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-====== Zwei Staatsgefangene in Stolpen ======+====== Carl Christian Gercken, der Verfasser der Chronik von Stolpen ======
  
-Kurfürst Vater August, der von 1553 bis 1586 in Sachsen regierte, war ein strenger Lutheraner und darum auch bemüht, seinem Lande die reine evangelische Lehre zu erhalten. Auf dem Reichstage zu Augsburg im Jahre 1555, da der berühmte Religionsfriede zu stande kam, war er zwar nicht persönlich anwesend, er hatte aber treue und gewissenhafte Gesandte dahin abgeschickt. Zugegen war er aber auf dem im März 1555 zu Naumburg an der Saale abgehaltenen FürstentageDaselbst ermahnte Vater August die erschienenen Fürstenbei der lutherischen Konfession treu zu verharren und vom damaligen Reichstage und dem Reichskammergerichte nichts zu dulden, was den Protestanten zum Nachteile sein könnteAber trotzdem, daß durch den Reichstagsbeschluß zu Augsburg die evangelische Kirche nach außen hin zum Frieden gelangt zu sein schien, wollte doch in ihrem eigenen Lager der Friede durchaus nicht gedeihen, da die „lutherischen Gottesgelehrten“ durch erbitterte Streitigkeiten sich bekämpften, wozu der zum Frieden so sehr geneigte Melanchthon wider Willen die nächste Veranlassung gegeben hatteMelanchthon hatte nämlich, um den schroffen Gegensatz der Lutheraner und der Reformierten der Schweiz etwas zu mildern und womöglich eine Vereinigung beider Konfessionen anzubahnen, bereits im Jahre 1540 dem vom heiligen Abendmahle handelnden Artikel der Augsburgischen Konfession eine kleine Abänderung gegeben. Nach seinem Tode 1560 gingen seine Schüler und Anhänger in dieser Hinsicht immer weiterMehrere von ihnen hatten einflußreiche Ämter in Kursachsen und genossen beim Kurfürsten selbst großes Ansehen. Dieser war aber samt seiner Gemahlin, der Kurfürstin Mutter Anna, der reinen evangelisch-lutherischen Lehre so streng zugetan, daß er zu sagen pflegte„Wenn ich eine einzige calvinistische Ader in mir haben sollte, so wünsche ich, daß der Teufel sie mir ausreißen möchte!“ – Daher sahen sich jene Männer genötigt, ihre den beiden Stiftern der reformierten Kirche, Zwingli und Calvin, verwandten Ansichten in Glaubenssachen streng geheimzuhalten. Sie wurden daher, besonders von den Theologen zu Jena, als „Krypto-Calvinisten“, d. h. heimliche Anhänger Calvin’s, bezeichnet. Doch gelang es den Krypto-Calvinisten, den Kurfürsten über ihre Glaubensansichten zu täuschen.+Zu den Männernwelche sich um die Aufzeichnung der Ortsgeschichte Stolpens hochverdient gemacht haben, gehört in erster Linie Carl Christian Gercken. Auf seinen Namen stößt der Geschichtsforscher wiederholtSehr wertvoll ist die Chronikwelche Gercken über Burg und Stadt Stolpen verfaßteIn diesem Werke hat er sich ein dauerndes Denkmal selbst errichtetDie von Gercken über Stolpen verfaßte Chronik erschien im Jahre 1764 und zählt 788 SeitenDieselbe führt folgenden Titel:
  
