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sagen:werra154

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 ====== Von der Schlüsselblume auf dem Ringelstein ====== ====== Von der Schlüsselblume auf dem Ringelstein ======
  
-Eines Tages sah der Förster von Waldfisch auf dem alten Schlosse droben eine ungewöhnlich große und schöne Schlüsselblume blühen. Da dachte er bei sich: die bringst du deiner Liebsten mit heim. Er knickte sie ab und steckte sie auf den Hut. Da er sich wieder erhob, erschrack er nicht wenig, als er eine weiße Jungfrau von wunderbarer Schönheit vor sich erblickte. Sie stand vor einer weitgeöffneten, mit reichem Schnitzwerk verzierten Thür, die zu einem Gewölbe führte, von dem er zuvor nie etwas gesehen hatte. Der Förster faßte sich ein Herz und folgte der freundlich winkenden Jungfrau in den Berg. Diese deutete jezt auf einen großen Haufen, der wie eitel Gold schimmerte, und sagte zu dem erstaunten Förster: "Nimm so viel, als Du zu tragen vermagst," und er that, wie ihm geheißen, und füllte sich die Taschen. +Eines Tages sah der Förster von [[geo:Waldfisch]] auf dem [[burg:ringelsteine|alten Schlosse]] droben eine ungewöhnlich große und schöne Schlüsselblume blühen. Da dachte er bei sich: die bringst du deiner Liebsten mit heim. Er knickte sie ab und steckte sie auf den Hut. Da er sich wieder erhob, erschrack er nicht wenig, als er eine [[wesen:weissejungfrau|weiße Jungfrau]] von wunderbarer Schönheit vor sich erblickte. Sie stand vor einer weitgeöffneten, mit reichem Schnitzwerk verzierten Thür, die zu einem Gewölbe führte, von dem er zuvor nie etwas gesehen hatte. Der Förster faßte sich ein Herz und folgte der freundlich winkenden Jungfrau in den Berg. Diese deutete jezt auf einen großen Haufen, der wie eitel Gold schimmerte, und sagte zu dem erstaunten Förster: "Nimm so viel, als Du zu tragen vermagst," und er that, wie ihm geheißen, und füllte sich die Taschen. 
  
-Als er sich hierauf anschickte, den Keller zu verlassen, rief ihm die Jungfrau nach: "Förster, Förster! Du vergist das Beste!" Der aber hatte keine Zeit und suchte das Freie, und wie er nun durch die Thüre sprang, schlug ihn die so heftig an die Ferse, daß er vor Schmerz laut aufschrie; die Thüre aber war verschwunden. Nun erst bemerkte der Förster, daß er den Hut, den er in dem verwünschten Keller aus Respekt vor dem Fräulein abgelegt, sammt der schönen Blume zurückgelassen habe. Doch tröstete er sich damit, daß er nun sein Leben lang vollauf habe. Vergnügt fuhr er mit beiden Händen in die vollen Taschen, um sich an dem Anblick des Goldes zu weiden, allein wie erschrack er, als er statt schönen gelben Goldes nichts als Knotten herausbrachte. "Das heißt man doch einen ehrlichen Kerl an der Nase herumführen" rief er ärgerlich und schleuderte das Zeug ins Gebüsch. +Als er sich hierauf anschickte, den Keller zu verlassen, rief ihm die Jungfrau nach: "Förster, Förster! Du vergisst das Beste!" Der aber hatte keine Zeit und suchte das Freie, und wie er nun durch die Thüre sprang, schlug ihn die so heftig an die Ferse, daß er vor Schmerz laut aufschrie; die Thüre aber war verschwunden. Nun erst bemerkte der Förster, daß er den Hut, den er in dem verwünschten Keller aus Respekt vor dem Fräulein abgelegt, sammt der schönen Blume zurückgelassen habe. Doch tröstete er sich damit, daß er nun sein Leben lang vollauf habe. Vergnügt fuhr er mit beiden Händen in die vollen Taschen, um sich an dem Anblick des Goldes zu weiden, allein wie erschrack er, als er statt schönen gelben Goldes nichts als Knotten herausbrachte. "Das heißt man doch einen ehrlichen Kerl an der Nase herumführen" rief er ärgerlich und schleuderte das Zeug ins Gebüsch. 
  
 Nach Hause gekommen, warf er die Jacke auf die Bank, stutzte aber gewaltig, als ihm mit einem Mal ein blankes Goldstück vor die Füße rollte. "Sollte es am Ende doch", brummte er vor sich hin, griff hastig wieder nach der Jacke und fand auch wirklich, nachdem er die Taschen umgekehrt, noch einige Goldstücke darin. Bleich vor Entsezen, daß er so leichtsinnig sein Glück in's Gebüsch geworfen, hinkte er nun, so schnell es ihm der lahme Fuß erlaubte, wieder nach dem Ringelstein und durchsuchte Hecken und Sträucher. Vergebens! Alles war verschwunden. Die Ferse aber wurde immer schlimmer und heilte auch nicht eher, als bis das letzte Goldstück „verdoktert“ war.  Nach Hause gekommen, warf er die Jacke auf die Bank, stutzte aber gewaltig, als ihm mit einem Mal ein blankes Goldstück vor die Füße rollte. "Sollte es am Ende doch", brummte er vor sich hin, griff hastig wieder nach der Jacke und fand auch wirklich, nachdem er die Taschen umgekehrt, noch einige Goldstücke darin. Bleich vor Entsezen, daß er so leichtsinnig sein Glück in's Gebüsch geworfen, hinkte er nun, so schnell es ihm der lahme Fuß erlaubte, wieder nach dem Ringelstein und durchsuchte Hecken und Sträucher. Vergebens! Alles war verschwunden. Die Ferse aber wurde immer schlimmer und heilte auch nicht eher, als bis das letzte Goldstück „verdoktert“ war. 
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