text:gau052
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| - | ====== Kaiser Sigismund und die Straßburger Edelfrauen ====== | ||
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| - | August Stöber | ||
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| - | Sigismund, König von Ungarn und Böhmen, welcher den 21. Juli 1411 zu Frankfurt von den Kurfürsten auf den deutschen Kaiserthron erhoben wurde, hatte sich 1413 und 1414 die Gunst Straßburgs dadurch erworben, daß er ihr nicht nur das Recht, jährlich eine große Messe zu halten, bestätigte, | ||
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| - | Damals lag Bischof Wilhelm mit dem Domstifte und der Stadt in Streit, und Sigismund hatte während seines Verweilens in Straßburg vollauf zu tun, beide Teile von ihren Feindseligkeiten abzubringen und zur Aussöhnung zu bereden. Ebenso dauerten die Zwistigkeiten, | ||
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| - | Allein ungeachtet dieser Spaltungen, die in der Stadt herrschten, und der Aufregung, welche dieselben mit sich brachten, war Sigismund heitern, manchmal sogar ausgelassenen Sinnes. Die schönen Frauen und Jungfrauen besonders hatten sich seiner Huld und Liebenswürdigkeit zu erfreuen. Schon hatte sich der Kaiser auf dem Mühlstein, der Trinkstube derer von Mühlnheim, bei Gelag und Tanz weidlich vergnügt, als eine Deputation der Frauen der Zornschen Familie ihn für den folgenden Tag auf ihre Stube im Hohenstege einlud. Gerne, gab er ihnen scherzend zur Antwort, wolle er kommen, allein er wisse den Weg nicht, und sie müßten ihn Wohl abholen und dahin geleiten. | ||
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| - | Diese Worte ließen sich die Edelfrauen nicht umsonst gefügt sein. Des folgenden Morgens, »zu Primen zeitt« (um sechs Uhr), pochte es plötzlich an des Kaisers Schlafzimmer in des Lohnherren Hofe. Sigismund erwachte davon, sprang auf und stand bald, nachdem er schnell einen Mantel um sich geworfen hatte, barfuß vor einer festlich geschmückten Schar von bei hundert der schönsten Frauen und Jungfrauen, die ihn, an sein gestern gegebenes Versprechen mahnend, einluden, ihnen zum Hohenstege zu folgen. Der galante Kaiser empfing die Damen mit freundlichem Lächeln, und um sie nicht warten zu lassen, eilte er mit ihnen in dem Aufzuge, in welchem er sie eben empfangen, barfuß und mit dem leichten Mantel bedeckt, die Treppe hinab. | ||
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| - | Beim Klange der Pfeifen und Trommeln bewegte sich der lustige Zug, der Kaiser voraus, umgeben von seinen lieblichen Begleiterinnen, | ||
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| - | Beim Abschied schenkte der Kaiser den Frauen, welche ihn so gastlich empfangen hatten, zum Andenken hundertfünfzig goldene Fingerringe, | ||
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| - | Seinerseits war ihnen aber auch der Kaiser noch lange nachher huldvoll und freundlich zugetan. Denn als Sigismund im Jahre 1416 in Angelegenheiten der Kirche nach Frankreich reiste und eben feit dem 1. März in Paris anwesend war, kam der Stadtschreiber von Straßburg, Ulrich Meiger von Wasenecke, am 3. desselbigen Monats zu ihm, um vor ihm, der Angelegenheiten mit dem Bischof wegen, im Namen der Stadt einen Vortrag zu tun. Nicht ohne Absicht gab Herr Meiger zuerst einen Brief ab, den die Straßburger Damen an den Kaiser geschrieben hatten. Sogleich wurde Sigismund heiter, ließ ihn den Brief laut vorlesen und bezeugte sein Wohlgefallen an demselben. Dann überreichte ihm der Stadtschreiber, | ||
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