-Auf Vater August folgte der Kurfürst Christian I. Dieser regierte von 1586–1591. Unter seiner Regierung entwickelte sich der begonnene Religionsstreit nur noch mehr. Die Krypto-Calvinisten waren jetzt eifrig bemüht, die lutherische Lehre zu verdrängen und die Einführung der reformierten oder calvinistischen Lehre durchzusetzen und zwar unter dem mächtigen Einflusse eines erklärteneines eifrigen Calvinisten, des Kurfürstlichen Kanzlers Dr. Nicolaus Crell. Dieser war bereits vom Kurfürsten Vater August als Hofrat in der Landesregierung angestellt und im Jahre 1584 dem Kronprinzen Christiander als Mitregent des Vaters eingesetzt war, als „ratender und helfender Mann“ zugeordnet wordenSo trat denn Crell in ein vertrauteres Verhältnis zu Christian I. und wußte diesen so für sich einzunehmendaß er im Jahre 1589 seinen bisherigen Kanzler, DDavid Pfeifer, entließ und dafür D. Crell zum Geheimrat und Kanzler ernannte. Crell, der sich dem Kurfürsten Christian I. unentbehrlich zu machen wußte, riß bald alle weltliche und geistliche Gewalt an sich und waltete und schaltete ziemlich unumschränkt. So wußte er Einrichtungen aus der Zeit des Kurfürsten Vater August, die dazu gedient hatten, den Krypto-Calvinisten, entgegenzuwirken, einfach zu beseitigen. Bald erschien unter Einfluß dieses Kanzlers Crell auch eine kurfürstliche Verordnung, durch welche alle Angriffe gegen andere Religionsansichten auf der Kanzel verboten wurden; denn bisher war es geschehen, daß die lutherisch Rechtgläubigen öffentlich von der Kanzel herab gegen das Treiben der Krypto-Calvinisten eifrig gepredigt hatten. +„Historie der Stadt und Bergfestung Stolpen, im Marggrafthume Meißen gelegenaus zuverlässigen Nachrichten entworffen von MCarl Christian GerckenDreßden und Leipzigzu finden im Adreß-Comtoir 1764.“ – Der Verfasser hat diese Chronik dem damaligen sächsischen Conferenz-Minister gewidmet und zwar mit folgenden Worten:
  
-Den Kurfürsten selbst suchte dessen in Dresden lebender Schwagerder reformierte Pfalzgraf Johann Casimirfür die calvinische Lehre zu gewinnenDazu war Crell bemüht, dieselbe allmählich im ganzen Lande einzuführen. Der gegen die Krypto-Calvinisten eifernde Superintendent von LeipzigDrSelnecker, wurde 1589 seines Amtes entsetztUm nicht durch die Presse in seinem Treiben gehindert zu werden, bildete Crell, die Hofprediger Salmuth und Steinbach an der Spitze, eine sogenannte „Hof-Zensurcommission“ für alle theologischen Schriften, die an diese drei Männer zur Prüfung und Durchsicht eingesandt werden mußtenAlle theologischen Schriften, die in irgend einer Weise dem Sinne der Krypto-Calvinisten schaden konnten, wurden gestrichen und die Veröffentlichung derselben wurde streng verboten. Zugleich arbeiteten diese Männer, die an den Superintendenten Schönfeld in Dresden, Dr. Harder in Leipzig, Birnbaum in Wittenberg und Pastor Dr. Gundermann in Leipzig Gleichgesinnte hatten, an neuen Ausgaben der Bibel und der Katechismen im Sinne der Krypto-Calvinisten, um auf diese Weise ihre Lehre in’s Volk und in die Schule zu bringen. Bis dahin war es kirchliche Sitte gewesen, bei der Taufe eine Formel auszusprechen, welche sich auf die Austreibung des Teufels aus dem Täufling bezog. Diese Formel bezeichnete man mit dem Namen oder Ausdruck „Exorcismus“. Der Kurfürst Christian hatte bei der Taufe seiner Prinzessin Dorothea mit der Weglassung dieser Formel den Anfang gemacht. Darauf ging durch das ganze Land der Befehl, daß der „Exorcismus“ bei der Taufe wegzulassen sei. Denjenigen Geistlichen, die diesen Befehl zu unterzeichnen sich weigerten, drohte Amtsentsetzung. Viele Geistliche, welche sich nicht zur Unterzeichnung entschließen konnten, wurden auch tatsächlich abgesetzt, darunter auch der Oberhofprediger Dr. Mirus, welcher seiner freimütigen Äußerungen wegen auf der Festung Königstein gefangen gesetzt ward. Den höheren Ständen