text:gau047
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| - | ====== Die Jungfrau auf dem Lurlei ====== | ||
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| - | Aloys Wilhelm Schreiber | ||
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| - | In alten Zeiten ließ sich manchmal auf dem Lurlei um die Abenddämmerung und beim Mondschein eine Jungfrau sehen, die mit so anmutiger Stimme sang, daß alle, die es hörten, davon bezaubert wurden. Viele, die vorüberschifften, | ||
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| - | Niemand hatte die Jungfrau noch in der Nähe geschaut als einige junge Fischer. Zu diesen gesellte sie sich bisweilen im letzten Abendrot und zeigte ihnen die Stellen, wo sie ihr Netz auswerfen sollten. Jedesmal, wenn sie den Rat der Jungfrau befolgten, taten sie einen reichlichen Fang. Die Jünglinge erzählten nun, wo sie hinkamen, von der Huld und Schönheit der Unbekannten, | ||
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| - | Ein Sohn des Pfalzgrafen, | ||
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| - | Die Nachricht von dieser traurigen Begebenheit kam schnell zu den Ohren des Pfalzgrafen. Schmerz und Wut zerrissen die Seele des armen Vaters, der auf der Stelle den strengsten Befehl, erteilte, ihm die Unholdin tot oder lebendig einzuliefern. Einer seiner Hauptleute übernahm es, den Willen des Pfalzgrafen zu vollziehen; doch bat er sich aus, die Hexe ohne weiteres in den Rhein stürzen zu dürfen, damit sie sich nicht vielleicht durch lose Künste aus Kerker und Banden befreie. Der Pfalzgraf war dies zufrieden. | ||
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| - | Der Hauptmann zog gegen Abend aus und umstellte mit seinen Reisigen den Berg in einem Halbkreis vom Rheine aus. Er selbst nahm drei der Beherztesten aus seiner Schar und stieg den Lurlei hinan. Die Jungfrau saß oben auf der Spitze und hielt eine Schnur von Bernstein in der Hand. Sie sah die Männer von fern kommen und rief ihnen zu, was sie hier suchten. »Du sollst einen Sprung in den Rhein hinunter machen, Zauberin,« antwortete der Hauptmann. – »Ei,« sagte die Jungfrau lachend, »der Rhein mag mich holen.« Bei diesen Worten warf sie die Bernsteinschnur in den Strom hinab und sang mit schauerlichem Ton: | ||
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| - | »Vater, geschwind, geschwind, | ||
| - | Die Weißen Rosse schick' | ||
| - | Es will reiten mit Wogen und Wind!«\\ | ||
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| - | Urplötzlich rauschte ein Sturm daher. Der Rhein erbrauste, daß ringsum Ufer und Höhen von weißem Gischt bedeckt wurden; zwei Wellen, welche fast die Gestalt von zwei Weißen Rossen hatten, flogen mit Blitzesschnelle aus der Tiefe auf die Kuppe des Berges und trugen die Jungfrau hinab in den Strom, wo sie verschwand. | ||
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| - | Jetzt erst erkannten der Hauptmann und seine Knechte, daß die Jungfrau eine Undine sei und menschliche Gewalt ihr nichts anhaben könne. Sie kehrten mit der Nachricht zu dem Pfalzgrafen zurück und fanden dort mit Erstaunen den totgeglaubten Sohn, den eine Welle ans Ufer getragen hatte. Die Lurleijungfrau ließ sich von der Zeit an nicht wieder hören, obgleich sie noch ferner den Berg bewohnte und die Vorübergehenden durch das laute Nachäffen ihrer Reden neckte. | ||
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