text:gau065
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| - | ====== Die Löwenbraut ====== | ||
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| - | Moritz Bermann | ||
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| - | Außerhalb Simmerings, gegenüber dem großen Leichenfelde Wiens, liegt das sogenannte Neugebäude, | ||
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| - | Außer dem zierlichen Lustgarten gab es hier auch einen Tiergarten mit den seltensten und reißendsten Tieren, welche in stark vergitterten Zwingern gehalten wurden. Im Nebengebäude fanden manche glänzende Festlichkeiten und Lustbarkeiten statt. An einem schönen Maientag versammelten sich in den ebenerdigen Hallen die Mitglieder der kaiserlichen Familie, umgeben von ihren Edelleuten, um das Geburtsfest eines holden Prinzeßleins zu feiern. Nach mancherlei prächtigen Aufzügen und Maskeraden erschien ein Gesangschor, | ||
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| - | Es war nämlich ein gelbweißer Berberlöwe, | ||
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| - | »Ein merkwürdiges Beispiel, wie Milde die Kraft zu bezähmen vermag!« rief der Kaiser aus. »Wir sehen darin eine glückliche Vorbedeutung für unser schönes Land, das Wohl vom stürmischen Wogendrange bedroht werden kann, doch der Schutzgeist des Landes wird alleStürme beschwichtigen. Dem holden Mägdlein sei der Löwe geschenkt und sie führe – bis in späteren Jahren ein wackerer Jüngling sie nach Hause nimmt – von nun an den Beinamen: »die Löwenbraut«. – | ||
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| - | Jahre vergingen, Berta war inzwischen eine reizend erblühte Jungfrau geworden, ohne daß das zärtliche Freundschaftsbündnis mit dem Löwen aufgehört hätte; ja es war, wenn möglich, noch inniger geworden; denn das Tier duldete nicht, daß ein männlicher Begleiter mit Berta seinem Käfig nahte, ohne durch dumpfes Brüllen seine Eifersucht zu erkennen zu geben. Da wurden aber auf einmal die Besuche des Mädchens am Käfige seltener. | ||
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| - | Ein wackerer Jüngling, ihr Jugendgespiele Hans Rechberger, der Sohn des vermöglichen Gastwirtes auf dem Salzgries – die Väter waren alte Freunde – hatte um ihre Hand geworben und sowohl bei den Eltern als bei dem Mädchen gute Aufnahme gefunden. Die Hochzeit wurde bestimmt; da gab es viel zu schaffen, so daß die Braut ihren Löwen immer seltener zu besuchen kam. Das Tier merkte dies genau, denn es zeigte bei jedesmaligem Erscheinen ungewöhnliche Traurigkeit in seinen Gebärden und Liebkosungen, | ||
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| - | Der Tierwärter sah die Abschiedsszene, | ||
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| - | Der Wächter rief Hilfe herbei. Mit Blitzesschnelle kam der junge Rechberger, sein Bräutchen mit bewaffneter Faust zu holen; einen Dolch, den er in der Eile aufgerafft, in der Hand, so stürzte er zu dem Käfig. Der Löwe erblickte ihn, mochte sein Vorhaben instinktmäßig ahnen, sprang mit einem Satze auf die Jungfrau los, schlug sie mit der Tatze machtvoll zu Boden und riß ihr eine tiefe Wunde am Herzen, so daß ihr Lebensstrom mit einem letzten Seufzer entfloh und das weiße Brautkleid sich zum dunkelroten Totengewand färbte. Widerstandslos ließ er sich dann von des Jünglings Dolch durchbohren und sank blutend auf den Körper seiner Braut hin. | ||
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| - | Hans Rechberger küßte den letzten Atemzug von den Lippen der teuren Braut und leistete den Schwur ewigen treuen Angedenkens. Sein Haus, worin sie als glückliche Frau hätte einziehen sollen, nannte er »zur Löwenbraut«, | ||
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| - | Dem Dichter Chamisso hat aber die hier erzählte Geschichte den Stoff zu seiner schönen Ballade »Die Löwenbraut« geliefert. | ||
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