sagen:zauberbannharz003
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| + | ====== Das Schwert an der Liebfrauenkirche zu Halberstadt ====== | ||
| + | Nahe am Haupteingang zu der Liebfrauenkirche in [[geo: | ||
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| + | In unmittelbarer Nähe Halberstadts lag eine Burg, die von dem wilden, weit und breit gefürchteten Ritter Hug bewohnt war. Die Gattin des Ritters, eine fromme, stille Frau, war früh gestorben und hatte nur eine Tochter hinterlassen. Die arme Bertha wäre ganz verwaist und einsam gewesen, denn der Vater war nur daheim, wenn es galt, wüste Gelage zu feiern, hätte sie nicht in ihrem Pflegebruder Teutbold einen treuen Gesellschafter gehabt. Teutbold war schon als kleines Kind in Hugs Burg gekommen, da der Ritter seinem Vater versprochen hatte, den Jungen an Kindes statt anzunehmen, weil jenen die Reichsacht traf und er deshalb das Land verlassen musste. Dieses Versprechen hielt Ritter Hug aber nur schlecht, denn wenn er Teutbold auch Obdach und Nahrung gewährte, so kümmerte er sich doch weiter nicht um den Knaben. Je älter dieser wurde, umso lästiger schien er dem Ritter. Mit besonderem Groll bemerkte er, dass seiner Bertha Herz mit inniger Neigung an dem Pflegebruder hing. Solange die Mutter noch gelebt hatte, war es anders gewesen, denn sie liebte den Knaben ebenso sehr wie ihre Tochter und erzog beide in Frömmigkeit und zu braven, tüchtigen Menschen. Als nun die Teure für immer die Augen geschlossen hatte, da wurde die gegenseitige Liebe der Vereinsamten noch größer. Als endlich Teutbold herangewachsen war und immer klarer erkannte, in welcher rohen Umgebung sich seine Bertha befand, sann er nur noch darauf, wie es zu ermöglichen sei, die Geliebte aus diesem wüsten Treiben fortzubringen. | ||
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| + | Häufig kam ein Ritter von Assen mit seinem Sohn, einem frechen, wilden Junker, auf die Burg, um mit Hug lärmende Gelage zu feiern. Alsbald gewahrte sowohl Bertha als auch Teutbold, dass ihr Vater die Absicht hatte, seine Tochter mit dem Junker zu vermählen, sobald dieser zum Ritter geschlagen sein würde. Berthas Widerwille gegen den verhassten Gecken steigerte sich noch mehr bei dem Gedanken, einem solchen Menschen als Weib in sein Haus folgen zu sollen. Sorgend beriet sie mit Teutbold, wie dem Schrecklichen auszuweichen sei. | ||
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| + | Da bat dieser die Geliebte, in seiner Liebe zu ihr starken Schutz zu suchen und dereinst sein Weib zu werden. Er wolle hinausziehen, | ||
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| + | Unterdessen war Eberhard von Assen zum Ritter geschlagen worden. Hug war glücklich, seine Tochter dem Sprössling eines so alten, edlen Geschlechts vermählen zu können. Er lud deshalb immer häufiger den alten Ritter mit seinem Sohn zu Gast. | ||
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| + | Teutbold sah, dass der Tag, da Eberhard von Assen seine Bertha zum Weib begehren werde, immer näher rückte. Er baute felsenfest auf die Treue der Braut, aber er beschleunigte deshalb auch die Vorbereitungen zu seiner großen Reise, über die er wohlweißlich bisher zu Hug ebenso wenig gesprochen, wie von dem Verlöbnis mit seiner Tochter. Als jedoch die Stunde der Abreise geschlagen hatte, trat Teutbold wohlgerüstet in das Gemach Hugs, in dem dieser mit den beiden von Assen sich am Trunk vergnügte. Verwundert hörte er auf die Worte seines Pflegebefohlenen, | ||
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| + | Wie der Jüngling seine bescheidene Rede beendet hatte, brachen die drei Zechenden in ein so schallendes Gelächter aus, dass dem Verhöhnten das Blut siedend in den Schläfen wallte. Verächtlich maß ihn Ritter Hug mit den Blicken und rief spottend: »Du Feigling, der du nur im Weibergemach am warmen Ofen dich wohlfühltest, | ||
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| + | Laut lachend fiel Eberhard dem Ritter in die Rede: »Nun, Ritter Hug, Ihr habt es ja gehört, er will seine Kräfte stählen, will kämpfen und sich die Sporen verdienen. Ha, ha, wird aber wahrscheinlich nur als Schwertfeger dem Tross folgen, das heißt, wenn er den Mut dazu hat.« | ||
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| + | Wieder folgte ein unbändiges Lachen der drei. Nun war es mit der mühsam erzwungenen Ruhe des verhöhnten Teutbold zu Ende. Wütend riss er den Fehdehandschuh aus seinem Koller hervor und schleuderte denselben dem betroffen dreinblickenden Assen ins Gesicht. | ||
