text:gau054
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| - | ====== Kämpfe der Thüringer mit den Franken ====== | ||
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| - | August Witzschel | ||
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| - | Der König der Franken war gestorben und hatte außer seiner Tochter Amalberga, die mit Irminfried, dem Könige der Thüringer, vermählt war, einen rechtmäßigen Erben nicht hinterlassen. Das Volk der Franken aber wählte ans Anhänglichkeit und Dankbarkeit gegen den verstorbenen König, der gütig und mild gewesen war, seinen unehelichen Sohn Theadrich oder Dietrich, den Halbbruder der Amalberga, zum König, der nach den Gesetzen kein Recht auf den Thron hatte. Dietrich schickte sogleich eine Gesandtschaft an Irminfried, um Frieden und Eintracht zu sichern. Der Gesandte sprach zu Irminfried: »Mein Herr und König hat mich zu dir gesandt und wünscht dir Gesundheit und lange Herrschaft über dein weites und großes Reich. Er will nicht dein Herr, sondern dein Freund, nicht dein Gebieter, sondern dein Verwandter sein und das Recht und die Treue der Verwandtschaft bis an sein Ende unverbrüchlich bewahren; nur bittet er dich, die Freundschaft mit dem Volke der Franken nicht aufzuheben und in ihre Eintracht nicht Zwietracht zu bringen, weil sie sich einen König nach ihrer Wahl erkoren haben.« Irminfried erwiderte gnädig und freundlich, er sei mit dem Beschlusse der Franken einverstanden, | ||
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| - | Die Königin Amalberga aber meinte, daß ihr das Frankenreich mit Recht zugehöre und zugestorben sei, denn sie sei eine Tochter des Königs und der Königin, Dietrich hingegen ein geborener Knecht, da er eine Sklavin zur Mutter gehabt habe. Nun lebte auch am Hofe des Königs ein kühner und tapferer Mann, Iring genannt, kräftigen Geistes, scharfsinnig, | ||
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| - | Seine Worte gefielen dem Könige und er erwiderte den Gesandten, er wolle zwar Dietrich seine Freundschaft und Vetterschaft nicht verweigern, doch müsse er sich wundern, wie Dietrich eher ein Reich als seine Freiheit zu gewinnen trachte, da er, ein geborener Sklave, königliches Recht und Eigentum billigerweise nicht verlangen könne. Bekümmert und tiefbewegt sprach der Gesandte: »Lieber wollte ich mein eigenes Haupt dir zu Füßen legen, als solche Worte hören; denn ich weiß, daß sie mit vielem Blute der Franken und Thüringer gesühnt werden müssen.« Dann reiste er zu seinem Herrn zurück. Als Dietrich diese Worte vernahm, verbarg er seinen übergroßen Zorn hinter einer heitern Miene. »Es tut not,« sprach er, »daß wir eiligst unsern Dienst bei Irminfried antreten, damit wir, der Freiheit beraubt, wenigstens das nackte Leben behalten.« Er sammelte aber alsbald ein gewaltiges Heer und zog mit demselben an die Grenzmarke der Thüringer, wo ihn sein Schwager bei Runinbergun bereits erwartete. Zwei Tage währte der heiße Kampf ohne Entscheidung, | ||
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| - | Nach der Flucht der Thüringer rief Dietrich seine Feldherren und Hauptleute und fragte sie um ihre Meinung, ob er Irminfried weiter verfolgen oder ins Vaterland zurückkehren solle. Unter diesen war einer namens Waldrich, der sprach: »Ich bin der Meinung, daß wir heimkehren, die Toten begraben, die Verwundeten pflegen und ein größeres Heer zusammenziehen, | ||
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| - | Diese Rede gefiel dem König und allen, die nach Siegesruhm begierig waren. Man blieb im Lager, und eine Botschaft ging sogleich zu den Sachsen mit dem Erbieten, wenn sie dem König Dietrich Hilfe brächten wider Irminfried und die Thüringer, ihre alten Feinde, sie besiegten und die Burg nähmen, wolle er ihnen dann Land und Reich als ewiges Besitztum überlassen. Die Sachsen säumten nicht und schickten je neun Heerführer mit je tausend Mann. Diese Führer traten in das Lager der Franken jeder mit hundert Mann, während die übrigen draußen vor dem Lager blieben, entboten dem König Dietrich Gruß und Frieden und sprachen also: »Das Volk der Sachsen, dir ergeben und deinem Befehle gehorsam, hat uns zu dir gesendet, und wir sind bereit auszuführen, | ||
