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sagen:zauberbannharz043

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 ====== Burg Quästenberg ====== ====== Burg Quästenberg ======
  
-Dort, wo die goldene Aue, ein Landstrich, der sich schon vor vielen hundert Jahren durch seine Fruchtbarkeit und durch den Wohlstand seiner Städte auszeichnete, den Harz streift und der Kyffhäuser die Grenze derselben bildet, erheben sich einige Berge, zwischen denen hindurch eine enge Schlucht weiter ins Gebirge führt. Folgt man diese, so erblickt man bald eine einsam gelegene Anhöhe, die von den übrigen Bergen fast verdeckt ist.+Dort, wo die [[region:goldeneaue|goldene Aue]], ein Landstrich, der sich schon vor vielen hundert Jahren durch seine Fruchtbarkeit und durch den Wohlstand seiner Städte auszeichnete, den [[region:Harz]] streift und der [[region:Kyffhäuser]] die Grenze derselben bildet, erheben sich einige Berge, zwischen denen hindurch eine enge Schlucht weiter ins Gebirge führt. Folgt man diese, so erblickt man bald eine einsam gelegene Anhöhe, die von den übrigen Bergen fast verdeckt ist.
  
 Auf dieser Anhöhe erhob sich vor langen Jahren eine Burg, deren Äußeres schon das Räubernest verriet und deren Benennung Finsterberg dem Zweck, dem sie diente, entsprach. Hohe Mauern umschlossen das finstere Gebäude und düstere Türme ragten empor, aus deren kleinen Maueröffnungen die ganze Landstraße zu übersehen war. Hier hauste ein wilder Ritter, dessen Vorfahren, so wie er selbst, von allen Kaufleuten gefürchtet und gehasst wurden. Denn unter der Raubgier der Finsterberger hatte das Land unendlich viel Leid erdulden müssen. Oft hatten die Städter versucht, die Burg zu stürmen, aber sowohl die Lage derselben als auch ihre gewaltigen, schier uneinnehmbaren Mauern schützten sie vor jedem Überfall. Auf dieser Anhöhe erhob sich vor langen Jahren eine Burg, deren Äußeres schon das Räubernest verriet und deren Benennung Finsterberg dem Zweck, dem sie diente, entsprach. Hohe Mauern umschlossen das finstere Gebäude und düstere Türme ragten empor, aus deren kleinen Maueröffnungen die ganze Landstraße zu übersehen war. Hier hauste ein wilder Ritter, dessen Vorfahren, so wie er selbst, von allen Kaufleuten gefürchtet und gehasst wurden. Denn unter der Raubgier der Finsterberger hatte das Land unendlich viel Leid erdulden müssen. Oft hatten die Städter versucht, die Burg zu stürmen, aber sowohl die Lage derselben als auch ihre gewaltigen, schier uneinnehmbaren Mauern schützten sie vor jedem Überfall.
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 Die Magd aber war eine gewissenlose Person. Sie führte das kleine, dreijährige Mädchen nur in den Garten, wohin die warme Frühlingssonne lockte, überließ es dann aber sich selbst und eilte zu den übrigen Dienstboten hinab, um mit diesen die Zeit zu vertändeln. Die Magd aber war eine gewissenlose Person. Sie führte das kleine, dreijährige Mädchen nur in den Garten, wohin die warme Frühlingssonne lockte, überließ es dann aber sich selbst und eilte zu den übrigen Dienstboten hinab, um mit diesen die Zeit zu vertändeln.
  
-Wie groß war der Schreck der Wärterin, als sie nach langer Zeit zurückkehrte, die Gartenpforte offen fand und Maria verschwunden war. Schreiend und händeringend durchlief sie das Haus und flehte, man möchte das verlorene Kind doch suchen helfen, damit die Strafe des Gebieters sie nicht fürchterlich treffe. Ihre Bitte wurde erfüllt. Man durchsuchte Feld und Wald, aber vergeblich: Maria war und blieb verschwunden. Da brach die Nacht herein, Waffengeklirr und lautes Rufen erschallte auf dem Burghof – der Gefürchtete war heimgekehrt.+Wie groß war der Schreck der [[lex:wartefrau|Wärterin]], als sie nach langer Zeit zurückkehrte, die Gartenpforte offen fand und Maria verschwunden war. Schreiend und händeringend durchlief sie das Haus und flehte, man möchte das verlorene Kind doch suchen helfen, damit die Strafe des Gebieters sie nicht fürchterlich treffe. Ihre Bitte wurde erfüllt. Man durchsuchte Feld und Wald, aber vergeblich: Maria war und blieb verschwunden. Da brach die Nacht herein, Waffengeklirr und lautes Rufen erschallte auf dem Burghof – der Gefürchtete war heimgekehrt.
  
