text:684._der_geist_hintzelmann
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| - | ====== 684. Der Geist Hintzelmann ====== | ||
| - | S. Der vielförmige Hintzelmann oder umständliche und merkwürdige Erzählung von einem Geist, | ||
| - | so sich auf dem Hause Hudemühlen und hernach zu Estrup im Lande Lüneburg unter vielfältigen | ||
| - | Gestalten und verwunderlicher Veränderung hat sehen lassen. o.O.u.J. in 18. 379 SS. | ||
| - | ohne die Vorr. Mit 13 Kupfern | ||
| - | Verfasser der ersten Ausgabe dieser Geschichte war nach S. 226 der Pfarrer Marg. Feldmann zu | ||
| - | Eckelohe-Hudemühlen. | ||
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| - | Es giebt eine Art höllischer Erscheinungen, | ||
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| - | Von solcher Gattung ist auch der Geist Hintzelmann gewesen, der sich zuerst Anno 1584 auf einem Hause, genannt Hudemühlen (oder Hudermühlen im frühern hannöver' | ||
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| - | Es ist nun aber das alte Schloß Hudemühlen nunmehr gänzlich eingegangen, | ||
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| - | Wie nun dieser Hausgeist erst so lange hier verweilt, daß man seiner gewohnt geworden, sind Etliche so neugierig gewesen und haben ihn gefragt, wie er hierher käme, woher er sei und was er an diesen Orten zu thun habe? Darauf hat der Geist erzählt, er wäre aus dem böhmischen Gebirge, habe auch seine Gesellschaft im Böhmer Walde, seine Mutter sei eine Christin, allein dieselbe wolle ihn nicht bei sich leiden, deswegen sei er gezwungen, sich von ihr zu entfernen und seine Zuflucht bei guten Leuten anderwärts zu nehmen, bis seine Sachen dermaleinst in bessern Stand kämen. Seine Name sei Hintzelmann, | ||
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| - | Gleich dem Heidengotte Jupiter hat sich aber unser Hintzelmann bald sichtbar, bald unsichtbar, bald in einer großen, bald in einer kleinen Gestalt dargestellt. Denn als der Herr Besitzer der Hauses Hudemühlen gesehen, daß sich dieser Geist mehr und mehr zu ihm thue und er seiner nicht los werden könne, hat er auf den Rath einiger Freunde sich vorgenommen, | ||
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| - | Als sich nun der Geist Hintzelmann eine Zeit lang an dem bewußten Orte aufgehalten und man nun die Hoffnung fallen lassen mußte, daß er sich von selbst wieder wegmachen würde, hat sich ein Cavalier gefunden, welcher sich unterstanden, | ||
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| - | Als nun der Geist Hintzelmann nicht durch Spieße und Stangen zu vertreiben war, so fanden sich Einige, welche ihn auf andere Weise wegzubringen suchten. Sie ließen also von einem entlegenen Orte einen verrufenen Teufelsbanner kommen, welcher den Geist von dannen treiben sollte. Derselbe fand sich auch ein und man zeigte ihm den Ort, wo Hintzelmann gemeiniglich seinen Aufenthalt hatte. Darauf hat denn dieser seine Beschwörungen aus einem Zauberbuche, | ||
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| - | Man hat ihn zuweilen gefragt, ob er die Kobolde und Poltergeister, | ||
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| - | Unser Hintzelmann liebte aber wie andere böse Geister die Einsamkeit gar nicht, er gesellte sich nicht nur zu den Leuten, ließ sich unter ihnen sehen und hören und führte mit ihnen allerhand Gespräche, absonderlich fleißig näherte er sich aber den Frauenzimmern, | ||
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| - | Als nun einstmals ein gewisser Knecht von dem Hause Hudemühlen von einem der obgedachten Fräuleins nach Rethen abgeschickt war, um daselbst eins oder das Andere einzukaufen, | ||
