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sagen:werra191

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-====== Das Narren am alten Schlosse Kraienberg ======+====== Von der Burg Kraienberg ======
  
-"Nun will ich Ihnen auch ein Stückchen von "Kleinbärk" (Kraienberg  erzählen,“ begann die Nike von Urnshausen, "das mir selbst dort vorgekommen, aber so gewiß wahr ist, als ich hier sitze. Ich habe doch, wie Sie wissen, einige Jahre drunten in Kieselbach gedient. Nun gut. Ich hörte, daß es droben am alten Schloß gar mordschöne und große Erdbeeren und Himbeeren gäbe, da dacht' ich: Guck, du könntest ja auch einmal hinauf in die Beeren gehen und wie gedacht, so gethan. Und als ich an das alte Schloß kam, siehe, da wiebelt' und wabelt' alles von Beeren vor meinen Augen. So schöne und große - sie waren fast wie Taubeneier - hatt' ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und, wie ich Ihnen sag', alle todtreif. Ich wußt' nicht, wo ich zuerst anfangen sollte. Daß ich's kurz mache, ich kniete nieder und wollte abpflücken. Und denken Sie sich! ― wie ich nach der ersten greife, fort war sie. Ich greife nach der zweiten, dritten kurz, wo ich nur hingriff, griff ich fehl und hatt' ein Blatt oder ein Schneckenhaus in der Hand. Ich stand da und wußt' nicht mehr, was ich denken sollte. Da überlief's mich auf einmal eiskalt. Ich stürzte den Berg hinunter, und als ich heim kam und das Stückchen meinem Herrn erzählte, meint' der, das verwundere ihn gar nicht, droben am alten Schlosse sei das gar Vielen schon passirt." +((Urkundlich gab der Abt von Hersfeld den Dynasten von Frankenstein die Burg zu Lehen und verpfändete sie 1407 an die Landgrafen von Thüringen. 1184 verlieh Friedrich I. der Burg den Gottesfrieden. In den Urkunden kommt sie zuerst 1155 vor.)) 
 +Kaum zwei Stunden unterhalb Salzungen hinter dem Orte Tiefenort setzt einer der interessantesten westlichen Ausläufer des Thüringer Waldes seinen Fuß in das Werrathal, der Kraienberg, dessen Gipfel die Reste einer angeblich von den Frankensteinern gegründeten Burg trägt und dem Wanderer eine weite und prächtige Fernsicht bietet. Die Sage berichtet, daß bei Erbauung der Burg ein lebendiges Kind in einer steinernen Wiege eingemauert wurde, um nach damaligem Aberglauben jene Burg unüberwindlich zu machen. Auch will man oft ein klägliches Wimmern zwischen dem Gemäuer vernommen haben. Ebenso wird erzählt, daß dort droben zuweilen ein mit Blumen spielendes weißgekleidetes Kindlein gesehen worden sei, welches plötzlich verschwand, wenn man ihm nahte. Eine Frau, die sich ihm leise genähert, so daß sie nach demselben schon griff, sah statt des Kindes auf einmal einen blauen Schmetterling, der dann himmelwärts schwebte. Seitdem jedoch bei einem theilweisen Abbruch des Gemäuers ein kleiner steinerner Sarg mit einem Kindergerippe in demselben ans Licht kam, soll man droben nichts mehr gehört und gesehen haben. Auch von einer steinernen Wiege, die unter den Burgtrümmern verborgen gewesen, wollen alte Landleute noch gehört haben.
  
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