-Seine erste Frage galt dem Töchterchen. Als er das Vorgefallene erfuhr, kannte sein Zorn und sein Schmerz keine Grenzen. Die Magd entkam mit genauer Not und entfloh, da der Wütende ihr Leben bedrohte. Kurt forschte nicht nach ihrem Verbleib, denn rastlos trieb es ihn fort, sein Kind zu suchen. Tagelang durchsuchte er mit seinen Gesellen die Nachbarschaft, aber ohne Erfolg. Die Angst, dass durchziehende Zigeuner seine Tochter geraubt hatten, wurde ihm zur furchtbaren Gewissheit. Als er endlich seine Nachforschungen eingestellt hatte, saß er, den ganzen Tag stumm vor sich hin starrend, in seinem Gemach, denn nun empfand er erst, was Maria ihm in seinem rüden Leben gewesen war. Er erkannte es als eine Strafe des Himmels, die über ihn verhängt worden war, weil er das Gelöbnis, welches er der sterbenden Gemahlin gegeben, gebrochen hatte. Dass nur er allein das Unglück verschuldete, machte ihn fast wahnsinnig vor Schmerz.+Seine erste Frage galt dem Töchterchen. Als er das Vorgefallene erfuhr, kannte sein Zorn und sein Schmerz keine Grenzen. Die Magd entkam mit genauer Not und entfloh, da der Wütende ihr Leben bedrohte. Kurt forschte nicht nach ihrem Verbleib, denn rastlos trieb es ihn fort, sein Kind zu suchen. Tagelang durchsuchte er mit seinen Gesellen die Nachbarschaft, aber ohne Erfolg. Die Angst, dass durchziehende [[volk:Zigeuner]] seine Tochter geraubt hatten, wurde ihm zur furchtbaren Gewissheit. Als er endlich seine Nachforschungen eingestellt hatte, saß er, den ganzen Tag stumm vor sich hin starrend, in seinem Gemach, denn nun empfand er erst, was Maria ihm in seinem rüden Leben gewesen war. Er erkannte es als eine Strafe des Himmels, die über ihn verhängt worden war, weil er das Gelöbnis, welches er der sterbenden Gemahlin gegeben, gebrochen hatte. Dass nur er allein das Unglück verschuldete, machte ihn fast wahnsinnig vor Schmerz.
  
-Da weckte ihn eines Morgens das Geläute der Festglocken aus seinem Sinnen. Wie er über den Grund desselben grübelte, fiel ihm ein, dass es zu Ehren des heiligen Pfingstfestes sei. Der zur Andacht rufende Glockenton erweckte auch in Kurt eine fromme Regung. Er ließ einen Mönch kommen, dem er seine Sünden beichtete und hoch und heilig Besserung gelobte; ja, er wollte alle Gefangenen ohne Lösegeld entlasten und nie wieder sich an Raubzügen beteiligen, wenn Gott ihm seine Maria wiedergäbe.+Da weckte ihn eines Morgens das Geläute der Festglocken aus seinem Sinnen. Wie er über den Grund desselben grübelte, fiel ihm ein, dass es zu Ehren des heiligen [[zeit:pfingsten|Pfingstfestes]] sei. Der zur Andacht rufende Glockenton erweckte auch in Kurt eine fromme Regung. Er ließ einen Mönch kommen, dem er seine Sünden beichtete und hoch und heilig Besserung gelobte; ja, er wollte alle Gefangenen ohne Lösegeld entlasten und nie wieder sich an Raubzügen beteiligen, wenn Gott ihm seine Maria wiedergäbe.
  
 Die Vermisste aber hatte an dem Tag, an welchem die gewissenlose Magd sie allein gelassen hatte, sich wie immer Blumen zu Kränzen gepflückt, war dabei bis zur Pforte gelangt und hatte freudig das zufällige Offenstehen derselben bemerkt. Mit neugierigen Augen blickte das Kind hinaus auf die Wiese, die unter dem Burgberg lag. Mit großem Entzücken gewahrte es die schimmernden farbigen Blüten dort unten. Es schien der kleinen Maria, als nickten die Blumen ihr freundlich zu. Mit unwiderstehlicher Gewalt zog es sie hinab zur blumigen Aue. Die Vermisste aber hatte an dem Tag, an welchem die gewissenlose Magd sie allein gelassen hatte, sich wie immer Blumen zu Kränzen gepflückt, war dabei bis zur Pforte gelangt und hatte freudig das zufällige Offenstehen derselben bemerkt. Mit neugierigen Augen blickte das Kind hinaus auf die Wiese, die unter dem Burgberg lag. Mit großem Entzücken gewahrte es die schimmernden farbigen Blüten dort unten. Es schien der kleinen Maria, als nickten die Blumen ihr freundlich zu. Mit unwiderstehlicher Gewalt zog es sie hinab zur blumigen Aue.
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 »O, lieben Leute«, rief Maria, ihnen den Kranz hinhaltend, »nehmt doch diese Quäste (Kränze) meinem guten Vater mit, der wohnt so weit von hier!« »O, lieben Leute«, rief Maria, ihnen den Kranz hinhaltend, »nehmt doch diese Quäste (Kränze) meinem guten Vater mit, der wohnt so weit von hier!«
  
