text:36._vom_kinder-bischof_in_hamburg
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| - | ====== Vom Kinder-Bischof zu Hamburg ====== | ||
| - | (Nach 1305) | ||
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| - | Geschichtlich und urkundlich. Nach denselben Werken. | ||
| - | Die Vereinbarung von 1305 giebt Meyer, a. a. O. S. 197. | ||
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| - | Am St. Nicolas-Tage, | ||
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| - | Nach demselben konnte ein Schüler nur einmal in seinem Leben solcher Ehre theilhaftig werden; wählbar aber war Jeder aus der ganzen Schuljugend, | ||
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| - | Der also gekorene Episcopus puerorum hatte für die Ehre eine gewisse Erkenntlichkeit zu entrichten, ein schlichter Scholar 1 Talent (20 β), ein Kinder-Domherr 6 [M.]((lübische Mark)) Pfennige. Den Erwählten durch Spottlieder oder Schmähgedichte, | ||
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| - | Der erwählte Kinder-Bischof wurde dann am St. Nicolas-Tage mit großen Pomp, bischöflich angethan, von priesterlich gekleideten Knaben und der ganzen bunten Schaar der Condiscipeln begleitet, in den Dom geführt, wo er auf dem Altar einen Ehrenplatz einnahm, und also dem ordentlichen Gottesdienst beiwohnte. Dann lag es ihm ob (vermuthlich in der großen Halle vor der Domkirche), einen bischöflichen Sermon zu halten, Lateinisch oder Deutsch, gewöhnlich eine in Versen oder Reimen verfaßte, gewiß sehr ergötzliche Oration, zu deren Abfassung er kaum eine Nacht Zeit gehabt hatte. | ||
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| - | Der nun folgende öffentliche Umzug der Schüler durch alle Straßen der Stadt war der Glanzpunkt des Tages. Vor dem Kinder-Bischof trugen phantastisch geschmückte Schüler verschiedene Fahnen und große mit Kringeln und Kuchen aller Art behängte Stangen. Der jugendliche Bischof saß im vollen der Wirklichkeit nachgebildeten Ornat zu Pferde, von kleinen Diaconen begleitet. Es folgten Gesänge absingend die älteren Scholaren in ihrer ernsthaften gewöhnlichen Schultracht (graue Röcke und schwarze Kappen). Dann aber schwärmte und wirbelte lustig hinterdrein die ganze Schaar der jüngeren Schüler, die heute nicht „sub jugo“ waren, in vielfachster Verkleidung, | ||
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| - | Bis zum 28. December blieb der Kinder-Bischof im Besitze seiner Hoheit und Herrlichkeit. An allen in diese Zeit fallenden Sonn- und Festtagen erschien er im völligen Ornat, mit der Inful geschmückt, | ||
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| - | Wenn aber der 28. December kam, das Gedächtnißfest der von Herodes gemordeten unschuldigen Kindlein, dann besuchte er Morgens zuletzt als Bischof die Messe, nach deren Beendigung sodann er und alle Scholaren im Reventer (Refectorium, | ||
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| - | Als schwache Nachbildungen dieses Festes sind wohl die protestantischen Kindergrüne anzusehen. Man denke an den Umgang der Paßmann’schen Armenschule, | ||
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