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text:704_sage_vom_galgenberg_bei_brambach

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-====== Sage vom Galgenberg bei Brambach ====== 
  
-    Bearbeitet von Julius Schanz,  
-    metrisch behandelt von Fr. Rödiger. 
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-In [[geo:badbrambach|Brambach]] ertönte eines Morgens früh das [[typ:Armensünderglöcklein]]: ein junges Mädchen mit schwarzen Schleifen in den [[typ:haar|Haaren]] und schwarzen Schleifen an dem Kleide, saß auf dem Karren und sollte zum [[typ:Richtplatz]] gebracht werden. Viel Volks begleitete den Zug; doch fehlte, als man am Galgenberge ankam, noch das letzte Entscheidungswort, vor dessen Eintreffen die [[typ:Hinrichtung]] nicht stattfinden durfte. Der Reiter, der darnach ausgeritten war, ließ sich endlich am Rande des Waldes erblicken.  
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-Wenn er mit dem [[typ:tuch|Tuche]] wehte, solle der Urtheilsspruch vollzogen werden, so war es verabredet, und siehe! er nahm das [[typ:Tuch]] heraus und fuhr damit über die Stirn, indeß er sein Roß jedoch zu immer größerer Eile anspornte. Man glaubte das Zeichen in dem verabredeten Sinne verstehen zu müssen und der Kopf des Mädchens fiel auf das [[typ:schafott|Schaffot]], als der Reiter in athemloser Hast heransprengte und dem [[typ:Henker]] entgegen rief: „Warum habt Ihr ein unschuldiges Mädchen gerichtet? Sie war freigesprochen!“ – „Ich habe recht gerichtet,“ sprach der Henker; „ist’s ein [[typ:Mord]], so ist’s die Schuld des [[typ:richter|Richters]].“ „Euer ist die Schuld,“ sprach der Richter zu dem Boten, „Ihr winktet mit dem Tuche, wie es verabredet war.“ –  
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-Da löste sich das grauenvolle Mißverständniß: der Reiter hatte das Tuch nur entfaltet, um sich den Schweiß von der erhitzten Stirn zu trocknen, denn er hatte sich und sein Roß in [[typ:Angst]] und Schweiß geritten, um nicht zu spät zu kommen! – – „Ich bitte,“ sprach der Bote mutherfüllt, „nicht um [[typ:Gnade]]; laßt mich die [[typ:Strafe]] des Mordes tragen.“ – Tiefe Stille lag auf der Menge: der Henker schlug dreimal an’s Becken, das einen grellen Ton gab, und der [[typ:Richter]] sprach zu dem Unglücklichen: „Du bist des [[typ:schwert|Schwertes]] schuldig!“ – Nicht der [[typ:Bote]], aber die versammelte Menge und selbst der Henker erschrack vor diesem harten Spruche.  
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-Der Bote zog sein Schwert, hieb seinem Pferde mit einem kräftigen Schlage den Kopf ab und bat den Richter, ihn auch so zu treffen. Das Sünderglöcklein tönte von Neuem und ein rascher Hieb trennte seinen Kopf von den Schultern. „Hab ich’ recht gerichtet?“ rief der Henker. „Recht!“ sprach der Richter. „Aber es war zum letzten Mal!“ entgegnete der Henker, „kein unschuldig [[typ:Blut]] soll fürder dieses Schwert beflecken!“ – Mit diesen Worten brach er sein Schwert mitten entzwei und begrub es mit dem armen Sünder. Dieser aber fand keine Ruhe im Grabe und macht noch jetzt in der Geisterstunde mit seinem Roß die Runde um den Galgenberg, beide [[typ:ohnekopf|ohne Kopf]], wie manches Sonntagskind erzählt, das sie gesehen hat.  
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-//Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 96; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_II_096.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
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-{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 vogtland badbrambach galgenberg richtstätte schafott hinrichtung unschuld köpfen schwert tuch henker richter urteil strafe bote spuk ohnekopf armesünderglöcklein}} 
text/704_sage_vom_galgenberg_bei_brambach.1682489542.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)