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sagen:vsuvdl086

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-====== Das Weihnachtsgeschenk (Gräve) ======+====== Das Weihnachtsgeschenk ======
  
 Geht man von [[geo:bautzen|Budissin]] nach [[geo:Görlitz]], so erblickt man unweit des Pfarrdorfs [[geo:buchholzvierkirchen|Krischa]] linker Hand ein mit Nadel- und Laubholz bepflanztes Plätzchen, in welchem man vor einigen und sechzig Jahren eine einfache, schlichte Betsäule, auf welcher die eingehauene Schrift verwittert war, fand. Von ihr ging die Sage: Geht man von [[geo:bautzen|Budissin]] nach [[geo:Görlitz]], so erblickt man unweit des Pfarrdorfs [[geo:buchholzvierkirchen|Krischa]] linker Hand ein mit Nadel- und Laubholz bepflanztes Plätzchen, in welchem man vor einigen und sechzig Jahren eine einfache, schlichte Betsäule, auf welcher die eingehauene Schrift verwittert war, fand. Von ihr ging die Sage:
  
-Ende des funfzehnten Jahrhunderts ging am Tage des heiligen [[zeit:weihnachten|Weihnachtabends]] ein armer, aber ehrlicher Bürger aus Budissin von [[geo:Görlitz]], wohin er Arbeit getragen, aber kein Geld bekommen, mit schwer bekümmertem Herzen nach Hause. Vorgenommen hatte er sich für seine sechs kleine Kinder einige Christbrote zu kaufen, um ihnen an dem Tage, wo sich für’s ganze Jahr die ganze Christenheit freut, eine geringe unschuldige Freude zu machen. Aber hochbetrübt, daß sein bescheidener Wunsch nicht erfüllt worden war, seufzte er tief und betete – vor dem kommenden Jahre und harten Winter bangend – inbrünstig zu Gott, dessen Fürsorge und Güte er sich und die Seinigen dringend empfahl.+Ende des funfzehnten Jahrhunderts ging am Tage des heiligen [[zeit:weihnachten|Weihnachtabends]] ein armer, aber ehrlicher Bürger aus Budissin von Görlitz, wohin er Arbeit getragen, aber kein Geld bekommen, mit schwer bekümmertem Herzen nach Hause. Vorgenommen hatte er sich für seine sechs kleine Kinder einige Christbrote zu kaufen, um ihnen an dem Tage, wo sich für’s ganze Jahr die ganze Christenheit freut, eine geringe unschuldige Freude zu machen. Aber hochbetrübt, daß sein bescheidener Wunsch nicht erfüllt worden war, seufzte er tief und betete – vor dem kommenden Jahre und harten Winter bangend – inbrünstig zu Gott, dessen Fürsorge und Güte er sich und die Seinigen dringend empfahl.
  
 Schon begann es zu dunkeln und die Sterne funkelten mit glühendem Feuer herab von dem reinen, blauen Himmelsgewölbe. Er verdoppelte daher seine Schritte, vermochte aber doch nicht eher, als beim vollen Einbruch der Nacht in die krischaer Gegend zu gelangen. Da nahm er wahr, wie das ihm rechter Hand liegende Büschchen – damals bedeutender als gegenwärtig – mit mehrern hundert Lichtern erleuchtet sey. Verwundert darob, auch nicht ganz furchtlos, wußte er nicht, ob er vorüber- oder hineingehen sollte. Sein Verstand, welcher ihn an Geister, die vornämlich in dieser Nacht ihre – oft ärgere als demagogische Umtriebe treiben sollen, denken hieß, rieth ihm das Erstere, seine Wißbegierde heischte jedoch das Letztere.  Schon begann es zu dunkeln und die Sterne funkelten mit glühendem Feuer herab von dem reinen, blauen Himmelsgewölbe. Er verdoppelte daher seine Schritte, vermochte aber doch nicht eher, als beim vollen Einbruch der Nacht in die krischaer Gegend zu gelangen. Da nahm er wahr, wie das ihm rechter Hand liegende Büschchen – damals bedeutender als gegenwärtig – mit mehrern hundert Lichtern erleuchtet sey. Verwundert darob, auch nicht ganz furchtlos, wußte er nicht, ob er vorüber- oder hineingehen sollte. Sein Verstand, welcher ihn an Geister, die vornämlich in dieser Nacht ihre – oft ärgere als demagogische Umtriebe treiben sollen, denken hieß, rieth ihm das Erstere, seine Wißbegierde heischte jedoch das Letztere. 
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 Alt und Jung fiel auf die Knie und dankten Gott und dem kleinen, guten Geist für die reichliche Spende. Der Vater ließ an jenem Orte, wo ihm die Glückslichter geleuchtet hatten, eine Betsäule errichten, machte von dem Geschenk einen weisen Gebrauch, arbeitete fleißig als Strumpfstricker – wo er der Sage nach (leider daß sein Name vergessen worden) in Budissin dieses Handwerk in Schwung gebracht haben soll – und starb als ein reicher und glücklicher Mann im hohen Alter.  Alt und Jung fiel auf die Knie und dankten Gott und dem kleinen, guten Geist für die reichliche Spende. Der Vater ließ an jenem Orte, wo ihm die Glückslichter geleuchtet hatten, eine Betsäule errichten, machte von dem Geschenk einen weisen Gebrauch, arbeitete fleißig als Strumpfstricker – wo er der Sage nach (leider daß sein Name vergessen worden) in Budissin dieses Handwerk in Schwung gebracht haben soll – und starb als ein reicher und glücklicher Mann im hohen Alter. 
  
-//Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 184; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Volkssagen_und_volksthuemliche_Denkmale_der_Lausitz_184.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]//+//Quelle: [[autor:graeve|Heinrich Gottlob Gräve]], [[buch:volkssagen_und_volksthuemliche_denkmale_aus_der_lausitz|Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz]]. Reichel, Bautzen 1839, Seite 184//
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sagen/vsuvdl086.1706730791.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)