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| - | Nun hat sich einmal ein gewisser von Adel, der von großem Verstande, sonderlich auch bei dem König von Dänemark Christian III. in hohem Ansehn stand und unter dessen Miliz als Kriegs-Obrister kommandirte und in den Kriegen mit der Stadt Lübeck tapfere ansehnliche Dienste geleistet, zu Hudemühlen aufgehalten. Da nun dieser ein guter Schütz und Liebhaber der Jagd war, so hat er manche Stunde damit zugebracht, daß er in das umliegende Gehölz geritten und daselbst den Hirschen und wilden Schweinen nachgestellt und daraus sich eine angenehme Unterhaltung gemacht. Wie nun selbiger Cavalier einst mit Jagdgedanken umgegangen, kommt der Hintzelmann zu ihm und sagt: »Thomas (also nannte sich der Genannte von Adel), ich warne Dich, daß Du Dich im Schießen vorsiehst, denn Du wirst sonst in Kurzem ein Unglück haben.« Der Oberst gab auf diese Prophezeiung wenig und meinte nicht, daß dies etwas zu bedeuten haben sollte, allein etliche Tage darauf, wie er wiederum dieser Ergötzlichkeit nachhing, zersprang ihm durch den gethanen Schuß die Büchse und schlug ihm den Daumen aus der linken Hand hinweg. Sobald dies geschehen, fand sich Hintzelmann bei ihm ein und sagte: »Siehe da, nun hast Du es, wovor ich Dich gewarnt habe; hättest Du meiner Warnung gefolgt und diese Zeit über des Schießens Dich enthalten, würde Dir dieser Unfall nicht begegnet sein.« Man soll auch die Nacht vorher auf dem Walle, welcher um das Haus herumgeht, zwei starke Schüsse gehört haben, welche vielleicht von diesem Hintzelmann hergerührt haben mögen. | ||
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| - | Die Kammer, wo sich Hintzelmann aufhielt, ist nun auf dem Schlosse Hudemühlen im obersten Stockwerk zur rechten Seite gewesen und es hat sein Hausgeräth bestanden erstlich in einem Sessel oder Lehnstuhl, welchen er von Stroh von allerhand Farben gar kunstreich geflochten gehabt, voller zierlicher Figuren und Kreuze, so nicht ohne Verwunderung anzusehen gewesen, zum Andern ist darin anzutreffen gewesen ein kleiner runder Tisch, welchen man ihm auf sein vielfältiges Anhalten verfertigen und dahin setzen müssen, drittens eine zubereitete Bettstelle, welche er gleichfalls hineinzusetzen verlangt hat. Man hat aber an dieser Lagerstätte niemals ein Merkmal finden können, daß ein Mensch darin gelegen hätte, nur hat man allemal ein kleines Grüftlein, gleich als ob eine Katze darin gelegen, gespürt, und in diesen drei Stücken hat sein ganzer Hausrath bestanden. Weil nun dieser Geist jedesmal das Ansehen haben wollte, daß er als ein natürlicher Mensch der Speise und des Tranks benöthigt sei, hat er das Gesinde und namentlich die Köchin angehalten, daß sie ihm täglich eine Schüssel voll süßer Milch, worinnen Weißbrod gebrockt war, zubereiten und auf seinen Tisch stellen mußte, welches auch hernach dem Anscheine nach rein ausgegessen war und die Schüssel wurde allemal leer mit hinausgenommen, | ||
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| - | Es hat sich aber der Hintzelmann im Hause, in der Küche und im Stalle überall geschäftig angestellt und schien er mit großem Fleiße allerhand Arbeiten zu verrichten. Insonderheit hat er in der Küche des Nachts sehr handthiert, denn wenn die Köchin des Abends nach der Mahlzeit die zinnernen Schüsseln und Teller unabgewaschen durcheinander über einen Haufen hinsetzte, so hat sie dieselben des Morgens wohl gesäubert und hell wie ein Spiegel glänzend in guter Ordnung wider angetroffen, | ||
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| - | Es hat sich zu Hudemühlen vormals ein Vornehmer von Adel, aus dem Geschlecht von Falkenberg, welcher im Kriege als ein vornehmer Offizier Dienste gefunden, auf einige Zeit aufgehalten und daselbst seinen Besuch abgestattet. Weil nun derselbe frischen und fröhlichen Humors war, fängt er an den Hintzelmann zu vexiren und gegen denselben allerhand kurzweilige Reden zu gebrauchen. Allein es wollte dies dem Geiste in der Länge nicht anstehen, sondern er begann sich unwillig zu geberden und fuhr endlich in folgenden Worten heraus: »Falkenberg, | ||
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| - | Es ist bereits erzählt worden, daß in Hudemühlen sich zwei Fräuleins aufgehalten, | ||
