text:der_pillendoktor
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| - | ====== Der Pillendoktor ====== | ||
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| - | Vor Zeiten wohnte in Krummhübel ein Bader, der aus Görlitz stammte und sich in den Kopf gesetzt hatte, die Kunst der Ärzte zu betreiben, von der er freilich nichts verstand. In seiner Stube grinste den Besuchern ein Totenkopf entgegen, dann hatte er noch einige ausgebalgte Vögel auf Gestellen, mehrere dicke Bücher in Schweinsleder gebunden, dazu Nadeln, Zangen und Sägen, wie sie die Ärzte brauchen, auch Büchsen und Dosen geheimnisvollen Inhalts. Gern ließ er sich Herr Doktor nennen, brachte es auch dahin, dass viele Leute ein großes Zutrauen zu ihm hatten. | ||
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| - | Kam nämlich eine Mutter zu ihm, die ein krankes Kind daheim hatte, so fand sie ihn nicht zu Hause, sondern nur seine Frau. Die sagte dann gewöhnlich: | ||
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| - | »Jawohl!« Und nun fing die Frau an zu erzählen. Der Suse wäre es schon gestern Abend so übel geworden, sie hätte sich vier-, fünfmal erbrechen müssen, dass Galle und ein wenig Blut gekommen seien. Ob das wohl von den Erbsen herrühre, die sie gestern Mittag gegessen hätten? | ||
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| - | »Ja, das wird der Doktor wissen«, meinte die Frau, »und der muss gleich kommen.« | ||
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| - | Der Doktor war aber bereits da und hatte hinter der Tür Wort für Wort vernommen. Bald darauf kam er mit schweren Schritten ins Haus, ging gewichtig die Treppe hinauf und tat, als ob er wer weiß wie weit herkomme. Trat ein mit bestaubten Stiefeln, den Hut auf dem Kopf, den Regenschirm unterm Arm und schien die Frau gar nicht zu bemerken. | ||
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| - | »Ist etwas gekommen? | ||
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| - | »Tag! Tag! Ist doch nicht etwa einer krank bei Euch?« | ||
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| - | »Ach ja, Herr Doktor, die Suse.« | ||
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| - | »Hm. Habt Ihr das Wasser mitgebracht? | ||
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| - | »Jawohl, Herr Doktor.« | ||
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| - | Der Spitzbube hielt nun das Glas gegen das Licht, kniff ein Auge zu, um scheinbar besser prüfen zu können, und meinte: »Schlimme Geschichte, Frau Röder. Der Magen ist ganz verdorben. Hat wohl schon gestern Abend angefangen? Dachte ich mir. Nicht wahr, große Übelkeit? Mehrfaches Erbrechen? Aha. Ist wohl Galle mitgekommen und etwas Blut? Ja, ja, das dachte ich mir. Völlig verstopfter Magen, sehr schwieriger Fall. Habt Ihr dem Dirnlein vielleicht Hülsenfrüchte gegeben? … Erbsen? … Da hat man’s. Das hättet Ihr nicht tun dürfen, das kann der Zehnte nicht vertragen. Aber, keine Sorge weiter, liebe Frau! Gegen solche Übel hat meine Kunst glücklicherweise ein unfehlbares Heilmittel.« | ||
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| - | Die Frau schlug nun die Hände zusammen über das unbegreifliche Wissen und Können des Doktors und nahm vertrauensvoll die teuren Heilmittel, die der Schelm ihr für den schweren Fall verordnete, mit nach Hause. Meistens machte er sein Geschäft mit Pillen, kleinen Teigklümpchen, | ||
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| - | Da sein Ruhm immer höher stieg, wollte er auch in anderen Orten sein Licht leuchten lassen und begab sich darum auf die Wanderschaft. Sein Weg führte ihn über das Gebirge. Nahe an Rübezahls Garten traf er einen Mann, der anscheinend Kräuter suchte. Er hatte davon einen ganzen Korb voll. Der Doktor, der gewohnt war, mit geringem Volk barsch umzugehen, fuhr den Alten an: »Was treibst du da, altes Murmeltier? | ||
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| - | »Ich suche Heilkräuter, | ||
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| - | »Damit deine Geißen etwas zu fressen haben?« | ||
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| - | »Nein, Euer Gnaden. Damit werden die Menschen geheilt und Krankheiten aller Art vertrieben.« | ||
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| - | »Das ist zum Lachen, Kerl. Ich möchte wissen, welche Krankheiten du mit deinem Viehfutter bannen möchtest.« | ||
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| - | »Nun, das ist zum Exempel der Rainfarn. Der hilft besonders gegen den Wurm. Hier sieht der Herr den Huflattich, der ist, in der rechten Weise gegeben, gut gegen Husten und Heiserkeit. Da ist der Baldrian, der treibt den Kranken in Schweiß und stillt den Krampf. Die Königskerze, | ||
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| - | »Nun höre mir aber auf, du alter Maulwurf. Meinst du, du kannst mir mit solchem Blödsinn kommen? Mir, dem berühmten Doktor von Krummhübel, | ||
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| - | Kaum waren diese hässlichen Worte heraus, als der Doktor fühlte, dass ihn eine starke Hand am Kragen packte und wie eine Feder in die Höhe hob. Zugleich sah er, wie der Kräutermann zu einem Riesen wuchs, und begriff sogleich, in wessen Händen er sich befand. Demütig bettelte er jetzt um Gnade. Die Worte wären ihm so herausgefahren, | ||
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| - | »Gibst du jetzt klein bei?«, fuhr ihn Rübezahl an. »Wirst du zahm mir gegenüber? Siehst du ein, dass du in meinem Bezirk bist und ich nicht in deinem?« | ||
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| - | »Gnade!«, bettelte der Pillenmann. | ||
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| - | »Du lässt dich Doktor nennen, du Pfuscher, und verstehst doch nichts weiter als das Bartkratzen und Aderlassen. Du gibst den Kranken Pillen, die nichts taugen und ihr Leiden nur vermehren, schröpfst die Leute und nimmst ihnen für wertloses Zeug viel Geld ab!« | ||
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| - | »Gnade!«, jammerte der Doktor. | ||
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| - | »Du bist ein Quacksalber und Kurpfuscher schlimmster Art und ein dreister Großsprecher. Du kommst mir nicht ungestraft davon! Ich lasse dich nicht eher los, bis du deine sämtlichen Pillen, die du hier in deinem Kasten trägst, hinuntergeschluckt hast.« | ||
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| - | Der unglückliche Doktor bat nun zwar um eine mildere Strafe, aber Rübezahl blieb hart. Es half ihm nichts, er musste seine ganze Apotheke hinunterwürgen. Dann erst ließ ihn der Berggeist laufen. Der Gemaßregelte beeilte sich, nach Krummhübel hinunterzukommen, | ||
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