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| + | »Bube«, zischte der Jüngling mit funkelnden Augen, »ich kehre heim in nicht allzu ferner Zeit, dann werde ich dir gleichberechtigt sein, und du wirst mir Genugtuung geben für diesen Schimpf!« | ||
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| + | Ohne Abschied wollte er hinauseilen, | ||
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| + | Das höhnische Lachen, welches anfangs dem erregt Forteilenden gefolgt war, verstummte alsbald. Fragend blickten die von Assen auf Ritter Hug, der eben an diesem Tag Eberhard seine Tochter versprochen hatte. Ihm war der Vorfall im höchsten Grade peinlich. Hastig sprang er auf, um hinauszueilen und den frechen Burschen für seine Unverschämtheit zu züchtigen. Aber Bertha, von den so urplötzlich auf sie einstürmenden Vorgängen fast betäubt, stürzte dem Vater zu Füßen, umklammerte in schrecklicher Angst seine Knie und bat ihn flehentlich, | ||
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| + | Innerlich wütend kehrte der Ritter Hug in das Trinkgemach zurück. Allein seinen Gästen zeigte er sich heiter und lachte über den törichten Burschen, der natürlich sofort, wenn er Hunger und Kälte spüre, in sein warmes Nest zurückkehren werde. Die edlen Ritter möchten aber überzeugt sein, dass dem Teutbold die begangene Frechheit nicht ungestraft hingehen werde und dass bezüglich des Abkommens wegen der Heirat selbstverständlich alles beim Alten bliebe. | ||
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| + | Einige Jahre waren vergangen: Teutbold hatte sein Vorhaben ausgeführt und in Palästina manchen Kampf siegreich bestanden. Reich mit Schätzen beladen, das Ritterschwert an der Seite, die goldenen Sporen an den Füßen und mit dem heiligen Kreuz geschmückt, | ||
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| + | Manches Auge blickte verwundert auf die hohe Gestalt, die in schimmernder silberner Rüstung mit geschlossenem Visier den Festsaal betrat. | ||
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| + | Als Ritter Hug den Ankömmling entgegenschritt und ihn bat, seinen Namen zu nennen, damit er den Gast vielleicht als Freund noch herzlicher willkommen heißen könne, entgegnete ihm dieser: »Dass ich ebenbürtig bin, beweist Euch mein Schild, darum erlasst es mir, meinen Namen zu nennen, den Ihr doch in kürzester Zeit erfahren werdet! Gewährt mir gütig des ritterlichen Gastes Recht, eine Stunde in Eurem Saal zu verweilen.« | ||
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| + | Ritter Hug grüßte den Fremden und ließ ihn gewähren. Bald betrat auch die Braut den Festraum. Bleich und trübe schritt sie am Arm ihres Verlobten einher. Da erblickte sie Teutbold. Sofort erkannte sie ihn an der Binde, die ihre Hand einst selbst gestickt und ihm zum Abschied angelegt hatte. Leichenblass wurde sie vor freudigem Schreck und stützte sich schwer auf Eberhards Arm, kaum war sie fähig, sich aufrecht zu halten. | ||
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| + | Eberhard aber bemerkte die plötzliche Erregung seiner Braut. Er sah ihr besorgt ins todbleiche Antlitz und fragte ängstlich, was ihr fehle. | ||
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| + | Da trat Teutbold dicht an das junge Paar heran, wandte sich zu Eberhard von Assen und sprach: »Was Eurer Braut fehlt, fragt Ihr? Nun, ich denke, die Frage wäre leicht zu beantworten: | ||
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| + | Zornbebend blickte der Ritter von Assen auf den kühnen Sprecher und rief: »Was wagt Ihr? Was wollt Ihr davon wissen? Was drängt Ihr Euch in anderer Sache? Oder ist auch die kindische Mär von der Jugendliebe zu Euch gedrungen? So will ich es Euch sagen, dass meine Bertha mir gern und willig folgt, denn der, dem sie einst in unreifer Neigung zugetan war und dem sie Treue geschworen hatte, ist längst von den Sarazenen getötet worden!« | ||
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| + | »Das lügst du«, schrie Teutbold dem Erschreckten entgegen und öffnete sein Visier. »Gedenkst du noch des Fehdehandschuhs, | ||