erschien die neue Verordnung ganz zweckmäßig, doch bei dem Volke zeigte sich die hartnäckigste Widersetzlichkeit. Manche Eltern ließen ihre Kinder nun gar nicht taufen, andere schickten sie in’s Ausland, um an ihnen die Austreibung des bösen Geistes doch noch vollziehen zu lassen. In Dresden erschien einst am Taufsteine mit den Paten seines Kindes auch dessen Vater, ein Fleischermeister, und drohte, mit dem geschwungenen Beile in der Hand, dem betreffenden Geistlichen den Kopf zu spalten, wenn er nicht sofort das Kind mit dem Exorcismus taufen wolle. Auch an anderen Orten kam es zu unruhigen und heftigen Auftritten. Der Grund dieses Widerstandes von seiten der Geistlichen und der Grund der Erbitterung, mit welcher sich das Volk an diesen Streitigkeiten so lebhaft beteiligte, ist hauptsächlich in der Überzeugung zu suchen, daß durch Weglassung des Exorcismus der Calvinismus begünstigt werde und dem Volke das liebgewonnene Luthertum entrissen und eine andere Lehre an dessen Stelle gesetzt werden sollte. Doch mit dem Tode des Kurfürsten trat für die besorgten Lutheraner eine günstige Wendung der Dinge ein. Da die Söhne des so jungverstorbenen Kurfürsten noch minderjährig waren, übernahm auf die Dauer der Minderjährigkeit des älteren Prinzen der Vormund desselben, Herzog Friedrich Wilhelm von Weimar, die Regierung der kursächsischen Lande und schlug seinen Wohnsitz in Torgau auf.+„Dem Hochgeborenen Herren,\\ 
 +Herrn Thomasdes HeilRömischen Reichs Freyherrn von FritschSrChurfürstlichen Durchl. zu Sachsen hochbetrautem Conferenz-Ministre und. würklichem Geheimden Rathe etc.
  
-Friedrich Wilhelm von Weimarsowie seine Gemahlin Sophiewaren streng lutherischSeine Hauptsorge ging nun vor allen Dingen dahindas Luthertum in dem von ihm verwalteten Lande wieder herzustellen und zwar in seiner ursprünglich reinen Form. Der erste Schritt hierzu war die sofortige Verhaftung des Kanzlers DrCrell und des DrPfeifer’s WiedereinsetzungCrell wurde nach dem Königsteine in strenge Hut gebrachtÜber 10 Jahre befand er sich daselbstAuch die beiden Hofprediger Salmuth und Steinbach, die mit dem einstigen Kanzler im vollen Einverständnis gehandelt hattenwurden verhaftet und im Jahre 1592 nach der Festung Stolpen als Staatsgefangene gebrachtSchöttgen erzählt hierüber in seiner „Wurzener Historie“ folgendes:+Meinem gnädigen Herrn.\\ 
 +Hochgeborener FreyherrGnädiger Herr,\\ 
 +EwHoch-Freyherrl. Excellenz haben jederzeitwie gegen die Wissenschaften überhaupt, also gegen die Geschichte des Vaterlandes insonderheit, so vorzüglich hohe Gnade geäußert, daß ich mich gegenwärtig erkühne, deroselben die Historie meiner Vaterstadt Stolpen in Unterthänigkeit zuzueignen. Der hohe Beifall, dessen Ew. Hoch-Freiherrl. Excellenz meine geringe Arbeit schon damals zu würdigen geruheten, als ich nur einige wenige Capitel deroselben vorzulegen die Gnade hatte, da ein trauriges Schicksal EwHoch-FreyherrlExcellenz mit mehreren vornehmen Herrschaften aus der KglResidenz nach Stolpen zu gehen nöthigte, hat mich desto mehr aufgemuntert, das angefangene Werk zu vollenden. Wie glücklich würde ich mich nunmehr schätzen, wenn meine ganze Arbeit in ihrem ganzen Umfange den Beifall eines so großen Kenners erlangen sollte! EwHoch-FreyherrlExcellenz werden inmittelst gnädigst geruhen, meine gegenwärtigen Bemühungen zur Erläuterung der Geschichte des Vaterlandes mit huldreichen Augen