text:gau073
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| - | ====== Peter von Staufenberg ====== | ||
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| - | Aloys Wilhelm Schreiber | ||
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| - | Peter Dirminger, der auf seiner Burg Staufen in der Ortenau wohnte und auch Herr von Staufen hieß, kehrte einstmals von der Jagd heim. Es war schon gegen die Abenddämmerung, | ||
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| - | Der Ritter von Staufen, der noch jung und unverheiratet war, fand Gefallen an der schönen Jungfrau und an ihrem klugen Gespräche, und die Liebe bemeisterte sich seines Herzens. Die folgenden Tage um dieselbe Stunde ging er jedesmal zu dem Brunnen, aber die Unbekannte ließ sich nicht sehen. Am Abend des vierten Tages, als er fast schwermütig an derselben Stelle saß und sich mit dem Rücken an eine Eiche lehnte, vernahm er einen ungemein lieblichen Gesang, der aus dem Brunnen zu kommen schien. Er stand auf und sah sich sorgfältig nach allen Seiten um, konnte aber niemand entdecken, und auch die Stimme schwieg. Eben wollte er seinen Platz unter der Eiche wieder einnehmen, da sah er die Jungfrau auf dem Stein sitzen, auf welchem er zuvor gesessen hatte. Sie schien fröhlichen Mutes; denn auf alle seine Fragen gab sie ihm keinen rechten Bescheid, sondern antwortete jedesmal mit einem Scherz, wodurch der Ritter in nicht geringe Verlegenheit geriet. Dabei war sie aber so einnehmend, daß er seinem Herzen keine Gewalt mehr tun konnte, sondern ihr seine Liebe gestand. Sie wurde nachdenklich und beschied ihn auf den nächsten Morgen vor Sonnenaufgang an den Brunnen. | ||
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| - | Der Ritter fand sich an dem bestimmten Ort ein, als kaum die Sterne zu erblassen anfingen. Mit dem ersten Morgenlicht trat die Jungfrau aus dem Gebüsch hervor in aller Huld und Schönheit, so daß der Ritter meinte, es stehe ein überirdisches Wesen vor ihm. Um ihre blonden Locken, die vom Tau feucht schienen, hing ein Kranz von blauen Kornblumen, und ihre Brust schmückten zwei Rosenknospen. Sie sah den Ritter mit dem hellen, reinen Blick der Unschuld an; er aber wußte kein Wort hervorzubringen. Endlich ergriff er doch ihre Hand und redete von seiner Liebe. Da bat sie ihn, sich neben sie zu setzen, und sagte: »Ich bin keine von den Töchtern der Menschen, sondern eine Wasserjungfrau, | ||
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| - | Der Ritter schwur hoch und teuer, daß es ihm ebenso unmöglich sei, ohne sie zu leben, als ihr je untreu zu werden. Die Jungfrau reichte ihm jetzt einen kostbaren Ring dar, und er drückte sie liebevoll an seine Brust und sprach von der anmutigen Lage seiner Burg und wie sie dort leben wollten in Friede und Freude. Es wurde der Tag verabredet, an welchem er sie heimführen wollte als seine Hausfrau. Der Morgen dieses Tages erschien. Als der Ritter aus seinem Schlafgemach in den Saal trat, erblickte er auf einem Tische drei kunstreich geflochtene Körbchen, das eine mit Gold, das andere mit Silber und das dritte mit Edelsteinen mancher Art angefüllt. Es war die Morgengabe seiner Braut. Diese erschien bald darauf, von mehreren Gespielinnen begleitet, und die Trauung sollte vor sich gehen. Die Jungfrau verlangte den Ritter noch einmal allein zu sprechen, sie führte ihn in ein Nebengemach und sagte: »Bedenkt noch einmal, Herr Ritter, was Ihr tut. Wenn Euer Herz gegen mich erkaltet und warm wird für eine andere, so seid Ihr verloren, und es wird ein Zeichen geschehen Eures nahen Verderbens. Von mir werdet Ihr nichts mehr zu sehen bekommen als diesen meinen rechten Fuß.« | ||
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| - | Der Ritter fiel ihr um den Hals und wiederholte die Beteuerungen trunkener Liebe. Die Trauung geschah jetzt, und dieser Tag, sowie viele folgende gingen in Lust und Heiterkeit vorüber. Die junge Frau schien mit jedem Morgen herrlicher aufzublühen, | ||
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| - | Peter zog nun mit einem Haufen Reisiger über den Rhein und begab sich unter die Fahnen eines fränkischen Herzogs. Schon im ersten Treffen zeigte er die Kraft seines Armes und seine Klugheit auf eine Weise, die ihm die Gunst des Herzogs erwarb; in einer Feldschlacht rettete er diesem das Leben und hatte großen Anteil an dem Siege, der zum schnellen Frieden führte. Der Herzog bewies sich dankbar, er bot dem wackern deutschen Ritter die Hand seiner jüngsten und schönsten Tochter an. Peter war nicht gleichgültig gegen ihre Reize und noch weniger gegen die Ehre, mit einem Fürstenhause in Verwandtschaft zu kommen; doch war er auch nicht unredlich genug, seine Verheiratung zu verschweigen. Er erzählte offenherzig, | ||
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