sagen:zauberbannharz047
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| ====== Die Tidianshöhle ====== | ====== Die Tidianshöhle ====== | ||
| - | Ein [[typ:Schäfer]] des [[familie: | + | Ein Schäfer des [[familie: |
| - | Sie waren so glücklich in ihrer [[typ:Liebe]], dass sie gar nicht daran gedacht hatten, ob der [[typ:Müller]] auch in ihre Verbindung willigen werde. Voller Hoffnung war Tidian zu ihm gegangen und hatte um die Hand seiner Tochter gebeten. | + | Sie waren so glücklich in ihrer Liebe, dass sie gar nicht daran gedacht hatten, ob der Müller auch in ihre Verbindung willigen werde. Voller Hoffnung war Tidian zu ihm gegangen und hatte um die Hand seiner Tochter gebeten. |
| - | Der Müller aber hatte ihn barsch und heftig angefahren, wie er, ein armer Schäfer, es nur wagen könne, um die Tochter eines reichen und angesehenen Mannes anzuhalten. Er möge seiner Wege gehen und niemals zurückkehren, | + | Der Müller aber hatte ihn barsch und heftig angefahren, wie er, ein armer Schäfer, es nur wagen könne, um die Tochter eines reichen und angesehenen Mannes anzuhalten. Er möge seiner Wege gehen und niemals zurückkehren, |
| Das war der Grund, warum der lustige Tidian nun so traurig aussah und weder die Blumen und Bäume, denen er sonst so zugetan war, noch seine Tiere beachtete. | Das war der Grund, warum der lustige Tidian nun so traurig aussah und weder die Blumen und Bäume, denen er sonst so zugetan war, noch seine Tiere beachtete. | ||
| - | Als die Mittagssonne ihre Strahlen glühend herniedersandte, | + | Als die Mittagssonne ihre Strahlen glühend herniedersandte, |
| - | Eine liebliche Stimme rief: »Komm nur herein und nimm von dem Sand, so viel du tragen kannst. Und wenn es wieder | + | Eine liebliche Stimme rief: »Komm nur herein und nimm von dem Sand, so viel du tragen kannst. Und wenn es wieder Neumond ist, kehre zurück und hole mehr.« |
| - | Erst schüchtern, | + | Erst schüchtern, |
| - | Man riet ihm, einem [[typ:Goldschmied]] im Städtchen den Sand zu zeigen, und Tidian folgte bald diesem Rat. Der Goldschmied machte große Augen, als er die glänzenden Körnlein erblickte. Er fragte den Schäfer, auf welche Weise er dieselben erhalten, bat ihn, nur ja wiederzukommen, | + | Man riet ihm, einem Goldschmied im Städtchen den Sand zu zeigen, und Tidian folgte bald diesem Rat. Der Goldschmied machte große Augen, als er die glänzenden Körnlein erblickte. Er fragte den Schäfer, auf welche Weise er dieselben erhalten, bat ihn, nur ja wiederzukommen, |
| Auf dem Rückweg in sein Dorf berechnete Tidian, dass er noch dreimal um die Zeit des Neumondes in die Höhle gehen müsse, um sich von dem kostbaren Sand zu holen; dann würde er genug haben, den reichen Müller um seine Tochter zu bitten. | Auf dem Rückweg in sein Dorf berechnete Tidian, dass er noch dreimal um die Zeit des Neumondes in die Höhle gehen müsse, um sich von dem kostbaren Sand zu holen; dann würde er genug haben, den reichen Müller um seine Tochter zu bitten. | ||
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| Den ganzen Monat blieb es auf dem Berg beim Alten; auch die Höhle, die der Schäfer nicht ohne ein leises Bangen durchsuchte, | Den ganzen Monat blieb es auf dem Berg beim Alten; auch die Höhle, die der Schäfer nicht ohne ein leises Bangen durchsuchte, | ||
| - | Sein Herr, der Graf [[familie: | + | Sein Herr, der Graf [[familie: |
| Der Goldschmied meinte, der Herr Graf solle schon mit seiner Arbeit zufrieden sein; denn er wolle nur Tidiangold, das Kostbarste, das es gäbe, dazu nehmen. | Der Goldschmied meinte, der Herr Graf solle schon mit seiner Arbeit zufrieden sein; denn er wolle nur Tidiangold, das Kostbarste, das es gäbe, dazu nehmen. | ||
| - | Als der Ritter von Falkenstein darauf fragte, warum denn das Gold diesen Namen führe, erzählte ihm der Goldschmied, | + | Als der Ritter von Falkenstein darauf fragte, warum denn das Gold diesen Namen führe, erzählte ihm der Goldschmied, |
| Staunend hatte der Graf diese Worte vernommen; hatte er doch keine Ahnung gehabt, dass sein Grund und Boden so kostbares Gold berge. Und diese Schätze sollten nicht ihm, dem rechtmäßigen Besitzer, sondern seinem Untergebenen zugutekommen: | Staunend hatte der Graf diese Worte vernommen; hatte er doch keine Ahnung gehabt, dass sein Grund und Boden so kostbares Gold berge. Und diese Schätze sollten nicht ihm, dem rechtmäßigen Besitzer, sondern seinem Untergebenen zugutekommen: | ||