anzusehen und einer gnädigen Aufnahme zu würdigen. Der allerhöchste Gott lasse Ew. Hochwohlgeb. Excellenz und dero Hoch-Freyherrl. Haus zu aller Zeit seiner besonderen gnädigen Aufsicht befohlen seinund überschütte dieselben aus der Fülle seines Reichtums mit überschwenglichem Segen! Er erfülle die brünstigen Wünsche aller Redlichen des, durch die gesegneten Bemühungen Ew. Hoch-Freyherrl. Excellenz, mit Friede und Ruhe wieder erquickten Vaterlandes,((Bezieht sich auf den Friedensschluß des 7jährigen Krieges 1763 zu Hubertusburg.)) für dero dauerhaftes Glück und hohes Wohlergehen und lasse dieselben, mit vieler vorzüglicher Huld des durchlauchtigsten Chur-Hauses geschmückt, zum Heil des ganzen Landes, mit muntern Kräften, bis in die spätesten Jahre arbeiten! Mit diesem ehrfurchtsvollen Wunsche empfehle EwHoch-Freyherrl. Excellenz mich zu hoher Gnade, und beharre mit tiefstem Respect
  
-„Als der Ruf davon in Dresden auskommendaß Salmuth und Steinbach in Arrest genommen werden sollten, hatten sich viele Leute anno 1592 den 8Mai, Mittwoch nach Pfingsten, versammelt, das Straßenpflaster aufgerissen und würden sie (die eben genannten Geistlichen) sehr übel tractirt haben, wenn nicht der Stadt-Hauptmann mit der Garnison und Bürgerschaft dazwischen kommen wäre und die gedachten Beiden (Salmuth und Steinbach) in starker uschützender Begleitung auf das Schloß Stolpen gebracht hätteDaselbst hat aber der Teufel, wie der Amtsschösser Thomas Teutter, Verwalter zu Stolpen, an den damaligen Administrator umständlich berichtet, ihn (den Thomas Treutter) des Nachts oft besuchet, sich in seinem Handbecken gebadet, das Bänklein fortgerücket, die Bücher umgeblättert und hinund hergeworfenSalmuth und Steinbach, die eben daselbst als Gefangene gesessen, haben ausgesagt, daß sie desselbigen Tages, da er durchgehen wollen, einen Bauern in einem roten Leder mit einem Fuhrmanns Hut und Federn vorbeigehen sehenEs soll auch ein großes Wetter auf dem Schlosse gewesen sein, daß die Ziegel von den Dächern gefallen sind und niemand sicher auf dem Schloßhof hat gehen können. Es soll auch der Teufel von Stolpen aus nach Bischofswerda zu ein groß Wetter erregt haben, so daß in selbigen Strich nicht der dritte Halm stehen geblieben ist. Zu Bischofswerda sind durch die Schloßen, die wie Welschnüsse groß waren, den Bürgern die Fenster eingeschlagen worden, sodaß jedermann gemeint hat, der jüngste Tag würde kommen.“ – Die einzelnen Umstände berichtet Treutter an seinen Vorgesetzten mit Furcht und Zittern. Ihm ist dabei ganz angst beim Niederschreiben geworden, und es scheint, als wenn er gefürchtet habe, er werde sein Leben darüber einbüßen müssen.+Stolpen, den 25Septbr1764\\ 
 + EwHoch-FreyherrlExcellenz unterthänigster\\ 
 + MCarl Christian Gercken.“\\
  
-Dem gefangenen Hofprediger Steinbach scheint aber auf der Burg Stolpen die Zeit sehr lang geworden zu sein; denn er versuchet am 19Juni 1592 auf folgende Art die Freiheit zu erhalten:+M. Carl Christian Gercken wurde am 19. Oktober 1731 zu Stolpen geboren, wo sein Vater, Christian Ernst Gercken, Archidiakonus war. Seinen ersten Unterricht erhielt er in der Schule seiner VaterstadtDiese Stadtschule stand damals unter dem Rektor M. Nestler und hatte weit und breit einen guten Ruf. Im Jahre 1745 kam Gercken wohlvorbereitet auf die Kreuzschule zu Dresden und hat daselbst „als Con-Rector studiret“. Seine Lehrer waren der berühmte Rektor Christian Schoettgen und Eph. Kretzschmar. „Nach getaner öffentlichen Valediction“ (Abschiednehmen, Abschiedsrede) bezog Gercken im Jahre 1750 die Universität Leipzig und hörte die dasigen berühmten Lehrer in Philosophicis und Theologicis, und hielt als Senior am Geyer’schen Freitische sowohl anno 1752 als anno 1753 die gewöhnliche Gedächtnisrede im „Auditorio Philosophico.“
  