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| - | Einst kam ein vornehmer Mann aus dem Geschlechte derer von Mandelsloh nach Hudemühlen, | ||
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| - | Hintzelmann hat einmal auch eine Magd eingeschlossen und festgebannt, | ||
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| - | Ein anderes Mal reisete einer von Adel, von vornehmem Stand und bekannter Familie, einst vor Hudemühlen vorbei, und ob er wohl ein guter Freund und Bekannter des Hauswirths war, so trug er dennoch Bedenken, auf dem Hause daselbst einzusprechen, | ||
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| - | Weil nun aber die Hausköchin vermeinte, daß sie des Hintzelmann' | ||
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| - | Auf dem fürstlichen Schlosse zu Ahlden hat zu der Zeit Otto Aschen von Mandelslohe, | ||
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| - | Auf gleiche Weise hat er auch gern die Knechte und Arbeitsleute in ein Handgemenge zu verwickeln gesucht, wozu er die schönste Gelegenheit fand, wenn den Leuten durch das Bier die Sinne gehemmt und die martialischen Geister etwas zu sehr erhitzt waren. Alsdann nahm Hintzelmann seinen Platz unter ihnen und wollte als ein angeblicher Domestik seinen Theil mit daran haben, um dabei seine Gelegenheit abzusehen. Wenn nun der Trunk das Gehirn eingenommen und einer etwa etwas unter den Tisch hatte fallen lassen und dasselbe aufzuheben sich bückte, hat er demselben von rückwärts eine gute Ohrfeige versetzt, seinen Nachbar aber in's Bein gezwickt. Beide Theile meinten alsdann, es käme dies von dem Nachbar her, worauf man denn bald zu Scheltworten und von diesen auf Schläge kam und endlich hat man solche ohne Unterschied ausgetheilt, | ||
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| - | Nun befand sich zu Hudemühlen zur Zeit des Hintzelmann ein Schreiber, Namens Henning Steinhoff, welchen gedachter Hintzelmann einer gar zu großen Hoffart beschuldigte und ihm deswegen gehässig ward, that ihm auch aus solcher Ursache oftmals großen Drang an, incommodirte und beunruhigte ihn bald bei Tage bald bei Nacht heftig. Denn wie ein Hoffärtiger einen andern Hoffärtigen am Wenigsten leiden kann, also war diesem hoffärtigen Geiste die stolze Einbildung des Schreibers verdrießlich. Als er nun denselben einstmals sehr gequält hatte, rühmte er sich dessen gegen Jemand aus dem Hause, stellte sich ganz fröhlich und erzählte mit Gelächter, er habe dem hoffärtigen Schreiber (also klangen seine Worte) eine rechtschaffene gute Ohrfeige gegeben. Als man ihn weiter fragte, warum er denn die Leute also traktire, was er dazu für Ursache habe, hat er sich ferner vernehmen lassen: er wäre ja allzu hoffärtig, er könne das nicht leiden. Am folgenden Morgen wurde der Schreiber hierüber vernommen und gefragt, ob der Hintzelmann die vorige Nacht bei ihm gewesen wäre, worauf derselbe geantwortet hat: »Ja, wohl mehr als zuviel ist er bei mir gewesen, er hat mir die Nacht einen solchen Drang angethan, daß ich vor demselben nicht zu bleiben wußte.« Von diesem Schreiber aber hat sonst Herr Feldmann, ehemaliger Prediger zu Hudemühlen, | ||
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| - | Eines Tages ist der Hintzelmann zu einem Mann aus Hudemühlen, | ||
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| - | Nun hat aber ein gewisser junger Edelmann, der von sehr vornehmem Geschlecht, aber auch von allzugroßer Einbildung war, den Hintzelmann fangen wollen. Derselbe hatte von den Historien dieses Geistes viel erzählen hören und war deswegen begierig, etwas davon zu sehen oder ihn reden zu hören. Als nun sein Wunsch einst erfüllt wurde und der Hintzelmann sich hören ließ und zwar aus einem Winkel bei einem in der Stube stehenden großen Schranke, allwo unterschiedliche leere Weinkrüge mit engen Hälsen hingesetzt waren, so deuchte es diesem Edelmann, daß, weil seine