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text:893_das_bergmaennlein_auf_dem_hochwalde

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-====== Das Bergmännlein auf dem Hochwalde ====== 
  
-    Nach Gräve S. 130. sq.  
-    Winter in d. Const. Z. 1854. Nr. 208. 
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-Auf dem Hochwalde, welcher bekanntlich eine der schönsten Aussichten vom [[region:Oybin]] gewährt, und in dessen Boden sich nach den Sagen der [[typ:venediger|Wahlen]] kostbare [[typ:edelstein|Edelsteine]] befinden sollen, geht zu Zeiten, meist am heiligen Abend des [[zeit:weihnachten|Weihnachts-]], [[zeit:ostern|Oster-]], [[zeit:johannistag|Johannis-]] und [[zeit:michaelistag|Michaelisfestes]] ein kleines, aschfarbig anzusehendes Männchen herum, das lange weiße Bart- und Kopfhaare hat, einen schwarzen, rothverbrämten, mit einem gelben [[typ:Gürtel]] umgürteten Talar((Anmerkung dsw: Ein Talar ist ein weitärmeliges, knöchellanges Obergewand, das von Professoren, Absolventen, Geistlichen und Juristen getragen wird.)), auf dem Haupte eine spitze trichterförmige [[typ:Mütze]] von smaragdgrüner Farbe trägt, und in der Linken ein Rauchfaß, in der Rechten aber einen bunten [[typ:Stab]] hält. Dieses Männchen zeigt dem, der das Glück hat, ihm in den Weg zu kommen, nicht blos [[typ:Gold]], [[typ:Silber]] und [[typ:edelstein|Edelsteine]], sondern vorzüglich auch wohlthätige [[typ:kräuter|Heilkräuter]]. 
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-Einst lebte zu [[geo:Olbersdorf]] ein gewisser Jacob Sahrer, den Einige den frommen Jacob, Andere den hinkenden [[typ:bote|Boten]] nannten, weil er seit der [[zeit:schlachtamweissenberg|Schlacht auf dem weißen Berge]] an einer [[typ:Kugel]] laborirte, die ihm als kaiserlichem Reitersmann das Knie zerschmettert hatte, und ihn zum ewigen Hinken verurtheilte. Er war im ganzen Dorfe beliebt, und besonders wegen seiner frommen Gesinnung – etwas Seltenes bei einem alten [[typ:soldat|Soldaten]] – hochgeachtet, und so gab ihm Jeder gern etwas zu verdienen, wenn er die von ihm gesuchten Kräuter ausbot, oder sich zum Botschaftgehen erbot.  
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-Einst begegnete er in der [[zeit:Michaelisnacht]] dem [[typ:Bergmännlein]], das ihm ein Zeichen machte, er möge ihm nur getrost folgen, und so führte ihn dasselbe die Kreuz und die Quere durch den Wald, bis es endlich an einem kleinen Hügel stehen blieb, räucherte, mit seinem [[typ:stab|Stabe]] nach allen Himmelsgegenden hinwieß, und dann den Boden damit berührte, worauf sich auf einmal aus dem Hügel ein förmlicher Springbrunnen von Gold, Silber und Edelsteinen ergoß, und als er eine Weile gesprudelt hatte, wieder versiegte. Nachdem das Bergmännchen ihm die Erlaubniß zugewinkt hatte, sich des [[typ:silber|Silber]]- und [[typ:gold|Goldsegens]] zu bemächtigen, und derselbe in Ermangelung eines [[typ:sack|Sackes]] dasselbe in seinen [[typ:Mantel]] gepackt hatte, gab jenes ihm noch ein in schwarzen Sammet gebundenes [[typ:Buch]], winkte ihm, sich zu entfernen und verschwand selbst. In dem Buche aber, welches von den geheimen Kräften der [[typ:Kräuter]] und [[typ:wurzel|Wurzeln]] handelte, lag ein Zettel, auf welchem in lateinischer Sprache dem nunmehrigen Besitzer eingeschärft ward, sich seines Fundes weise zu bedienen, und der Armen und Kranken eingedenk zu sein. Dies that denn aber der brave Invalid nach Kräften, er [[typ:heilung|heilte]] mit Hülfe seines Buches eine Unzahl Kranke, wendete seinen Reichthum zur Unterstützung der Armen und Schwachen an, und als er zu Ende des 17. Jahrhunderts [[typ:sterben|starb]], hatte er sein ganzes Eigenthum der [[typ:Kirche]] und frommen Stiftungen vermacht.  
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-Jenes Bergmännchen selbst soll aber der Geist eines frommen Mannes aus den Zeiten des Mittelalters sein, der an der böhmischen [[typ:Grenze]] ebenfalls als ein ausgezeichneter Kräuterkenner und [[typ:arzt|Naturarzt]] vom Volke vielfach geehrt und gesucht ward, eines Tages aber, von einer Reise aus dem benachbarten [[region:Böhmen]] zurückgekehrt, auf jenem Hügel, dem jetzt noch sein Schatten entsteigt, von gottlosen Menschen, die wahrscheinlich große Reichthümer bei ihm zu finden gedacht hatten, da man ihm auch tiefe Kenntniß der in der Erde ruhenden Metalle und Edelsteine zuschrieb, [[typ:erschlagen]], und dann ebendaselbst von Landleuten aus der Nachbarschaft begraben worden sein soll.  
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-//Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 301; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_II_301.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
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-{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 oberlausitz schlachtamweissenberg oybin zwerg olbersdorf bote soldat Bergmännlein invalide gold silber buch kräuter wurzel heilung reichtum}} 
text/893_das_bergmaennlein_auf_dem_hochwalde.1682583100.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)