sagen:wasdieheimaterzaehlt193
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| + | ====== Sebnitz ====== | ||
| + | Zu den schönstgelegenen Städten unseres Vaterlandes gehört die gegen 8000 Einwohner zählende Stadt Sebnitz. Sie bildet einen Teil des sogenannten „Meißner Hochlandes.“ Umrahmt wird sie von Bergen und schlangenförmig durchflossen von dem Sebnitzbach, | ||
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| + | Zu erreichen ist Sebnitz bequem und schnell mit der Bahn von Schandau aus oder auch von Neustadt her. In kurzer Zeit wird die Bahnstrecke Nixdorf–Sebnitz fertiggestellt werden, sodaß man auch von Zittau her über Rumburg und Schluckenau Sebnitz künftig bequemer und schneller erreichen kann. | ||
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| + | Vor 50 Jahren hatte Sebnitz noch nicht das freundliche Ansehen wie heute. Die Gassen waren nicht so breit, und der Marktplatz war nicht so geräumig. Am 15. September 1854 wurde ein großer Teil der Stadt ein Raub der Flammen. Die vielfach noch mit Schindeln bedeckten Häuser gaben dem Feuer Nahrung; damals gingen das Rathaus, die Schule, die den Marktplatz einrahmenden Gebäude und die anstoßenden Gassen in den Flammen auf. Nicht weniger als 150 Häuser wurden in einen Asche- und Trümmerhaufen verwandelt. Auf den Trümmern wurde die Stadt von neuem wieder aufgebaut und erhielt jenes anmutige Gewand, dessen Anblick uns so fesselt. | ||
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| + | Die Stadt Sebnitz hat ein hohes Alter. Ihre Gründung fällt in eine sehr frühe Zeit, mindestens um das Jahr 1000 n. Chr. Geburt. Die Schreibweise des Namens Sebnitz ist eine schwankende gewesen. Da findet man das Städtchen Sebenitza, Sabenize, Sebenitzs, Sebenitz, Sebeniz und auch Zäbnicz geschrieben. Der Name der Stadt ist wendischen Ursprungs und liegt ihm nach den neueren Forschungen das altwendische Wort zeba zu Grunde, welches „Fink“ bedeutet. Den Namen Sebnitz deutet man neuerdings als „Finkenwaldbach.“ Wenden sind also die ersten Bewohner des Talkessels gewesen, in dem sich heute die Stadt Sebnitz so friedlich ausbreitet. 200 Jahre später siedelten hier nach der Sage sich noch 24 deutsche Bauern an, die aus der Bamberger Gegend kamen. Ueber den Ursprung und über die Gründung der heutigen Stadt Sebnitz besteht noch folgende allgemeine Ueberlieferung: | ||
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| + | Nach einer uralten Sage sollen da, wo Sebnitz heute steht, einst die Böhmen oder Tschechen ihre Volksversammlungen abgehalten haben. Im nahen Dorfe Lichtenhain, | ||
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| + | Im 18. Jahrhundert war in Sebnitz und in der Umgegend noch folgender Gebrauch üblich: Am Sonntage Lätare zogen die Kinder in Sebnitz mit einem Strohmanne, der den Tod darstellen sollte, unter einem besonderen Gesange durch die Stadt bis an die böhmische Grenze. Daselbst warfen sie den Strohmann in den Bach und kehrten dann unter fröhlichen Gesängen wieder heim. | ||
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| + | In Urkunden kommt der Name Sebnitz im Jahre 1228 zum ersten Male vor und zwar in der Grenzbezeichnung des Königreichs Böhmen und des Stiftes Meißen. Ob nun die Stadt auch dem Flusse oder der Fluß Sebnitz der Stadt den Namen gegeben hat, das ist schwerlich zu entscheiden. | ||
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| + | Sebnitz gehörte einst zum Besitze des böhmischen Freiherrn von der Duba, seit 1410 zum Erbteil der Wildensteiner Linie dieses Geschlechts, | ||
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| + | Jahrhunderte hindurch bewahrte Sebnitz den Charakter eines Ackerbaustädtchens. Neben Getreidebau trieben die Bewohner einst auch Weinbau, und an den Abhängen der umliegenden Berge kletterte der Weinstock empor. An jene Zeiten erinnert noch der Name „die Weinleite.“ – Bedeutend war einst in der Sebnitzer Gegend der Flachsbau, und bis vor einem Menschenalter war Sebnitz weithin berühmt und bekannt als Weberstadt. Hier entwickelte sich ein lebhafter Handel mit Leinwandwaren. Schon im 15. Jahrhundert hatte Sebnitz in der Verarbeitung der Garne einen großen Ruf. Damals unterhielt es Handelsverbindungen mit England und den Städten Leipzig und Nürnberg. Die Leute aller umliegenden Dörfer und Städte erhielten durch die Sebnitzer Meister, deren damals 51 in der Stadt vorhanden waren, lohnende Arbeit. Im Jahre 1750 fing man in Sebnitz auch an, in die leinenen Waren Seide zu schießen. Nach und nach fertigte man auch Tücher aus reiner Seide, die unter dem Namen: „Dresdner Tücher“ weithin berühmt waren. So hob sich die Sebnitzer Leinwandindustrie immer mehr und mehr, sodaß Ende des 18. Jahrhunderts daselbst nicht weniger als 300 Meister, 120 Gesellen, 30 Lehrlinge und 1000 Stühle beschäftigt wurden. Vater und Sohn, Mutter und Tochter arbeiteten hinter den Stühlen, und die kleineren Kinder saßen am Spuhlrade oder hinter der Seidenwinde. Das war so bis zu jenem furchtbaren Brande am 15. September 1854. In den Flammen gingen viele Webstühle verloren. Die Bewohnerschaft wandte sich nun mehr und mehr der im Nachbarlande Böhmen blühenden Fabrikation künstlicher Blumen zu. Der wirtschaftliche Aufschwung nach den Kriegsjahren 1870/71 verhalf der Blumenindustrie in Sebnitz zu großer Blüte, und so ist Sebnitz heute eine „Blumenstadt“ geworden und als solche im In- und Auslande rühmlichst bekannt. Sie zeigt durchaus das Gepräge eines lebhaften modernen Industrieortes und weist einen so lebhaften kommerziellen Verkehr auf, daß z. B. der Postpaketverkehr im Jahre 1898 als zweiter im Dresdner Handelskammerbezirk, | ||
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| + | Die Bewohner sind gastfreundschaftlich, | ||
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sagen/wasdieheimaterzaehlt193.1709910762.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
