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sagen:werra162

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 ====== Vom tollen Jägersgraben ====== ====== Vom tollen Jägersgraben ======
  
 Von Eckardtshausen nach Förtha zieht sich links am Wege hin eine tief bewaldete Schlucht, der tolle Jägersgraben genannt, weil der tolle Jäger und das wütheninge Heer gar arg darin hausen sollen.  Von Eckardtshausen nach Förtha zieht sich links am Wege hin eine tief bewaldete Schlucht, der tolle Jägersgraben genannt, weil der tolle Jäger und das wütheninge Heer gar arg darin hausen sollen. 
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-a) "Ein armer Kötzenflicker aus Förtha mußte einmal Nachts dort vorüber. Da hörte er einen Weltspektakel in dem Graben; es war als wenn der ganze Wald zusammenbrechen wollte. Er sah auch wie Einer seiner Meinung nach ein Stück Wild auswirkte und er dachte, den läßt du hübsch links liegen, und ging im Bogen um ihn herum. Als der Kötzenflicker vorbei war, konnte er es aber doch nicht über's Herz bringen, rief im Spaß: "Kann man da auch einen Braten davon kriegen!" und machte darauf, daß er heim kam. Kaum jedoch hatte er sich niedergelegt, als Haus- und Stubenthüre aufflogen und es einen schweren Fall auf den Tisch that. Dem Kötzenflicker wurde es himmelangst; er stand aber doch auf und machte Licht, um das Geschenk zu betrachten. Zu seinem Schrecken gewahrte er das Viertel eines Pferdes, an dem selbst noch das Hufeisen hing.  
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-Am andern Morgen hockte der arme Teufel den Braten auf und trug ihn wieder an den Platz, wo er Abends zuvor das Stück Wild hatte auswirken sehen. Es half ihm aber nichts. In der folgenden Nacht passirte ihm das nämliche Stückchen. Er hockte das Geschenk wieder auf und schaffte es an die bewußte Stelle. In der dritten Nacht ging's grade so. Das war ihm denn doch zu toll. Er ging nun zu seinem Pfarrer und erzählte diesem den ganzen Vorfall. Der machte sich mit ihm auf den Weg nach dem tollen Jägersgraben und citirte den Bösen selbst herbei. Und der kam auch. Der Pfarrer stellte darauf dem Bösen vor, daß der Mann die Aeußerung nur im Scherz gethan und nichts mit ihm zu schaffen haben wolle, und da der Böse sah, daß hier nichts zu machen war, so nahm er zwar das Fleisch wieder zurück, stach aber beim Weggehen dem ehrlichen Kötzenflicker eine so derbe Ohrfeige, daß dieser am dritten Tag seinen Geist aufgab.  
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-b) Schlimm erging es einem Säufer aus Förtha. Der hatte sich, wie das gewöhnlich geschah, in Eckardtshausen eine gehörige „Welle“ (Rausch) geholt. Als er nun des Nachts an dem tollen Jägersgraben vorüberwollte, hörte er den Bösen darin jagen und Schuß auf Schuß fallen, sah auch, wie Einer ein Stück Wild unter sich hatte. Er trat in seiner Trunkenheit keck auf ihn zu und verlangte seinen Theil davon. Und ehe er sich's versah, hatte er auch schon ein Hinterviertel auf dem Buckel. Als er damit nach Hause kam, frug ihn seine Frau, was denn das sein sollte. Er aber antwortete barsch: "Halt's Maul, wirst's morgen schon sehen, ein Hinterviertel von einem Hirsch und hing das Fleisch an die Wand." Die Frau aber untersuchte den Braten genauer, sah bald was es war, schimpfte, daß er sich ein Pferdeviertel habe aufhocken lassen, und stieß ihn mit der Nase auf das noch am Huf hängende Eisen. Da nahm der Säufer fluchend das Fleisch von der Wand und warf's auf den Mist. Gleich darauf hing´es jedoch wieder an seinem Hacken, und das geschah so oft als es hinausgeworfen wurde, so daß es zuletzt selbst dem Säufer angst und bange wurde und er nach Rath ging.  
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-Da wurde ihm denn gesagt, daß er das Fleisch und zwar um dieselbe Stunde wieder an den nämlichen Ort tragen müßte, wo er es her habe; dabei müsse er jedoch ein Vaterunser beten. Das Erstere that er nun auch, das Vaterunser aber vergaß er. Und so kam denn der Teufel, nahm ihm das Fleisch ab, packte ihn aber gleichzeitig am Kragen und führte ihn mit sich durch die Lüfte.  
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-c) „Ich glaube ja nicht an so Etwas“, so begann der alte Senf in Kupfersuhl, aber wahr ist's, daß sie mir vor siebenzig Jahren, als ich noch in Förtha wohnte, viel vom tollen Jäger erzählten. Bald soll er große Jagd im tollen Jägersgraben gehalten haben, bald auf einem Gaul ohne Kopf erschienen sein und die Leute in Angst und Schrecken gesetzt haben. Am meisten aber, so sagten sie, hatten die Mühlknappen von Förtha von ihm zu leiden, wenn sie nach Eckardtshausen Mehl ritten oder fuhren und heimwärts am tollen Jägersgraben, noch vorüber mußten. Denen sprang er von hinten auf den Gaul oder warf sich auf den Karren, so daß sie diesen kaum von dem Platze bringen konnten."  
  
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