text:738_das_budissinische_gespenst
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| - | ====== Das Budissinische Gespenst ====== | ||
| - | Budäus, Singularia hist. literaria Lusatica. Lpzg. u. | ||
| - | Budissin 1736. Bd. I. S. 408. sq. cf. Bd. II. S. 822. sq. | ||
| - | v. Weber, Aus vier Jahrhunderten Bd. I. S. 67-83. | ||
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| - | Es hat sich seit Weihnachten des Jahres 1683 in der Behausung des Oberamtssecretärs S. Hoffmann zu Budissin ein Gespenst gezeigt und ist insonderheit seiner Frauen Tochter, so ohngefähr seit einem Jahre an den Oberamtsadvocaten Chr. Keilpflug verheirathet war, erschienen. Bald hatte dasselbe die Gestalt einer wendischen, bald die einer deutschen verschleierten Frau und hat es die Keilpflugin um Gottes Willen gebeten, sie solle ihr helfen. Es hat sich dabei Sabine Ruprechtin genannt und vorgegeben, sie wäre vor diesem von Martin Kathmannen (wie sie denn beide Namen mit Tinte und Kreide verschiedene Male nebst einer unleserlichen Jahreszahl aufgeschrieben) ermordet und in den Keller verscharrt worden, sie solle nur daselbst aufgraben und ihren Leichnam in einen Sarg legen, ihr auch einen Leichenstein mit einer Ueberschrift, | ||
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| - | Es hat dieses Gespenst zwar mit der Keilpflugin verschiedene geistliche Lieder gesungen, nur nicht solche wie: „Gott der Vater wohn’ uns bei“ etc., „Nun lob’ meine Seele den Herrn“ etc. und den christlichen Glauben, auch das Vaterunser nicht mitgebetet, sondern dabei sich fortgemacht, | ||
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| - | Im Uebrigen, als ohngeachtet der geschehenen Verwahrung vor allen abergläubischen Mitteln, gleichwohl das Gesinde im Hoffmann’schen Hause ein paar alte Kehrbesen kreuzweise vor die Stubenthür gelegt, sei das Gespenst, als es bis an die Schwelle gekommen, auf dem Besen stehen geblieben. Wenn es aus der Stube wich, ließ es einen übeln Geruch wie von Knoblauch und altem Speck zurück, zeigte sich auch zuweilen bald mit einer Feuerkugel unter dem Arme und mit feurigen Ketten um den Leib, bald mit blutigem Munde, bald in Gestalt eines Kaninchens, bald in abscheulicher Gestalt mit großen Klauen, Gänsefüßen und einem langen Kuhschwanze, | ||
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| - | Es ist auch zu der Keilpflugin ins Bett gekommen und hat ihr gedroht, es wolle ihr den Hals umdrehen, wenn sie ihren Mann aufwecken werde und hat sie dabei an dem Schenkel, sowie auch am Halse gezwickt, also, daß man die Schwielen etliche Tage lang sehen konnte. Als nun eines Tages der Beichtvater der geplagten Frau, der Diaconus J. Muscovius bei ihr war, hat er zwar das Gespenst, welches gerade dagewesen, nicht selbst erblickt, es ist ihm aber so übel geworden, daß er an Schenkeln und Händen anfing zu zittern. Da nun aber gleichwohl das geistliche Ministerium nicht gestattete, im Keller nachzugraben, | ||
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| - | Aufgeklärt aber ist der Spuk nie worden. Mit der weißen Gestalt, die aus dem Wendischen Thurme zuweilen in die Caserne herabkommt und da verschwindet, | ||
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| - | //Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 123; [[https:// | ||
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