-Die Leute blickten erstaunt auf das reich gekleidete Kind, welches auffallend von den armen Köhlermädchen abstach, forschten näher nach und erfuhren bald, dass es die verschwundene Tochter des Ritters Kurt von Finsterberg sei. Es waren Bauern aus Rota, einem Dorf, in dessen Nähe der Finsterberg lag, und die von dem verlorenen Kind und von der hohen Summe gehört hatten, die dem Wiederbringer desselben ausgesetzt war.+Die Leute blickten erstaunt auf das reich gekleidete Kind, welches auffallend von den armen Köhlermädchen abstach, forschten näher nach und erfuhren bald, dass es die verschwundene Tochter des Ritters Kurt von Finsterberg sei. Es waren Bauern aus [[geo:rotha|Rota]], einem Dorf, in dessen Nähe der Finsterberg lag, und die von dem verlorenen Kind und von der hohen Summe gehört hatten, die dem Wiederbringer desselben ausgesetzt war.
  
 Jubelnd nahmen sie daher Maria zu sich, um sie dem Vater zuzuführen. Auch der Köhler folgte dem Zug, damit er Zeuge der Freude des Wiedersehens sei. Jubelnd nahmen sie daher Maria zu sich, um sie dem Vater zuzuführen. Auch der Köhler folgte dem Zug, damit er Zeuge der Freude des Wiedersehens sei.
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 Seines Gelöbnisses eingedenk, nahm er nun seine Maria an die Hand und öffnete eigenhändig die Gewölbe, um alle dort Schmachtenden zu entlassen. Seines Gelöbnisses eingedenk, nahm er nun seine Maria an die Hand und öffnete eigenhändig die Gewölbe, um alle dort Schmachtenden zu entlassen.
  
-Von diesem Tag an hörte man von keinem Unrecht, von keiner Grausamkeit mehr, wie sie Kurts Namen früher gebrandmarkt hatten. Ruhig blieb er daheim und lebte nur seinem Kinde. Seine Burg deuchte ihm jetzt zu finster. Er ließ sie freundlich umgestalten. Selbst der Name derselben, der ihn stets an seine früheren Frevel erinnerte, musste einem anderen weichen. Er nannte sie zur Erinnerung an die Kränze, welche zur Auffindung Marias geführt hatten, Burg Quästenberg.+Von diesem Tag an hörte man von keinem Unrecht, von keiner Grausamkeit mehr, wie sie Kurts Namen früher gebrandmarkt hatten. Ruhig blieb er daheim und lebte nur seinem Kinde. Seine Burg deuchte ihm jetzt zu finster. Er ließ sie freundlich umgestalten. Selbst der Name derselben, der ihn stets an seine früheren Frevel erinnerte, musste einem anderen weichen. Er nannte sie zur Erinnerung an die Kränze, welche zur Auffindung Marias geführt hatten, [[burg:burgquestenberg|Burg Quästenberg]].
  
-Alljährlich gab er zum Andenken an diesen Tag ein großes Volksfest und dieses wird noch heute am dritten Pfingsttag im Dorf Quästenberg gefeiert. Riesige Laubgewinde werden alsdann auf einen gefällten, hoch aufgerichteten Baumstamm gehängt, an die Kränze Marias erinnernd.+Alljährlich gab er zum Andenken an diesen Tag ein großes Volksfest und dieses wird noch heute am dritten Pfingsttag im Dorf [[geo:questenberg|Quästenberg]] gefeiert. Riesige Laubgewinde werden alsdann auf einen gefällten, hoch aufgerichteten Baumstamm gehängt, an die Kränze Marias erinnernd.
  
 //Quelle: [[buch:zauberbannharzgebirge|Im Zauberbann des Harzgebirges]], Sagen und Geschichten, gesammelt von [[autor:mariekutschmann|Marie Kutschmann]], Flemming, 1890// //Quelle: [[buch:zauberbannharzgebirge|Im Zauberbann des Harzgebirges]], Sagen und Geschichten, gesammelt von [[autor:mariekutschmann|Marie Kutschmann]], Flemming, 1890//
  
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