text:199._die_hexe_zu_hillgenfelde
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| - | ====== Die Hexe zu Hillgenfelde ====== | ||
| - | Nach Reinhard, Vermischte Beiträge zur Beförderung einer nähern Einsicht | ||
| - | in das gesammte Geisterreich, | ||
| - | Das Urtel ist abgedruckt bei Beckmann Th. V. Bd. I. Cap. IX. S. 39 etc. | ||
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| - | Im Jahre 1687 den 28. Januar ist der Bauer Joachim Neitmann zu Hillgenfelde, | ||
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| - | Ob nun wohl die Susanne Neitmann dießfalls eingewilligt gehabt, namentlich weil ihr Ilsabe Berendts weiß gemacht, solchen Buhlgeist hätten die meisten unter dem Frauenvolke, | ||
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| - | 1) daß sie ihrer Tochter im Garten, nächst dem Pfarrgarten gelegen, beim Kohlpflanzen die Zauberkunst gelehrt und sie unter andern dadurch dazu gebracht hätte, daß sie in ihren Garten einen lieblichen Regen fallen lassen, da doch mittlerweile in andern Gärten kein Tropfen niedergefallen; | ||
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| - | 2) daß das eine von den vorgezeigten Pulvern von gebrannten Eidechsen und dazu zu gebrauchen wäre, Leute und Vieh zu lähmen und zu tödten; | ||
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| - | 3) daß sie ihres Bruders Weibe, Marien Berendts, ihre Tochter Adelgunde umgebracht habe, weil ihr dieselbe zur Contribution kein Geld, als etwa 16 Groschen leihen wollen; | ||
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| - | 4) daß auf ihr Anstiften ihre Tochter Ilsabe durch ein ihr zu dem Ende gereichtes Zauberpulver Joachim Trostens Tochter Margarethen habe opfern müssen, aus Ursache, weil dessen Schwiegervater Hans Kempe ihr manchmal so harte und empfindliche Reden zu verschlucken gegeben; | ||
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| - | 5) daß sie ihre Kunst von einer Tartarin in ihrem eigenen Hause erlernt, damit sie möge Segen haben; | ||
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| - | 6) daß sie den von dieser Tartarin erhaltenen Geist ihrer Stieftochter wieder zugebracht habe etc. | ||
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| - | Alles dieses leugnete sie aber einige Tage nachher wieder ab, daher der Amtmann nochmals etliche Prediger zu ihr schickte, welche sie zur Ablegung eines aufrichtigen Bekenntnisses ernstlich ermahnen mußten. Nachdem sie sich endlich gegen diese Prediger anheischig gemacht, Alles rund heraus zu beichten, wurde sie nochmals in Gegenwart zweier Zeugen gerichtlich verhört, wo sie denn fast Alles Obige gestand. Man verschickte die Acten nach Frankfurt und da kam das Urtheil zurück: | ||
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| - | 1) daß Susanna Neitmann mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht und hernach an dem Orte begraben werden sollte, wohin die Uebelthäter gehören; | ||
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| - | 2) daß Ilsabe Berendts gleichfalls mit dem Schwerte gerichtet, alsdann aber ihr Körper verbrannt werden sollte; | ||
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| - | 3) daß Katharina Niemann, wofern sie bei ihrem Bekenntniß verbleiben werde, lebendig verbrannt werden sollte. | ||
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| - | Der Tag zur Vollziehung des Urtheils wurde auf den 29. Julius gesetzt. Allein wie die Alte den Ernst merkte, hat sie abermals geleugnet. Daher ist die Execution abermals ausgesetzt worden. Unterdessen hat sie sich doch aber durch fleißiges Zureden der Prediger gewinnen lassen, nochmals ein aufrichtiges Bekenntniß zu thun und versprochen, | ||
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| - | Unterdessen sind aber der Susanna Neitmann noch verschiedene Fragen vorgelegt worden: ob denn sonst der Satan ihr gern habe zulassen wollen zum h. Abendmahl zu gehen, als dessen sie doch allererst vor 6 oder 7 Wochen genossen habe? So antwortete sie, et habe gesagt, sie möchte nur gehen, damit die Leute nichts Verdächtiges an ihr merkten, sie solle aber nicht andächtig dabei sein, sondern nur zum Schein hingehen, sonst werde er sie züchtigen. Gefragt, ob sie denn auch das Brot und den Wein wirklich genossen, hat sie zur Antwort gegeben: ja, aber es wäre ihr bei Nießung des Brotes so schrau (d.h. schmerzhaft, | ||
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| - | Es wurde nun auf dem Kurfürstl. Amtsplatze, da es zuvor immer auf der Neuen Stadt vor dem Rathhause geschehen, öffentlich nochmals über die drei Hexen Gericht gehalten, dann ging der Zug durch die Stadt hindurch zum Gerichtsplatze, | ||
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| - | Der geschlossene Kreis wurde geöffnet und erstlich die Susanna in demselben rechter Hand wärts so lange herumgeführt, | ||
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