text:691_sage_vom_fuerstensaale_in_neuendorf
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| - | 691) Sage vom Fürstensaale in Neuendorf. | ||
| - | Nach mündlicher Ueberlieferung bearbeitet von Julius Schanz. | ||
| - | Zur Zeit Kaiser Friedrichs II., ungefähr um das Jahr 1227, war auch im Voigtlande ein reges Leben und Treiben. Vor Allem war das Schloß Neuendorf, dessen Besitzer die Grafen von Reibold waren, der Sammelplatz der jungen Ritter in der Umgegend; denn hier wohnte ein wunderschönes Fräulein, mit Augen so blitzend wie Diamanten, mit Wangen so blühend wie Rosen, mit Haaren so blond wie Gold. Doch im schönen Körper wohnte auch eine schöne Seele. Sanft wie das einer Taube war ihr Gemüth, der Adel ihres Geistes strahlte aus den blauen Augen und verklärte ihr Angesicht, daß sie Allen wie ein Engel in Menschengestalt erschien. Kein Wunder also, wenn Tag für Tag das Schloß ihres Vaters voll von jungen Rittern war, die sich an sie herandrängten, | ||
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| - | Tag für Tag stellte sich der Jüngling auf dem Schlosse ein und ihre Tage flossen, von Liebe bekränzt, leicht und schnell dahin. Zwar waren der Bewerber viele und unter ihnen reichere und angesehenere Herren als Otto, aber sein edler Sinn bewirkte, daß ihm alle freiwillig den Vorrang räumten. Nur Einer wollte nicht weichen: Herr von Römer nennt ihn die Sage, dessen Geschlecht, eines der ältesten des Voigtlandes, | ||
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| - | Lange lebten die beiden Liebenden glücklich im Wonnerausch ihrer jungen Seligkeit und schon sollte in den nächsten Monaten die Hochzeit mit allem Glanze der damaligen Zeit gefeiert werden. Da erschien eines Tages ein kaiserlicher Herold, alle Ritter auffordernd, | ||
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| - | „In zwei Jahren bin ich wieder bei Dir,“ rief Otto begeistert, „diese Locke soll mich stets im Schwerterklang an Dich mahnen. Lebe wohl!“ – | ||
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| - | Glühende Küsse drückte er auf ihren Mund und stieg zu Rosse. Bald waren die letzten Helmbusche hinter den Bergen verschwunden – und Rosamunde war allein. Sie hatte ihnen nachgeblickt, | ||
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| - | Tapfer kämpfte Otto von Stubenberg im gelobten Lande und einer der Ersten pflanzte er das Panier auf die Mauern Jerusalems, so daß sein trefflicher Herr und Kaiser ihn öffentlich lobte und auszeichnete. Er ward ein Schrecken der Sarazenen und vor seinem Schlachtruf flohen sie erschreckt in’s Weite. | ||
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| - | Als nun das Ende der zwei ausbedungenen Jahre heranrückte, | ||
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| - | Der Saal, wo der Kampf ausgefochten ward, ist der sogenannte Fürstensaal im Schlosse Neuendorf. Noch heute sind die Blutflecken auf dem Boden desselben zu sehen. Zur Nachtzeit will man oft darin Schwerterklirren und Todesröcheln vernehmen und noch zu Zeiten soll der Geist des Erstochenen in blutgeflecktem Gewande darin herumgehen. | ||
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| - | //Quelle: | ||
| - | Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 82; [[https:// | ||
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