sagen:wasdieheimaterzaehlt058
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| + | ====== Stolpen vor Einführung der Reformation ====== | ||
| + | Zur Zeit der Meißnischen Bischöfe wurden in Stolpen die beiden Stiftspatrone, | ||
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| + | Solange in Stolpen das Papsttum die Oberhand behielt, ging auch die Verehrung und Anbetung der genannten Heiligen in vollem Umfange vor sich. Ihnen zu Ehren wurden Messen, Seelbäder, Spenden, Brüderschaften und dergl. mehr gestiftet. So kam es auch, daß in Stolpen der Ablaßhändler Johann Tetzel sein Treiben wie nirgends anders hatte, obgleich der damalige Bischof Johann VI. von Salhausen kein sonderlicher Freund von ihm war. Wie an allen Orten, trat Tetzel auch in Stolpen in seiner bekannten Art und Weise auf. Luther erzählt einst bei einer Mahlzeit über Tetzel’s Aufenthalt in Stolpen folgendes: | ||
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| + | „Da derselbe (Tetzel nämlich) zu Stolpen, wo der Bischof zu Meißen haushält, gepredigt hatte, daß eine Seele erlöset würde, wenn man einen Groschen einlegte, hat ihn einer, des Pfarrern daselbst Vater, gefraget, was er für Müntze wollte haben. Da hat er sich lange bedacht, endlich aber zur Antwort gegeben: „Morgen kommt wieder, so will ich’s Euch sagen!““ | ||
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| + | Die Bischöfe von Meißen traten der Reformation feindselig entgegen. Sie fanden dazu im Herzoge Georg einen starken Rückenhalt. Das wankende Volk suchten sie teils durch Schmähschriften wider Luther, teils durch allerhand Strafandrohungen vom Übertritte abzuhalten. Konnten sie dies nicht im guten erlangen, so scheuten sie auch vor keinerlei Zwangsmitteln zurück. Solches erfuhren vor allen Dingen diejenigen Prediger, die sich zu der reinen evangelischen Lehre bekannten. Diese mußten hierfür in den schaurigsten Gefängnissen des Schlosses Stolpen, die zum größten Teile heute noch erhalten und zu sehen sind, schmachten. Solches geschah mit dem Pfarrer von Lochau, der sich vor Bischof Johann VII. verantworten mußte. Andere aber haben sogar ihr Leben in diesen schauerlichen Gefängnissen um des Glaubens willen lassen müssen. Dies war der Fall mit dem Pfarrer Jakob Seidler aus Glashütte, der am Pfingsttage 1521 zu Stolpen gefangen gesetzt wurde. Auch geschah solches dem „Barfüßer Custos“ aus dem Kloster Sagan in Schlesien. Für ersteren legte die „Wittenbergische Theologie“ bei dem Bischofe unterm 18. Juli Fürbitte ein, doch vergebens. Darum mußten sich diejenigen Geistlichen, | ||
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| + | Mit der Schule stand es in Stolpen vor Einführung der Reformation nicht gerade günstig. Gercken schreibt hierüber: | ||
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| + | „In was für einer Verfassung unsere Schule vor den Zeiten der Reformation gestanden habe, lässet sich nicht so eigentlich bestimmen, doch ist leicht zu erraten, das dieselbe schlecht genug möge gewesen sein. Aus der Heiligen Schrift durfte damals in den Schulen nicht erklärt werden, und die ganze Gelehrsamkeit war in den äußersten Verfall geraten, wie aus der Historie dieser finsteren Zeiten bekannt genug ist.“ – | ||
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| + | Zur Bischofszeit erhielten die Lehrer und armen Schüler zu Stolpen zur Unterstützung gnädigst die Abfälle von der bischöflichen Tafel. Um die Besoldung war es herzlich schlecht bestellt, kaum daß die Lehrer das Nötigste hatten. Doch mit Einführung der Reformation traten hierin für diese und die Schule günstigere Verhältnisse ein. Die Stolpener Stadtschule gelangte nach und nach zu Ansehen, sodaß sie weit und breit in einem gar guten Rufe stand. Der wohltätige Einfluß der Reformation machte sich auch hierin geltend. Niemand sehnte sich nach den früheren Zeiten zurück. | ||
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