Seele,« antwortete Uta, »und wäre ich deine Gattin, dann sollte keine Gewalt mich von dir trennen. Aber die Tochter darf das Haus des Vaters nicht ohne seinen Segen verlassen und die Jungfrau nicht dem Geliebten folgen, ohne den Segen des Priesters.« »Ich kann, ich kann nicht von dir scheiden!« rief der Ritter, indem er sie krampfhaft in seine Arme schloß. | ||
| - | |||
| - | »Es muß geschieden sein, Heinrich, leb' wohl, leb' ewig wohl!« In diesem Augenblicke verließen sie ihre Lebensgeister; | ||
| - | |||
| - | //Quelle: [[buch: | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | {{tag> | ||
text/gau075.1695131713.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