-Er hat die Türe seines Gefängnisses mit einem Brotmesser zerschnitten und weil es ihm, als einer schweren Person, daraus zu kriechen, unmöglich gewesen, mit einem Scheite eine drei Zoll starke Pfoste zerschlagenHierauf ist er, wie Treutter schreibtmit Hilfe des Teufels durch drei andere verschlossene Türen, die ganz unversehrt geblieben, durchkommenHierauf hat er oben im Schlosse in einem Wendelsteinin einem Fenster, daran er zwei Ofengabeln kreuzweise inwendig vor das Loch gebundenein Handtuch ausgehangen, dazu alles Bettgeräte, so man ihm gegeben, wie schmale Handtücher zerschnitten, recht fest zusammengenäht, dreifach überstochen und sich also über 50 Ellen hoch herablassen wollenEs ist ihm aber sein Vorhaben mißlungen und hatehe er heruntergekommen, einen Fall getan und brach den Oberschenkel des linken BeinesEr hatte auch einen Zettel, den er mit Fensterblei geschrieben, nebst einem Packet in dem Gefängnis liegen lassen, welches Treutter nach Dresden geschickt hat. Was der Inhalt war, ist aber unbekannt geblieben. Steinbach wurde jedoch ergriffen und hat selbst in Gegenwart etlicher Rats- und Gerichtspersonen von freien stücken ausgesagt, der Teufel hätte ihm geholfen. Als sich aber die Schmerzen mehrten und er sahdaß er schlechterdings nicht davonkommen würde, verlangte er in seiner höchsten Not von dem Verwalter, derselbe solle ihm durch einen Kirchendiener das heilige Abendmahl reichen lassenWeil nun DrZacharias RivanderSuperintendent zu Bischofswerdaeben in gewissen Angelegenheiten zu Stolpen war, ging er zu ihm und vernahm von ihm, auf welche Art er das Abendmahl nehmen wolleSteinbach erklärte sich auch bereit, schriftlich zu widerrufen und fügte die Bitte beidaß der Widerruf nächsten Sonntag in der Schloßkapelle zu Dresden abgelesen werden möchte.“ – Dieses Schriftstück hatte folgenden Wortlaut:+In Wittenberg holte er sich 1753 den Magistertitel unter dem Dekanat Professor Christian Crußi. Darauf verließ Gercken Leipzig und ließ sich den 3. Oktober desselben Jahres pro Candidatura“ vor dem Oberkonsistorium zu Dresden prüfenDarauf kehrte er in seine Vaterstadt und in’s Vaterhaus zurück und übte sich hier, wie er selbst erzähltim PredigenDas letzte Jahr vor seiner Beförderung in die künftige Amtsstellung war er als „Privat-Informator Gülden“ im Hause des Herrn Amtsmannes tätig. Im Jahre 1755 berief ihn der Rat der Stadt Stolpen „zu dem erledigten Diakonat“wozu er am 17. Aug. die Probepredigt ablegteworauf den 22August zu Dresden die Ordination und Konfirmationder wirkliche Amtsantritt aber erst am 31. August des genannten Jahres erfolgteIn dieser Stellung war Gercken bis zum Jahre 1771 tätigdarauf wurde er als Pastor von Stolpen angestellt. Als solcher wirkte er hier bis zu seinem Todeder ihn 1795 in das Jenseits abrief– Vermählt ward Gercken 1757, den 11Oktobermit Christiane Renatader ältesten Tochter des KurfürstlSächs. Accisinspektors Joh. Gottfried Barthel zu Pulsnitz, der später Amts-Steuer-Einnehmer zu Stolpen wurde.