Stimme zwar zart und subtil, jedoch etwas heiser und gleich als ob sie aus einem hohlen Geschirr geredet werde, anzuhören war, er müsse etwa in dem einen dieser Krüge sitzen und da heraus reden. Er lief also zu den Krügen hin, faßte sie an und vermeinte sie zuzumachen, daß er den Geist gewiß erhaschen wolle. Als er nun damit umging, so fing der Geist an überlaut zu lachen und sagte: »Wenn ich nicht vorlängst von andern Leuten gehört hätte, daß Du ein Narr wärest, so sehe ich's nun in der That, weil Du meinst, ich sitze in den leeren Krügen und weil Du dieselben mit der Hand zudeckst, so hättest Du mich gefangen. Ich achte Dich nicht der Mühe werth, sonst wollte ich Dich schon so witzigen, daß Du eine Zeit lang meiner gedenken solltest. Aber doch möchtest Du bald ein wenig gebadet werden.« Hiermit schwieg der Geist still und ließ sich nicht weiter hören, so lange der Edelmann da war. Ob er aber nachher in's Wasser gefallen sei, wird nicht gemeldet, doch ist vermuthlich, | ||
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| - | Es hat aber der Geist Hintzelmann die Larve der Scheinheiligkeit fleißig gebraucht, denn wie oben bereits gedacht worden ist, gab er vor, er sei nicht allein ein wahrhaftiger Mensch, sondern auch ein guter Christ und hoffe nicht weniger als andere selig zu werden. Als man nun einstmals von diesen Sachen mit ihm redete und von ihm begehrete, daß wenn er ein guter Christ seinem Vorgeben nach sein wolle, er auch Gott anrufen und die Gebete, deren sich die Christen bedienen, sprechen müsse. Hierauf hat er sofort angefangen das Vaterunser herzusagen, auch solches bis an die sechste Bitte ausgesprochen, | ||
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| - | Wie sich nun der Geist einstmals oben im Hause in einem Gemache sehr unruhig und stürmisch bezeigte und mit Rumoren und Werfen ein großes Getümmel machte, so kommt ein gewisser Schreiber zu Hause, und wie er sich vorhin bei der Gesellschaft arg bezecht, so war seiner Courage fast die ganze Welt zu enge und vermeinte er, es werde der Hintzelmann auf seinen Befehl sofort ruhig werden. Er geht demnach hinauf in das Gemach, wo er das Getümmel hörte und rief: »Du magst nun der Teufel oder seine Großmutter sein, so sollst Du doch innehalten, und packe Dich nur von hinnen in aller Teufel Namen, Du hast allhier nichts verloren, oder ich will Dir Füße machen!« Allein Hintzelmann war vor diesen großmächtigen Drohungen gar nicht erschrocken, | ||
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| - | Wie sich nun der Hintzelmann, | ||
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| - | Nicht allein aber hat sich der Geist obgedachter Maßen sehen, sondern sich auch dazu bereden lassen, daß man ihn fühlen und betasten möchte. Solches geschah einst in der Nacht; als der Herr des Hauses schlaflos im Bette lag und er ein Geräusch an der Seite der Kammer vermerkte, so vermuthete er daraus, es müsse der Geist Hintzelmann gegenwärtig sein. Er redete ihn also an und sagte: »Hintzelmann, | ||
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| - | Die Lieder aber, so der Hintzelmann zuweilen gedichtet und gesungen, waren der damaligen Reimart nach in niederländischen Versen begriffen, welche keine gewisse Mensur und abgemessene Reimtritte hatten, sondern bald lang, bald kurz, bald von jambischem, bald von trochäischem Maß waren, nur daß sie sich am Ende so gut oder so schlecht als möglich reimten und dadurch einem Gedichte ähnlich waren. Man hat zwar alle die Compositionen, | ||
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| - | Ortgieß läst Du mick hier gahn,\\ | ||
| - | Glücke schast Du hahn.\\ | ||
| - | Wultu mick awer verdrieven, | ||
| - | Unglück warst Du kriegen.\\ | ||
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| - | Hiermit hat der Geist ohne Zweifel die Leute in den irrigen Wahn versetzen wollen, daß seine Gegenwart lauter Glück und Aufnehmen bringe und man es ihm zu danken habe, daß an selbigem Orte damals Alles in erwünschtem Flor und Aufnehmen stehe. | ||
