sagen:zauberbannharz009
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| ====== Die Rosstrappe ====== | ====== Die Rosstrappe ====== | ||
| - | Wenn man heute dem romantischen Lauf der Bode folgt, die nun freilich kein Strom mehr ist und nur noch im Frühjahr heftig dahinrauscht, | + | Wenn man heute dem romantischen Lauf der [[region:Bode]] folgt, die nun freilich kein Strom mehr ist und nur noch im Frühjahr heftig dahinrauscht, |
| Nach vielen beschwerlichen Versuchen gelang es erst im Jahr 1865 durch Sprengungen einen Pfad zwischen Fels und Fluss anzulegen. Dies ist das Tal der Engen Wege, in welchem die Bode in jäher Hast über Klippenabsätze stürzt und durch die Gewalt ihres Sturzes ein tiefes Becken, den Bodekessel, gegraben hat. Schäumend und tosend braust hier das Wasser, um hastig seinen Lauf fortzusetzen, | Nach vielen beschwerlichen Versuchen gelang es erst im Jahr 1865 durch Sprengungen einen Pfad zwischen Fels und Fluss anzulegen. Dies ist das Tal der Engen Wege, in welchem die Bode in jäher Hast über Klippenabsätze stürzt und durch die Gewalt ihres Sturzes ein tiefes Becken, den Bodekessel, gegraben hat. Schäumend und tosend braust hier das Wasser, um hastig seinen Lauf fortzusetzen, | ||
| - | Ist es wohl ein Wunder, dass unsere Altvorderen, | + | Ist es wohl ein Wunder, dass unsere Altvorderen, |
| Die Sage führt uns in altersgraue Zeit, in welcher noch das gewaltige Geschlecht der Hünen den Harz bewohnte. | Die Sage führt uns in altersgraue Zeit, in welcher noch das gewaltige Geschlecht der Hünen den Harz bewohnte. | ||
| - | Damals herrschte ein mächtiger König, dessen Gebiet sich über das ganze Gebirge erstreckte. Er hatte keinen Sohn, der nach seinem Tod sein Nachfolger hätte werden können, wohl aber war ihm eine liebliche Tochter erblüht. Ihr musste seine ausgedehnte Herrschaft zufallen, wenn er dereinst die Augen schloss. Daher nahte sich der schönen Emma mancher Bewerber, sie als sein Ehegemahl heimzuführen, | + | Damals herrschte ein mächtiger König, dessen Gebiet sich über das ganze Gebirge erstreckte. Er hatte keinen Sohn, der nach seinem Tod sein Nachfolger hätte werden können, wohl aber war ihm eine liebliche Tochter erblüht. Ihr musste seine ausgedehnte Herrschaft zufallen, wenn er dereinst die Augen schloss. Daher nahte sich der schönen Emma mancher Bewerber, sie als sein Ehegemahl heimzuführen, |
| Da sandte einst einer von des Königs Vasallen, der fern im Gebirge nur eine kleine Burg besaß, seinen Sohn Selmar an den Hof, auf dass er seinem Gebieter diene. Kaum hatte Emma den Jüngling erblickt, als seine Schönheit sie entzückte und seine Tapferkeit und sein edles Benehmen ihr Wohlgefallen im höchsten Grade erregten. Der Gedanke, sich der Herrschaft eines Gatten zu beugen, hatte nichts Abschreckendes mehr für sie. Als Selmar, der des Mädchens Liebe bald voll und ganz erwiderte, sie bat, seine Frau zu werden, willigte sie freudig ein. | Da sandte einst einer von des Königs Vasallen, der fern im Gebirge nur eine kleine Burg besaß, seinen Sohn Selmar an den Hof, auf dass er seinem Gebieter diene. Kaum hatte Emma den Jüngling erblickt, als seine Schönheit sie entzückte und seine Tapferkeit und sein edles Benehmen ihr Wohlgefallen im höchsten Grade erregten. Der Gedanke, sich der Herrschaft eines Gatten zu beugen, hatte nichts Abschreckendes mehr für sie. Als Selmar, der des Mädchens Liebe bald voll und ganz erwiderte, sie bat, seine Frau zu werden, willigte sie freudig ein. | ||
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| Stolz blickte diese auf den kühnen Mut des Freundes, aber die Furcht davor, dass der Vater ein schreckliches Wagnis von ihm fordern werde, ließ selbst die starke Hünentochter erzittern. | Stolz blickte diese auf den kühnen Mut des Freundes, aber die Furcht davor, dass der Vater ein schreckliches Wagnis von ihm fordern werde, ließ selbst die starke Hünentochter erzittern. | ||
