sagen:wasdieheimaterzaehlt092
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:wasdieheimaterzaehlt092 [2024/03/08 15:15] – angelegt ewusch | sagen:wasdieheimaterzaehlt092 [2025/01/30 18:01] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | + | [[sagen: |
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Die alte Heidenstrasse ====== | ||
| + | Vor mehr als tausend Jahren bedeckte noch dichter Urwald die Umgegend der Städte Pulsnitz und Radeberg. Um die Zeit der Geburt Christi breitete sich über unser sächsisches Vaterland der Hercynische Wald aus. Derselbe erstreckte sich von der heutigen Schweiz weithin nach Norden. Er grenzte fast bis an die Ost- und Nordsee. Der bekannte Miriquidiwald, | ||
| + | |||
| + | In diesen umfangreichen und fast undurchdringlichen Wäldern trat der Mensch damals nur ganz vereinzelt auf, und es sollte lange dauern, ehe dieser dichte Wald gelichtet wurde. An jene Zeit, in welcher der Mensch sich hier ansiedelte, erinnern uralte, gefällte Baumstämme von beträchtlicher Stärke und Länge. So fand man vor Jahren in Großröhrsdorf in ziemlicher Tiefe einen 2 m starken Baumstamm, bei dem das Mittelstück fehlte. – Auf den Torfwiesen bei Pulsnitz, zwischen dem Vierenwege und dem Kirchsteige, | ||
| + | |||
| + | Das Klima der hiesigen Gegend war in jenen Zeiten vorherrschend feucht und kalt. Obst und Wein reiften nicht. Schon im Monat September stellten sich Schnee und Frost ein, und die Winterkälte währte in der Regel bis in den Mai des folgenden Jahres. In den von Bäumen und Gestrüpp am dichtesten verwachsenen Gründen des Urwaldes, wohin im ganzen Jahre kein Sonnenstrahl dringen konnte, war selbst im Spätfrühlinge der Schnee noch nicht völlig geschmolzen. Dichte Nebel trübten im größten Teile des Jahres das Sonnenlicht; | ||
| + | |||
| + | Diese Straße war für die ersten Bewohner unseres nördlichen Vaterlandes geradezu unentbehrlich. Die alten Deutschen hatten nicht lange Ruhe an ein und demselben Punkte. Sie zogen nach kurzem Aufenthalte bald weiter. Ihr Sinn war auf Krieg und Beute gerichtet. Sie befanden sich darum mit Weibern und Kindern fast immer auf sogenannten Heerfahrten. Aus diesem Grunde mußten sie eine große Heerstraße haben. Vermutlich ließen sie durch ihre Sklaven eine solche durch die Wildnis bahnen. | ||
| + | |||
| + | Die alte Heidenstraße war freilich keine Straße, wie deren heute unser Vaterland durchkreuzen. Sie war ein 14–20 m breiter Pfad, der dadurch gewonnen worden war, daß man Bäume fällte, Gestrüpp entfernte und die unebenen Stellen oberflächlich etwas einebnete. Durch die großen und häufigen Heer- und Wanderzüge der Völker wurde dieser Weg allmählich auch festgetreten. Bei andauernden Regenzeiten war diese Heerstraße, | ||
| + | |||
| + | Diese Heerstraße blieb aber jahrhundertelang der einzige Verkehrsweg zwischen dem Westen und Osten unseres Vaterlandes. Erst um das Jahr 1150 wurde eine neue und bessere Verbindung zwischen den Städten Dresden, Bischofswerda und Bautzen angelegt, wodurch natürlich die alte Heidenstraße gar bald an Bedeutung verlor; denn der Hauptverkehr wandte sich nun dieser neuen Straße, der Bautzener Straße, zu. Allmählich vereinsamte die Heidenstraße ganz, und heute kennt man sie kaum dem Namen nach. Nur ganz geringe Spuren von ihr sind jetzt noch vorhanden. | ||
| + | |||
| + | In den ältesten Grenzbestimmungen wird diese alte Straße auch genannt. Da heißt es in einer solchen Urkunde vom Jahre 1218: „Item (ingleichen, | ||
| + | |||
| + | Suchte nun die alte Heidenstraße die höchsten oder die niedrigsten Punkte auf? Unsere Urväter hielten es wohl für geraten, ja für geboten und klug, ihre Straße über die Berge zu führen und nur, wenn die Möglichkeit hierzu nicht vorhanden war, durch Niederungen. Ihren Grund hatte diese eigentümliche Wegeanlage in der damaligen Versumpfung der Ebenen und der Täler. Von Pulsnitz nach Großenhain zu nahm diese Straße jedenfalls ihren Weg über die Höhe bei Lichtenberg, | ||
| + | |||
| + | Um die Urbarmachung haben sich die alten Deutschen freilich wenig gekümmert. Sümpfe haben sie nicht trockengelegt und Urwälder nicht entblößt. Ihr Verdienst um die hiesige Gegend besteht nur allein in der Anlegung der alten Heidenstraße. Unbekannt und unkultiviert, | ||
| + | |||
| + | So haben wir gesehen, von welcher großen Bedeutung die alte Heidenstraße für das östliche Sachsen gewesen ist. Sie war vor Jahrhunderten der erste Verkehrsweg durch eine einst unwirtliche Gegend und ist gleichsam der Bahnbrecher zu deren Kultivierung geworden. Darin liegt ihre Bedeutung. Die alte Heidenstraße, | ||
| + | |||
| + | ---- | ||
| + | {{tag> | ||
sagen/wasdieheimaterzaehlt092.1709907343.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
