Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:werra367c

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:werra367c [2024/06/20 10:18] – angelegt ewuschsagen:werra367c [2025/01/30 18:02] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 2: Zeile 2:
 **[[buch:werrasagen|Sagen der mittleren Werra]]** |  **[[buch:werrasagen|Sagen der mittleren Werra]]** | 
 [[sagen:werra368| weiter >>>]] [[sagen:werra368| weiter >>>]]
- 
-====== Die breite oder Hexenlinde auf der Klingser Hut - 1. Sage ====== 
- 
-Zu einem Musikanten, erzählen sie zu Dermbach, der sich in der Waldpurgisnacht auf der Hochebene der Rhön über Andenhausen verirrt hatte, trat unerwartet ein feiner Jägersmann, der sich erbot, ihn nach der breiten Linde zu führen, von wo der Musikant sich leicht wieder zurecht finden würde, was dieser denn auch dankbar annahm. Da der Jägersmann hier Bescheid wußte, so waren sie auch bald an Ort und Stelle. Zum höchsten Erstaunen des Musikanten trafen sie aber allda eine gar lustige Gesellschaft, die, wie es schien, den feinen Jäger längst erwartet hatte, denn nie thaten gleich recht bekannt mit ihm, und er machte es ebenso, reichte auch dem Musikanten eine prächtige Clarinette, dazu eine Hand voll harter Thaler und bat ihn, der Gesellschaft Eins aufzuspielen. Und als der Musikant hierauf den Lauterbacher begann, griff der feine Geselle sich die schönste unter den Weibsleuten heraus und wirbelte, die Andern folgten ihm auf dem Fuße nach, im raschen Reigen herum, daß der Staub davon flog. 
- 
-So ging es noch einige Stunden luftig weiter; als aber der Tag zu grauen begann, entließen sie den Musikanten, der mit einer tüchtigen Tasche voll Geld und der schönen Clarinette, die ihm der feine Herr geschenkt hatte, wohlbehalten in seiner Behausung anlangte und sich sofort schlafen legte. Als er erwachte, war sein erster Gedanke das Instrument und das Geld. Zu seinem Entsehen hatte sich jedoch jenes in einen langen, schmußigen Knochen und dieses in lauter Scherben verwandelt. Er hatte den Hexen unter der breiten Linde zum Tanze gespielt. 
- 
-====== Die breite oder Hexenlinde auf der Klingser Hut - 2. Sage ====== 
- 
-Leute von Kaltenlengsfeld wollten zum Waldpurgismarkt nach der Stadt Tann gehen. Es war noch vor Mitternacht, als sie das Dorf verließen. Unter traulichen Gesprächen kamen sie auf die Hochebene der Vorderrhön. Da vernahmen sie aus der Ferne heitere Töne und gewahrten, als sie dem Engelsberge näher kamen, unter der breiten Linde ein gar lustiges, tolles Treiben. Zwölf Musikanten saßen auf abgesonderten Sitzen und spielten mit seltsamen Pfeifchen und Hörnchen einer fröhlichen Schaar jeglichen Alters gar liebliche Weisen zum Reigen auf. Die Männer und Frauen Kaltenlengsfelds blieben stehen und staunten. Einer von ihnen aber, ein Musikant, konnte sich nicht enthalten, von den noch bereit liegenden Pfeifchen eins zu ergreifen, sich zu den Spielleuten zu seßen und mit in den Jubel einzustimmen. Die jetzt auch herumgereichten Kuchen und Kröpfchen schmeckten gar trefflich. Und als hierauf einige der neugierigen Kaltenlengsfelder Frauen fragten, wie es komme, daß man in so später Nacht und noch dazu hier in solcher Einsamkeit sich so verlustire, da erfuhren sie, daß es eine Hochzeit aus einem nahen Orte sei, welche bei Anbruch der Morgenröthe dorthin wieder zurückkehren werde. Die Kaltenlengsfelder verabschiedeten sich nach einer Weile kopfschüttelnd und zogen unter Gesprächen über die sonderbare, unheimliche Hochzeitsfeier weiter. 
- 
-In der Nähe der Stadt Tann, als es eben hell zu werden anfing, fiel es auch dem Musikanten bei, daß er sich unter der Linde sein Pfeifchen und ein Kröpfchen auf den Weg eingesteckt hatte. Hastig griff er in die Tasche und siehe, das delikate Backwerk hatte sich in einen gedrückten Kuhfladen, das Pfeifchen aber in ein Geisbein verwandelt. 
  
 ====== Die breite oder Hexenlinde auf der Klingser Hut - 3. Sage ====== ====== Die breite oder Hexenlinde auf der Klingser Hut - 3. Sage ======
  
-Ein andermal ging Jacob Bunnwagner noch spät am Walpurgisabend von Kaltenwestheim, wo er bei seinem Schatz gewesen war, zurück nach Andenhausen. Da hörte er, als er eben aus dem Beinzel, einem kleinen Wald auf die Klingser Hut trat, einen Mordlärm unter der breiten Linde, an welcher der Weg vorüberführte. Und nun erst fiel es ihm bei, daß es Walpurgis-Abend war. Er wußte nicht, was er beginnen sollte, aber nach Andenhausen mußte er. Da betete er denn hurtig alle Reimsprüchlein, die er gelernt, und noch obendrein drei Vaterunser und lief dann, was er nur laufen konnte, in einem weiten Bogen um die Linde. Die Hexen aber waren ihn doch gewahr geworden, verhöhnten und lachten ihn aus, und eine, sie war aus Klings denn er hatte sie gleich an der Stimme erkannt - rief ihm noch nach: "Jakef, siehst Du, hättest Du Dich nicht so gar sehr mit Gebeten verwahrt, so hätten wir Dir jeßt auch das Lanzen lehren wollen." Jacob aber gab Fersengeld; die Musik und den Lärm des Teufelspacks hörte er aber noch lange hinter seinem Rücken.+Ein andermal ging Jacob Bunnwagner noch spät am Walpurgisabend von Kaltenwestheim, wo er bei seinem Schatz gewesen war, zurück nach Andenhausen. Da hörte er, als er eben aus dem Beinzel, einem kleinen Wald auf die Klingser Hut trat, einen Mordlärm unter der breiten Linde, an welcher der Weg vorüberführte. Und nun erst fiel es ihm bei, daß es Walpurgis-Abend war. Er wußte nicht, was er beginnen sollte, aber nach Andenhausen mußte er. Da betete er denn hurtig alle Reimsprüchlein, die er gelernt, und noch obendrein drei Vaterunser und lief dann, was er nur laufen konnte, in einem weiten Bogen um die Linde. Die Hexen aber waren ihn doch gewahr geworden, verhöhnten und lachten ihn aus, und eine, sie war aus Klings denn er hatte sie gleich an der Stimme erkannt - rief ihm noch nach: "Jakef, siehst Du, hättest Du Dich nicht so gar sehr mit Gebeten verwahrt, so hätten wir Dir jetzt auch das Lanzen lehren wollen." Jacob aber gab Fersengeld; die Musik und den Lärm des Teufelspacks hörte er aber noch lange hinter seinem Rücken.
  
 //Quellen:// //Quellen://
Zeile 23: Zeile 11:
  
 ---- ----
-{{tag>sagen wucke werrasagen thüringen werra rhön Dermbach Waldpurgisnacht v1}}+{{tag>sagen wucke werrasagen thüringen werra rhön Waldpurgisnacht andenhausen lärm linde gebet vaterunser hexe flucht v1}}
sagen/werra367c.1718871517.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)