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| - | Als eines Tages der genannte Prediger zu Eckelohe, Herr Marquart Feldmann, wie sein Sohn, der ihm sowohl im Namen als im Amte nachgefolgt ist, erzählt, auf das Haus Hudemühlen zu Gaste geladen worden ist und er nun vor die Thür kommt, hört er oben im Saal Jemanden singen, jauchzen und viel Wesens treiben, weswegen er auf die Gedanken geräth, als wenn den vorigen Abend Fremde angekommen wären, welche oben im Hause logirten und sich also lustig bezeigten. Er fragt deshalb den auf dem Platze stehenden Hofmeier, so Holz gehackt hat: »Johann, was habt Ihr droben für Gäste, welche sich so lustig machen?« Dieser antwortet: »Wir haben Niemand Fremdes, es ist unser Hintzelmann, | ||
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| - | Mien Duhme, mien Duhme, mien Ellboeg sind twey. | ||
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| - | Der Pastor verwunderte sich über diesen ungewöhnlichen Gesang und sagte zu Hintzelmann: | ||
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| - | Als die Zeit endlich herbeikam, daß der Hintzelmann bald wiederum seinen Abschied nehmen und davon scheiden wollte, weil vielleicht seine Zeit und Ziel, so ihm gesetzt, verflossen war, so kommt er zu dem Herrn des Hauses und spricht zu ihm: »Siehe, da will ich Dir etwas verehren, das nimm wohl in Acht und gedenke meiner dabei.« Und damit überreichte er ihm erstlich ein kleines Kreuz, so er selbst verfertigt und von allerlei Seiten (es ist ungewiß, ob der Autor Seide oder Instrumentssaiten verstanden habe) gar artig geflochten. Es war dasselbe eines kleinen Fingers lang, inwendig hohl und wenn man schüttelte, | ||
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| - | Es war nun aber die Zeit gekommen, daß die göttliche Allmacht den Geist gezwungen, seinen bisherigen Ort zu verlassen und davon zu weichen, nachdem weder Schwert noch Waffen vorher an ihm gehaftet und die stärksten Teufelsbanner und Zauberer nichts gegen ihn ausgerichtet hatten. Aber nun begab er sich freiwillig und ungenöthigt hinweg, er räumte seinen bisherigen Ort, als die Zeit seines Daseins, so ihm zweifelsohne bestimmt, verlaufen war, nachdem er sich bald vier Jahre von Anno 1584 bis 1588 auf dem Schlosse zu Hudemühlen aufgehalten, | ||
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| - | Als nun der Geist Hintzelmann von Hudemühlen hinweggezogen, | ||
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| - | Es machte sich auch der Hintzelmann dieses gar wohl zu Nutze und suchte sich bei den Frauenzimmern mit Fleiß einzuschmeicheln. Wie er's vorher zu Hudemühlen gehalten, also wollte er's auch hier fortsetzen, und weil sich auch zu Estrup ein adeliges Fräulein befand, so suchte er auch bei derselben besonderes Vertrauen zu gewinnen. Er nahm seine Schlafstelle auf ihrem Deckbett zu Füßen, allwo man hernach eine kleine Grube wie von einem kleinen Schooßhündchen verspürt hat. Wenn sie ihm nun solches nicht verstatten wollte, so bezeigte er sich ganz ungestüm und machte dem Fräulein viele Unruhe. Falls sie sich aber ihm nicht widersetzte, | ||
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| - | Der Geist Hintzelmann hat nun am genannten Orte weitläufig versprochen, | ||
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| - | Es hat aber besagter Hintzelmann in verschiedenen Fällen seine Spitzfindigkeit bewiesen, sintemal er, wo man einmal nicht sofort Rath finden können, alsobald ein Auskunftsmittel an die Hand gegeben, wie aus der Sache zu kommen war; unter andern bewies er solches bei einer gewissen adeligen Wittwe, so nahe bei Estrup wohnhaft war. Diese war mit dem regierenden Grafen zu Hoya wegen einiger Pertinenzien und Gerechtigkeiten in Streit gerathen, und weil man von dem Hintzelmann täglich viele Wundersachen erzählte und sie ohnedem zu Estrup etwas zu verrichten hatte, nahm sie die Gelegenheit wahr und erzählte demselben die Beschaffenheit ihrer Sache mit dem Begehren, seine Meinung darüber zu entdecken. Da hat nun der Geist ihr nicht allein gesagt, wie sie sich verhalten solle, sondern auch dem Bericht nach selbst eine Schrift verfaßt und darin die Sache dermaßen sichtbar vorgestellt, | ||