  
-„Nachdem ich, MDavid Steinbach, zu der Zeit, da mir das Hofpredigerdienst zu Dresden befohlen gewesen, fremde calvinische, irrige in der Augsburgischen Confession ausgesetzte Lehre einführen wollen, und dadurch die hochlöbliche Schloßkirche daselbsten nicht wenig geärgert, als ist mir solches von Herzen leidverwerfe und verdamme dieselbige von Herzen und bitte flehentlichen und um Gottes Willen, sie wollte mir solches verzeihen und vergeben, auch Gott für mich bitten, daß er mir solchen meinen Irrtum und Fall zu gut halten, verzeihen und vergeben, mir meine großen Schmerzen lindern und nur nach seinem väterlichen Willen gnädiglich helfen wolle um Jesu Christi seines lieben Sohnes Willen, ferner, da mir Gott mein Leben fristen und mich im Predigtamte forthin haben wollte, will ich alle solche Irrige in der Augsburgischen Confession, anno 30 verworfene und verdammte Lehre, mit Herzen und Mund meiden, und Einigkeit in der Religion dieser Lande Kirchen aus Gottes Wort, den Hauptsymbolis, Augsburgischer Confession, anno 30 übergeben in der Formula Concordiae reptirt, vermittels göttlicher Hilfe treulich halten und fortpflanzen, dazu mir mein Herr und Heiland Jesus Christus mit seinem Heiligen Geiste treulich helfen, und in solchem gottseligen Vorsatze stärken, und bis an mein letzten Seufzer erhalten wolleAmen!+Carl Christian Gercken muß schriftstellerisch sehr tätig gewesen sein; denn davon zeugt zunächst seine über Stolpen verfaßte ChronikEs ist dieses Werk aber nicht das einzige von ihm verfaßte Buch. Er führt selbst noch einige Schriften anz. B.
  
-Ich, MSteinbach, bekenne, daß ich diese meine Revocation selbst aus meiner Andacht gestaltet, zuvorher wohl bewogen und also freiwillig mit eigner Hand unterschriebenIm Beisein des ehrwürdigen hochgelehrten Herrn Doctoris Zachariä Rivandri, Pfarrherrn und Superintendenten zu Bischofswerda, zu Stolpen, den 8Juli, anno 1592.“ +„Dissertatio de Justini Matvris ad religionem Christianam conversione admodum memorabiliLips17634toplag. 2½
 +ferner:
  
-Dieses Schriftstück unterzeichnete auch Salmuth. Deshalb wurden beideSteinbach und Salmuthaus der Haft entlassenohne aber in ihre Ämter und Würden wieder eingesetzt zu werdenMit dem Calvinismus ging es aber in Sachsen zu Ende. Der Landesverwalter Friedrich Wilhelm hielt 1592 einen Landtag zu Torgau abauf dem die Aufhebung aller unter der vorigen Regierung eingeführten kirchlichen Änderungen beschlossen und zur Ausrottung der eingeschlichenen calvinischen Lehre eine Kirchenvisitation angeordnet wurdeWer von den Geistlichen der calvinischen Lehre zuneigte, der wurde seines Amtes entsetztSo geschah es nun auch, daß die aufgeregten Gemüter des Volkes sich wieder allmählich beruhigten, war dem Volke Kursachsens doch das reine Luthertum vor dem Untergange gerettet worden!+„Davids Aufmunterung an das Stolpnische Ziondie Werke des Herrnbei der heilsamen Reformationdankbarlich zu erzählen.“ 
 +Friedrichstadt. 4to. 2½ Bogen. 
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 +Diese Arbeit ist eine Predigt über Psalm 138 und wurde von Gercken am Neujahr 1759 gehalten und zwar zum Andenken der vor 200 Jahren im Amte Stolpen vorgenommenen Kirchen-Reformation. Auch noch einige von ihm verfaßte historische Aufsätze führt Gercken an, die er im Jahre 1763 „in den Dreßdner gelehrten Anzeigen“ habe erscheinen lassen. 