| - | Der König fuhr fort: »Wenn es also ist, wie du sagst, so wird dir mein Verlangen gering erscheinen und du wirst es mit Leichtigkeit erfüllen. Du magst also nach Island wandern, wo am Fuße des Hekla eine starke Burg erbaut ist. Ein gewaltiger Riese, der Erbfeind meines ganzen Geschlechts, | + | Der König fuhr fort: »Wenn es also ist, wie du sagst, so wird dir mein Verlangen gering erscheinen und du wirst es mit Leichtigkeit erfüllen. Du magst also nach Island wandern, wo am Fuße des Hekla eine starke Burg erbaut ist. Ein gewaltiger |
| Mit Entsetzen hatte Emma diese Worte vernommen. Sie wusste, dass schon mancher Tapfere dorthin gezogen war, das Ungeheuer zu bekämpfen, aber noch keiner war lebend zurückgekehrt. Ebenso gut aber sah sie ein, dass jedes Bitten, ihr Vater möge seinen harten Sinn ändern, vergeblich sein würde. So blieb den Liebenden nichts übrig, als sich dem Entschluss des Königs zu fügen. | Mit Entsetzen hatte Emma diese Worte vernommen. Sie wusste, dass schon mancher Tapfere dorthin gezogen war, das Ungeheuer zu bekämpfen, aber noch keiner war lebend zurückgekehrt. Ebenso gut aber sah sie ein, dass jedes Bitten, ihr Vater möge seinen harten Sinn ändern, vergeblich sein würde. So blieb den Liebenden nichts übrig, als sich dem Entschluss des Königs zu fügen. | ||
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| Monde um Monde verrannen; noch immer war die Königstochter von Traurigkeit umfangen. Zwar suchte sie Trost zu finden, indem sie in wilder Hast zu Ross das Gebirge durchjagte; aber es war vergeblich. Nichts vermochte die furchtbaren Bilder von ihrer Seele zu scheuchen, in denen sie den Geliebten tot vor dem schrecklichen Riesen liegen sah. | Monde um Monde verrannen; noch immer war die Königstochter von Traurigkeit umfangen. Zwar suchte sie Trost zu finden, indem sie in wilder Hast zu Ross das Gebirge durchjagte; aber es war vergeblich. Nichts vermochte die furchtbaren Bilder von ihrer Seele zu scheuchen, in denen sie den Geliebten tot vor dem schrecklichen Riesen liegen sah. | ||
| - | Aber ihr Unglück sollte noch größer werden. Eines Tages teilte ihr der Vater mit, dass der König des Riesengebirges, | + | Aber ihr Unglück sollte noch größer werden. Eines Tages teilte ihr der Vater mit, dass der König des [[region: |
| Nach einigem Zögern willigte der König darin ein, denn er glaubte, dass Selmar niemals heimkehren werde. Den mächtigen Bodo wusste er zu beschwichtigen und ihn noch ein Jahr hinzuhalten mit dem Versprechen, | Nach einigem Zögern willigte der König darin ein, denn er glaubte, dass Selmar niemals heimkehren werde. Den mächtigen Bodo wusste er zu beschwichtigen und ihn noch ein Jahr hinzuhalten mit dem Versprechen, | ||
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| Ruhig, ja heiter betrat bald darauf Emma die Burg ihres Vaters, indessen Selmar sich in der Nähe verbarg. | Ruhig, ja heiter betrat bald darauf Emma die Burg ihres Vaters, indessen Selmar sich in der Nähe verbarg. | ||
| - | Der wilde Bodo war entzückt von seiner reizenden Braut und überreichte ihre viele wertvolle Geschenke, unter denen sich auch der weiße Zelter befand. Freundlich dankend nahm Emma alles entgegen. Als er ihr aber das Pferd übergab, zeigte sie sich so hocherfreut, | + | Der wilde Bodo war entzückt von seiner reizenden Braut und überreichte ihre viele wertvolle Geschenke, unter denen sich auch der weiße Zelter befand. Freundlich dankend nahm Emma alles entgegen. Als er ihr aber das Pferd übergab, zeigte sie sich so hocherfreut, |
| - | Das Hochzeitsmahl sollte stattfinden. Emma erschien im glänzenden Gewand, die strahlende Krone der Harzkönigin, | + | Das Hochzeitsmahl sollte stattfinden. Emma erschien im glänzenden Gewand, die strahlende Krone der Harzkönigin, |
| Auf diesen Augenblick hatte Emma gewartet. Schnell eilte sie hinaus und bestieg ihren weißen Zelter. Selmar war ihr gefolgt und versuchte, sich des schwarzen Rosses zu bemächtigen, | Auf diesen Augenblick hatte Emma gewartet. Schnell eilte sie hinaus und bestieg ihren weißen Zelter. Selmar war ihr gefolgt und versuchte, sich des schwarzen Rosses zu bemächtigen, | ||
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