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| - | Auf dem Hause Estrup wurde er auch wohl gehalten und was er begehrte, ihm willig gereicht. Man setzte ihm täglich Milch und weißes Brod gleich wie zu Hudemühlen in sein Gemach, man bereitete ihm Bäder von allerhand Kräutern und unterließ nichts, was zu seiner Bewirthung dienen konnte, in Betracht, daß er sonst viel Rumor und Tumult anfing und ihnen sämmtlich keine Ruhe ließ, da sie denn nach dem Sprüchwort: | ||
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| - | Sobald nun aber der Inhaber selbigen adeligen Hauses wieder von obgemeldeter Reise nach Hause kam, so war er sehr mißvergnügt und übel zufrieden, wie er vernahm, was in der Zeit seiner Abwesenheit sich für ein Geist in seinem Hause einlogirt hatte. Deswegen suchte er alle Mittel hervor, diesen ungeladenen Hausgenossen zu vertreiben und wo er ihn nur vermerkt, hat er ihn mit Schelten und Fluchen sehr hart angefahren, da hingegen der Geist sich gestellt, als wenn er hierdurch sehr eingetrieben werde, und sich demnach auf's Bitten gelegt und gesagt: »man möge doch etwas gemach auftreten und bedenken, welch großer Nutzen von seiner Anwesenheit zu erwarten sei, indem er diesem Hause alles Glück zuwenden wollte, welches er auch bisher geleistet und Alles in gutem Wohlstande erhalten hätte.« Allein alle diese Vorstellungen wollten nicht helfen, es wollte dieser Herr den Hintzelmann nicht bei sich wissen, sondern gebot ihn hinwegzuweisen und von seinem Hofe zu entfernen, ja was ihm zur Hand kam, es mochten nun Prügel, Steine, Krüge sein, solches warf er nach dem Orte, wo er den Geist zu treffen vermeinte. Der gute Hintzelmann vermeinte aber durch die Vermittelung des Frauenzimmers die Sache wieder gut zu machen, kam deswegen zu dem Fräulein und bat sie, bei dem Herrn des Hauses seinetwegen eine Fürbitte einzulegen, damit ihm nur ein kleiner Raum möge verstattet sein. Allein der Herr wollte davon nichts hören, sondern seiner unbedingt los sein und setzte ihm immer heftiger zu. | ||
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| - | Wie nun der Geist sich davon gezwungen fühlen mochte, von hier zu weichen, so kam er nochmals zu letztgedachtem Fräulein, klagte demselben mit trauriger Stimme, daß man ihn hierselbst so heftig verfolge, da er ihnen doch bisher mehr Gutes als Böses erwiesen und er auch noch ferner dieses Haus glücklich zu machen entschlossen sei, allein weil man seiner los sein wolle, so sei er bedacht, von dannen zu ziehen; er könne sich zwar wegen seiner Verstoßung wohl rächen und es dahin bringen, daß diejenigen, so ihn jetzt vertrieben, in die äußerste Armuth gerathen sollten, allein um ihrer, des Fräuleins willen wolle er es unterlassen und sich seiner Rache, die er sonst wohl anwenden könne, begeben. Hierauf hat er dem Fräulein mit betrübter Stimme gute Nacht gesagt und ist von dannen geschieden, also daß man von ihm seitdem nichts mehr hat hören noch erfahren können. Es haben nach der Hand Einige vorgeben wollen, daß dieser Hintzelmann kein rechter Geist, sondern ein Schwarzkünstler gewesen sei; doch daß dies der Wahrheit zuwider, wird ein Jeder, der die bisher erzählten Umstände überlegen wird, leichtlich gestehen. Uebrigens ist gegenwärtige Geschichte buchstäblich wahr, und hat die hohe Obrigkeit zu jener Zeit selbst wegen des Verlaufs gründlich verständigt sein wollen und deshalb an den Ort, wo sie sich zugetragen, rescribirt, daß man ihr die Beschreibung der rechten eigentlichen Bewandtniß pflichtmäßig einschicken solle, da denn die Erzählung in den Hauptsachen, | ||
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