sagen:zauberbannharz042
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| + | ====== Die Rosenkirche Elende ====== | ||
| + | Hoch auf steilem Berg, nicht weit von Bleicherode, | ||
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| + | In grauer Vorzeit war diese Gegend mit einem dichten, schaurigen Wald bedeckt, welcher Lohra, der von den alten Sachsen hochverehrten Göttin der Liebe, geheiligt war. Wo nun die Reste der Bergfeste Lohra sich erheben, soll unter tempelartiger Bedachung ein Bild der Göttin gestanden haben, und dort, wo das Dörfchen Elende liegt, ein ihr geweihter Altar. Hier opferten die Jünglinge im Herbst die Erstlinge der Jagd, indessen die Jungfrauen im Frühling unter frohen Gesängen der Göttin Blumengewinde darbrachten. | ||
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| + | Zu diesem weit verehrten Ort pilgerten solche, denen tiefes Leid das Herz beschwerte. Hier flehten die Frauen für das Leben des im wilden Kampf begriffenen Gatten oder Geliebten. Hatte der Tod denselben ereilt, so fanden sie wiederum hier Linderung in ihren Schmerzen. Denn ein der Göttin geweihter Quell gab jedem, der aus seinem klaren Wasser trank, das Höchste, die Vergessenheit. So hatte auch eine edle Jungfrau der Sachsen, deren Verlobter im Kampf gegen die Franken gefallen war, hier Trost in ihrem Schmerz gefunden und neue Liebe war an diesem Ort in ihr entflammt. Zum Dank erbaute sie der Göttin eine Burg, die Ruhensburg genannt. Noch heute trägt das Gehölz, wo dieselbe gestanden hat, diesen Namen. | ||
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| + | Furchtbar aber strafte Lohra die Ungetreuen. Betraten sie ihren Hain, so erbebte der Berg, die Erde spie Flammen und verschlang die Frevler. Als nun Winfried, der Heidenbekehrer, | ||
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| + | Es war um die Weihnachtszeit. Der Sturm heulte mit den Wölfen um die Wette und fegte den Schnee bergehoch zusammen. Da kam noch spät am Abend ein Fuhrmann mit seinem Gefährt des Weges. Er musste den Wein, den er aufgeladen hatte, noch zum heiligen Fest in ein nahegelegenes Kloster bringen. Mühsam keuchten die Pferde vorwärts, bis sie endlich an einen Hohlweg kamen, wo sie mit ihrem Wagen in dem tiefen Schnee versanken. Kein Peitschenschlag, | ||
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| + | Plötzlich wurde es hell, der Schnee glitzerte in goldigem Licht und eine liebliche Jungfrau näherte sich dem erstaunten Mann und sprach mit sanfter Stimme, sie sei gekommen, ihm zu helfen. Sie ergriff die Zügel der Pferde und ohne Mühe zogen die Tiere den Wagen aus dem tiefen Schnee und fuhren mit Leichtigkeit weiter. Der Fuhrmann blickte verwirrt ob dieses Wunders auf seine Helferin, er wollte ihr danken; doch schien es ihm, dass karge Worte für solche Tat zu wenig seien. | ||
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| + | »O hätte ich ein Gefäß, von meinem edelsten Wein würde ich Euch zum Danke spenden!«, rief er und blickte suchend umher. | ||
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| + | Da wandte sich die Jungfrau zur Seite und berührte einen Rosenstrauch, | ||
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| + | Den Kelch in der Hand schritt er nun neben seinem Gefährt wacker vorwärts; denn die Pferde zogen ihre Last mit Leichtigkeit, | ||
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| + | Nun fuhr er weiter, kam ungefährdet an seinem Bestimmungsort an und erzählte dort von der wunderbaren Hilfe, die ihm geworden war. Die Sache sprach sich weiter und weiter herum, und von nah und fern eilte alles in die Kapelle, um den Rosenkelch zu sehen, der sich bald darauf in Gold verwandelt hatte. So wurde mit einem Mal die kleine, fast vergessene Kapelle weit und breit bekannt. Viele Kranke und Leidende kamen hierher, um zu gesunden, und es entstand, da dieselben ein Unterkommen haben mussten, das Hospital Zum Elende. Denn Elende wurde der Ort genannt, seitdem die Jungfrau hier dem Fuhrmann aus seinem Elend geholfen; nach anderen aber deshalb, weil hier so viele Kranke und Elende zusammenkamen. Dass die Besuche und Geschenke, welche die Gebrechlichen und Kranken der Maria zum Elende machten, nicht vergeblich waren, verkündete die große Menge von Krücken und Wanderstäben, | ||
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| + | Die reichlichen Gaben der herbeiströmenden Menge ermöglichten es bald, dass eine große, prachtvolle Kirche erbaut werden konnte, welche im Jahr 1400 fertig wurde. Zur Erinnerung an das Marienwunder wurde die Kirche unter dem Dach mit einhundertviersiebzig in Stein gehauenen Rosen geschmückt und erhielt außerdem den Namen Rosenkirche. | ||
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| + | Die meisten der schönen Heiligenbilder und andere wertvolle Kirchengeräte, | ||
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| + | Später, als das evangelische Bekenntnis in der ganzen Grafschaft Hohenstein, zu der auch Elende gehörte, förmlich und feierlich eingeführt ward, wurde die Kirche sehr vernachlässigt und dem Marienbild keine Beachtung mehr geschenkt. Obwohl die Jungfrau viele Wunder tat, um die Wankenden zurückzuführen zu ihrem Dienst, wurde sie doch von dem Platz, wo sie Jahrhunderte gestanden hatte, entfernt und in die Sakristei gebracht. Dies empörte sie aber dermaßen, dass sie an einem frischen, tauigen Morgen Elende verließ und nach Heiligenstadt im Eichsfeld wanderte. Dort wurde das gnadenreiche Bild noch lange in Ehren gehalten. Man zeigte das Kleid, dessen Saum stets nass vom Tau blieb. | ||
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| + | Die schöne Rosenkirche ist aber nach und nach verfallen und musste, weil ihr Einsturz drohte, abgetragen werden. Nur noch ein kleiner Teil, der früher wahrscheinlich eine Seitenkapelle war, steht noch aufrecht. Darin wird auch heute der [[typ: | ||
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| + | Auch der Garten, der durch seine Lieblichkeit den Beschauer überrascht, | ||
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sagen/zauberbannharz042.1710854880.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