| - | Eilends ging der Graf ins Dorf, um den Schäfer, der bereits seine Herde heimgetrieben hatte, aufzusuchen. Mit glückstrahlendem Gesicht trat Tidian seinem Herrn entgegen; denn der reiche Müller hatte ihm heute, nachdem er die Schätze des Schäfers geprüft, seine Tochter versprochen. Aber finster blickte der Graf dem glücklichen Tidian ins Antlitz und fragte, ob es wahr sei, dass er sich große Schätze aus der Höhle geholt habe. Unbefangen erzählte der Schäfer seinem Herrn den ganzen Hergang, worauf dieser entgegnete, dass ihm der [[typ:Diebstahl]], den er an des Grafen Eigentum begangen habe, vergeben sein und er ungestraft seiner Wege gehen solle, wenn er zu Neumond ihn, den Ritter von Falkenstein, | + | Eilends ging der Graf ins Dorf, um den Schäfer, der bereits seine Herde heimgetrieben hatte, aufzusuchen. Mit glückstrahlendem Gesicht trat Tidian seinem Herrn entgegen; denn der reiche Müller hatte ihm heute, nachdem er die Schätze des Schäfers geprüft, seine Tochter versprochen. Aber finster blickte der Graf dem glücklichen Tidian ins Antlitz und fragte, ob es wahr sei, dass er sich große Schätze aus der Höhle geholt habe. Unbefangen erzählte der Schäfer seinem Herrn den ganzen Hergang, worauf dieser entgegnete, dass ihm der Diebstahl, den er an des Grafen Eigentum begangen habe, vergeben sein und er ungestraft seiner Wege gehen solle, wenn er zu Neumond ihn, den Ritter von Falkenstein, |
| - | Gern versprach dies der Schäfer, der höchst betroffen darüber war, dass der Graf von gestohlenem Gold gesprochen hatte. Die unsichtbare, | + | Gern versprach dies der Schäfer, der höchst betroffen darüber war, dass der Graf von gestohlenem Gold gesprochen hatte. Die unsichtbare, |
| - | Als der Neumond sich am Himmel zeigte, führte Tidian, wie er es versprochen hatte, den Grafen in die Höhle. Entzückt und überrascht blickte dieser auf die Schätze; einen solchen | + | Als der Neumond sich am Himmel zeigte, führte Tidian, wie er es versprochen hatte, den Grafen in die Höhle. Entzückt und überrascht blickte dieser auf die Schätze; einen solchen Reichtum hatte er nicht vermutet. Mit fieberhafter Angst füllte er große Säcke mit dem herrlichen Sande immer fürchtend, dass er nicht genug bekäme. |
| Tidian nahm kein Körnchen mehr. Er hatte genug, um die Geliebte zu heiraten, und mehr verlangte er nicht. | Tidian nahm kein Körnchen mehr. Er hatte genug, um die Geliebte zu heiraten, und mehr verlangte er nicht. | ||
| - | Als nach Verlauf eines [[typ:mond|Mondes]] der Graf abermals zu seinem Schäfer herabkam, um mit ihm die Höhle zu betreten, sah er bleich und abgezehrt aus. Die [[typ:Habsucht]] hatte sich des Ritters bemächtigt. Ruhelos war er am Tage umhergewandert, | + | Als nach Verlauf eines Mondes der Graf abermals zu seinem Schäfer herabkam, um mit ihm die Höhle zu betreten, sah er bleich und abgezehrt aus. Die Habsucht hatte sich des Ritters bemächtigt. Ruhelos war er am Tage umhergewandert, |
| - | Je näher die Stunde kam, wo die Schätze sich zeigen sollten, umso mehr steigerte sich die Goldgier und die [[typ:Angst]] des Grafen. Da stieg ein furchtbarer Gedanke in ihm auf, dem er in demselben Augenblick die Tat folgen ließ. Er wandte sich gegen den ahnungslos und ruhig hinter ihm her schreitenden Schäfer, ergriff seinen | + | Je näher die Stunde kam, wo die Schätze sich zeigen sollten, umso mehr steigerte sich die Goldgier und die Angst des Grafen. Da stieg ein furchtbarer Gedanke in ihm auf, dem er in demselben Augenblick die Tat folgen ließ. Er wandte sich gegen den ahnungslos und ruhig hinter ihm her schreitenden Schäfer, ergriff seinen Dolch und durchbohrte dem armen Tidian beide Augen. Dann eilte er allein vorwärts in die Höhle. Aber als er dieselbe betrat, schwand der helle Schimmer, ein furchtbares Getöse erhob sich und eine donnernde Stimme rief: »Hebe dich hinweg, du Mörder!« |
| - | Entsetzt, wie von bösen Geistern gefolgt, stürzte der Graf hinaus, rannte weiter und weiter; aber noch immer erscholl das Heulen, welches er in der Höhle vernommen hatte, in seine Ohren, noch immer hörte er den schrecklichen Schrei des Schäfers. Als er spät in der Nacht halb tot vor Angst und Ermüdung sein Schloss erreichte, brachte man ihm die Kunde, dass seine innig geliebte | + | Entsetzt, wie von bösen Geistern gefolgt, stürzte der Graf hinaus, rannte weiter und weiter; aber noch immer erscholl das Heulen, welches er in der Höhle vernommen hatte, in seine Ohren, noch immer hörte er den schrecklichen Schrei des Schäfers. Als er spät in der Nacht halb tot vor Angst und Ermüdung sein Schloss erreichte, brachte man ihm die Kunde, dass seine innig geliebte Braut gestorben sei. Von diesem Tage an verfolgte das Unglück den Grafen, bis er endlich die ersehnte Ruhe im Tode fand. |
| Der unglückliche Tidian hatte nur noch kurze Zeit gelebt. Er war nach heftigen Schmerzen in den Armen seiner treuen Braut gestorben. Die schöne blaue Blume aber, welche Tidian sorgfältig verwahrt gehalten hatte, zerfiel bei seinem Tod in Staub. | Der unglückliche Tidian hatte nur noch kurze Zeit gelebt. Er war nach heftigen Schmerzen in den Armen seiner treuen Braut gestorben. Die schöne blaue Blume aber, welche Tidian sorgfältig verwahrt gehalten hatte, zerfiel bei seinem Tod in Staub. | ||
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