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| - | Während die Führer so sprachen, bewunderten die Franken diese an Geist und Leib gleich ausgezeichneten Männer, ihre neue Tracht, ihre Bewaffnung, das die Schultern umwallende Haupthaar, besonders aber die Festigkeit ihres Mutes. Sie waren bekleidet mit langen Kriegsröcken, | ||
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| - | Die Sachsen steckten nun ein Lager ab südlich von der Stadt auf Wiesen, die an den Fluß stießen, und am folgenden Tage griffen sie mit den ersten Morgenstrahlen zu den Waffen, stürmten die Vorstadt und steckten sie in Brand. Dann stellten sie dem östlichen Tore gegenüber eine Schlachtreihe auf. Die Thüringer machten einen verzweifelten Ausfall, stürmten in blinder Wut auf ihre Gegner los, und eine grimmige Schlacht begann. Auf beiden Seiten wurden viele zu Boden gestreckt, denn die Thüringer kämpften für ihr Vaterland, für ihre Weiber und Kinder und für das eigene Leben, die Sachsen aber für ihren Ruhm und den Erwerb des Landes. Erst die einbrechende Nacht trennte den Kampf. | ||
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| - | In dieser Not wurde Iring von Irminfried mit einer unterwürfigen Botschaft und allen Schätzen an Dietrich gesendet, Frieden zu erbitten und freiwillige Unterwerfung zu geloben. Iring trat vor den König der Franken und richtete unter Tränen seinen Auftrag aus. Als er gesprochen hatte, traten Dietrichs Räte, die zuvor mit Gold bestochen waren, mahnend herzu und rieten, das Gebot nicht abzuweisen, der König möge auch ihrer Verwandtschaft nicht ganz vergessen, und es sei nützlicher, | ||
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| - | Da durch diese Meldung die belagerte Stadt ruhig und des Friedens sicher geworden war, ging ein Thüringer mit seinem Falken vor das Tor, um am Ufer der Unstrut zu beizen. Der Vogel flog an das jenseitige Ufer und wurde von einem Sachsen gefangen. Der Thüringer forderte den Falken zurück, der Sachse aber verweigerte beharrlich dessen Rückgabe. »Laß ihn zurückfliegen, | ||
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| - | Die Sachsen, darüber ganz aufgebracht und ganz erschüttert, | ||
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| - | Ermutigt durch diese Worte, verwendeten die Sachsen den übrigen Tag darauf, sich zu stärken und zu erfrischen, und mitten in der Nacht griffen sie zu den Waffen, stürmten die Mauern und drangen mit gewaltigem Geschrei in die unbewachte Stadt. Die Thüringer suchten ihr Heil in der Flucht, andere irrten wie Trunkene in den Straßen und Festungswerken umher, andere fielen den Sachsen in die Hände, indem sie dieselben verkannten und für die Ihrigen hielten. Die Sachsen aber töteten alle erwachsenen Männer, die jüngeren sparten sie zur Beute und Knechtschaft auf. Es war eine Nacht voll Geschrei, Mord und Plünderung, | ||
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| - | Frühmorgens stellten die Sachsen am östlichen Tor einen Adler auf, errichteten einen Siegesalter und verehrten ihre Götter nach der Väter Weise. Drei Tage feierten sie dieses Siegesfest, verteilten die Waffenbeute, | ||
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| - | Als aber Dietrich Irminfrieds Flucht vernommen hatte, ersann er eine List, ihn zu töten. Er ließ ihn zu sich rufen und ging zu Iring, der noch als Gast im Lager der Franken verweilte, und suchte ihn durch trügerische Verheißungen zu bereden, daß er seinen Herrn und König so ums Leben brächte, daß niemand merken könnte, Dietrich habe dabei seine Hand im Spiele gehabt. Iring weigerte sich anfangs lange, endlich gab er nach und versprach, den Auftrag auszuführen. | ||
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| - | Irminfried kam ins Lager der Franken und warf sich dem Könige zu Füßen, Iring aber, der als Dietrichs Waffenträger mit entblößtem Schwerte danebenstand, | ||
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| - | Diese Tat hat solche Berühmtheit erhalten, daß die Milchstraße am Himmel noch heutigestags mit Irings Namen bezeichnet und Iringsweg oder Iringsstraße genannt wird. | ||
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