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| + | Erstaunt blickten die Gäste dem Hinausschreitenden nach, denn keiner wusste von dem, was sich vor Teutbolds Fortgang im Schloss ereignet hatte, doch an den zornfunkelnden Augen von Berthas Vater und Bräutigam merkten sie wohl, dass dieser Vorfall von schlimmer Bedeutung sei. | ||
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| + | Im Vorsaal hatte Teutbold seinem dort harrenden Knappen die Rüstung übergeben und stattdessen ein kostbares Wams angelegt. Darauf kehrte er in den Festsaal zurück. | ||
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| + | Alsbald trat ihm Ritter Hug mit den Worten entgegen: »Jeder Edle, wer er auch sei, findet in meiner Burg gastliche Aufnahme, und so wird auch Euch dieser Vorzug zuteil. Allein Ihr habt die Festfreude gestört, habt Zank und Streit in diese friedlichen Räume gebracht. Drum ersuche ich Euch, sobald die Stunde des Gastrechts verronnen ist, diesen Ort zu verlassen.« | ||
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| + | »Seid unbesorgt, dass ich noch länger dort Gastfreundschaft beanspruchen werde, wo man mir das Teuerste rauben will«, entgegnete finster Teutbold. »Eine Stunde nur, wie es die Rittersitte gestattet, bleibe ich in den Mauern dieser Burg.« Mit edlem Anstand schritt er an dem Wirt vorbei und mischte sich unter die übrigen Gäste. | ||
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| + | Als sich aber die Erregung der Versammelten etwas gelegt hatte und man plaudernd daherschritt, | ||
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| + | Da plötzlich schlugen Schritte an das Ohr des in Andacht Versunkenen. Er wandte sich um, den Grund derselben zu erspähen, doch mit einem Aufschrei sank er nieder, denn ein Schwert hatte seine Brust durchbohrt. Wie der Verwundete stöhnend zusammenbrach, | ||
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| + | »Mörder!«, | ||
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| + | Eberhard hatte sich indessen schnell auf die Burg zurückbegeben, | ||
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| + | Aber erschreckt wichen die Gäste vor ihm zurück, als der Mörder mit blutbeflecktem Schwert und Gewand eintrat. | ||
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| + | »Elender!«, | ||
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| + | Mit höhnischem, | ||
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| + | Mit einem durchdringenden Schrei sank Bertha zu Boden. Starr und regungslos wurde ihr Körper. Alle Bemühungen der Gäste, sie ins Leben zurückzurufen, | ||
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| + | Erst jetzt schien dem Mörder das Bewusstsein seiner schrecklichen Tat zu kommen. Furchtbar tobte sein Schmerz über Berthas Tod, denn er hatte sie in seiner Weise geliebt. Rasende Eifersucht hatte ihn zu der Schandtat geführt. Wie wahnsinnig rannte er zurück zu Teutbolds Leiche. Von namenloser Verzweiflung erfasst, stieß er sich das Schwert ins Herz, das noch vom Blut seines Feindes gerötet war. | ||
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| + | Am nächsten Morgen, als die Chorherren zur Messe gingen, fanden sie die Leichen und erfuhren bald, was diese schaurige Tat herbeigeführt hatte. | ||
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| + | Da zog der Mönch Hugbert von Treseburg das Schwert aus der Brust des Entleibten und sprach: »Hier hoch an der Kirsche hänge fortan dies Schwert und komme nicht eher zur Ruhe, bis die Seele Eberhards Erlösung gefunden hat. Regen und Tau mögen die Stelle nicht feuchten, wo das Blut des Schuldigen geflossen ist, damit die Nachwelt es als Warnungszeichen schaue jahrhundertelang.« | ||
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| + | Der tief bekümmerte Vater Eberhards bat um die Erlaubnis, seinen Sohn, obwohl er Mörder und Selbstmörder war, dennoch in die geweihte Erde der Familiengruft bestatten zu dürfen. Seine Bitte wurde erfüllt. Viele Messen ließ er für das Seelenheil des jungen Ritters lesen. | ||
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| + | Teutbold und Bertha aber wurden in Ritter Hugs Familiengruft beigesetzt. Bald folgte der Vater, von Gewissensbissen gefoltert, den vorangegangenen Kindern. | ||
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| + | Das Schwert aber bewegt sich noch immer hin und her. Und am Gedächtnistag der Mordtat tropft Blut davon herab auf die wüste Stelle. | ||
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