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 +Den Anfang zu seiner lesenswerten und wertvollen Chronik machte Carl Christian Gercken schon auf der Kreuzschule zu DresdenAnregung hierzu erhielt er durch seinen Lehrer, den Rektor Schoettgen, der Gerckens Liebe und Neigung zur vaterländischen Geschichte bald kennengelernt hatte. Darum munterte dieser ihn auf, doch die Nachrichten seiner Vaterstadt zu sammelnGercken schreibt in dem Vorwort seiner Chronik über Stolpen wörtlich folgendes: 
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 +Der selige Rektor Schoettgen an der Schule zum heil. Creutz in Dreßden, den ich als meinen ehemaligen treuen Lehrer noch in der Grube verehre, hatte daher meine natürliche Neigung zur Geschichte des Vaterlandes kaum vermerket, als er mich aufmunterte, die Nachrichten von meiner Vaterstadt zu sammelnund versprach mir zugleich, mit Allem willigst an die Hand zu gehen, was ihm etwan davon vorkommen möchte, welches er auch nach der Zeit redlich erfüllet hat. Ich machte demnach, noch auf der Creutz-Schule, einen Anfang mit meiner historischen Arbeit, und da ich durch nur belobten Herrn Rector in die Bekanntschaft des nun auch seeligen Herrn M. Kreißig gerieth, so habe ich nicht nur durch die Willfährigkeit dieser beiden berühmten Männer, von Zeit zu Zeit, feine Nachrichten erhalten, sondern auch an meinem eigenen Fleiße nichts ermangeln lassen, etwas Vollständiges liefern zu können.“ 
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 +Gercken hat nach Jahren mit der größten Gewissenhaftigkeit seine Arbeit vollendet und durch seine Chronik ein bleibendes Andenken sich gesichert. 
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 +Schon im Anfange des 18. Jahrhunderts war von einem Vorgänger Gerckens, dem M. Carl Samuel Senff (geb. den 23. Mai 1666 in Stolpen, gest. den 17. März 1729 als Pastor in Stolpen) Stoff zu einer Chronik von Stolpen mit einem wahren Bienenfleiße und mit großer Sachkenntnis gesammelt worden. Gercken schreibt hierzu: „Der Fleiß und die Geschicklichkeit, so derselbe in andern historischen Schriften sittsam bewiesen, hätte uns allerdings viel Gründliches von seiner geübten Feder erwarten lassen; allein der unglückliche Brand, der unsere Stadt anno 1723, den 4 Martii, verheerete, beraubte ihn auf einmal seiner schönen Sammlung zur Stolpnischen GeschichteUnd ob er wohl anfänglich nicht ungeneigt war, eine neue Sammlung von historischen Sachen, seine Vaterstadt betreffend, zu veranstalten, so verhinderten ihn doch die vielen Geschäfte, die ihm damals oblagen, und vielleicht auch das zunehmende Alter, an wirklicher Ausführung seiner löblichen Absichten. Die Geschichte der Stadt Stolpen blieb also gänzlich liegen, und es war zu bedauern, daß nicht einmal die alten Urkundenwelche der sel. Senff mit vieler Mühe gesammelt hatte, der Flamme waren entrissen worden.“ Jener furchtbare Stadtbrand hatte die Früchte eines jahrzehntelangen Forschens mit einem Male vernichtet. Darum müssen wir Gercken heute noch dankbar sein, daß er in die Arbeit des verdienstvollen M. Carl Samuel Senff eintrat. Es war das nicht leicht, mit vieler Mühe mußten die alten Urkunden aus den umliegenden Orten herbeigeholt und durchforscht werden. Gercken sagt: „Darf ich mir nun gleich nicht schmeicheln, daß meine Stolpnische Geschichte so vollständig, als möglich geraten sei, so verhoffe ich doch, der geneigte Leser werde mit demjenigen zufrieden sein, was ich allhier zu seinem Gebrauche widme, und desto billiger von dem ganzen Werke urteilen, da ich die sämtlichen Nachrichten einzeln und zerstreut habe zusammensuchen, und die meisten von auswärts herbeiholen müssen, weil die vielen Brände, die unsere Stadt betroffen, auch die alten Papiere mit verzehret haben.“ – Der Name Gercken wird unvergeßlich bleiben.
  
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