sagen:wasdieheimaterzaehlt008
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| + | ====== Das Todaustreiben in Radeberg ====== | ||
| + | Den ältesten Bewohnern [[geo: | ||
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| + | „Nun treiben wir den Tod auß,\\ | ||
| + | Dem alten Juden in seinen Bauch,\\ | ||
| + | Dem jungen in den Rücken,\\ | ||
| + | Das ist sein Ungelücke.\\ | ||
| + | Wir treiben ihn über Berg und tieffe Thal,\\ | ||
| + | Daß er nicht wieder kommen soll,\\ | ||
| + | Wir treiben ihn über die Hayde,\\ | ||
| + | Das thun wir den Schäfern zu Leyde.“\\ | ||
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| + | Der Zug bewegte sich durch sämtliche Straßen der Stadt, zuletzt zum Tore hinaus auf die Totenwiese. Hier angekommen, wurde die phantastische Strohpuppe von der jubelnden Schar in Stücke zerrissen. Die Fetzen warf man darauf in den Röderfluß, | ||
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| + | „Den Tod haben wir ausgetrieben!\\ | ||
| + | Den Sommer bringen wir wieder!\\ | ||
| + | Den Sommer und auch den Meyen!\\ | ||
| + | Der Blümelein sind mancherleyen!“\\ | ||
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| + | In späteren Jahren nahmen die Erwachsenen keinen Anteil mehr an diesem Spiele, da im Anfange des 18. Jahrhunderts das sogenannte Todaustreiben durch eine landesherrliche Verordnung allgemein untersagt wurde. Das Todaustreiben blieb von da an nur eine Unterhaltung der Straßenjugend und erhielt sich in dieser Form noch Jahrzehnte hindurch. Am 28. März 1745 fand dasselbe aber das letzte Mal statt. Damals hatte man den Strohmann in den Teich des Bürgermeisters Teichmann geworfen, der sich in der Nähe der Röder auf der kalten Ruhe befand. Hier wuchs der giftige Wasserschierling in großer Menge (Cicuta virosa!) – Die Wurzel dieser Giftpflanze war von den Kindern für Pastinak gehalten worden, darum hatten nicht weniger als neun Schulknaben sie ahnungslos verzehrt. Fünf von ihnen starben kurze Zeit darauf unter den schrecklichsten Schmerzen. Infolge dieses Unfalles wurde das Todaustreiben als ein abergläubisches und unschickliches, | ||
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| + | Das Todaustreiben war ein uralter Überrest aus grauer Vorzeit und galt ursprünglich als das Frühlingsfest unserer heidnischen Vorfahren. Die riesige Strohpuppe sollte nicht etwa den Knochenmann Tod darstellen, sondern das Ende der ruhenden Natur, den glücklich überstandenen Winter. Bei dem Todaustreiben wollte das jubelnde Volk seiner Freude darüber Ausdruck verleihen, daß nunmehr der kalte Winter vorüber sei und der holde Frühling seinen Einzug halte. Bei Verbreitung der christlichen Religion wurde das altheidnische Frühlingsfest auf den Totensonntag, | ||
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