Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:vsuvdl074

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:vsuvdl074 [2024/01/31 14:27] ewuschsagen:vsuvdl074 [2025/01/30 18:01] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 8: Zeile 8:
 Es habe in dieser ehemaligen Wildniß ein frommer Klausner((Anm. Sagenwiki: Einsiedler)) gewohnt, welcher ein stilles, ruhiges, Gott gefälliges Leben geführt, den Armen unendlich Gutes gethan und an den Kranken und Leidenden Wunderkuren verrichtet, so daß er in den Geruch der Heiligkeit gekommen und zu ihm, wie zu einem Wunderthäter ordentlich gewallfahrtet worden. Dabei aber habe er seine Bescheidenheit beibehalten, sey sanftmüthig und von Herzen demüthig gewesen und habe den ihm häufig dargebrachten Weihrauch verschmäht und die, denen er wohlgethan, gebeten, ihn ja nicht zu sehr zu verehren, damit er nicht in Versuchung gerathe. Es habe in dieser ehemaligen Wildniß ein frommer Klausner((Anm. Sagenwiki: Einsiedler)) gewohnt, welcher ein stilles, ruhiges, Gott gefälliges Leben geführt, den Armen unendlich Gutes gethan und an den Kranken und Leidenden Wunderkuren verrichtet, so daß er in den Geruch der Heiligkeit gekommen und zu ihm, wie zu einem Wunderthäter ordentlich gewallfahrtet worden. Dabei aber habe er seine Bescheidenheit beibehalten, sey sanftmüthig und von Herzen demüthig gewesen und habe den ihm häufig dargebrachten Weihrauch verschmäht und die, denen er wohlgethan, gebeten, ihn ja nicht zu sehr zu verehren, damit er nicht in Versuchung gerathe.
  
-Dieses nun habe den Bösen verdrossen und er beschlossen, den frommen Mann vom rechten Wege abzuleiten, für sich zu gewinnen und in sein Reich zu bringen; daher er denn alle mögliche Mittel angewendet, um dieß zu bewerkstelligen. Allein weder Versprechungen von [[typ:Geld]], Ehrenstellen, weder von Lebensgenüssen, noch gründlicher Gelehrsamkeit mit Weltberühmtheit verbunden, seyen vermögen gewesen, ihn von dem wahren Glauben abzuziehen, an welchem er – der ewigen Strahlenkrone gewiß – vest und unverbrüchlich gehangen habe. Dieses nun sey von dem [[wesen:Teufel]] übel vermerkt worden, daß er daher seinen Untergang unvermeidlich beschlossen habe. Um es auszuführen, sey er am Abende des [[zeit:georgstag|St. Georgentages]] ausgefahren, bewaffnet mit einem mächtigen Felsstück in der rechten Kralle, um den Arglosen in seiner Klause zu zerschmettern und jenen Fels zu seinem Leichensteine zu machen, damit Niemand wisse, wohin er gekommen, sein Gedächtniß von der Erde gewehet werde, wie leichte Spreu vom Winde, und die Wellen eines Baches sein Andenken aus dem Buche der Menschheit spülen.+Dieses nun habe den Bösen verdrossen und er beschlossen, den frommen Mann vom rechten Wege abzuleiten, für sich zu gewinnen und in sein Reich zu bringen; daher er denn alle mögliche Mittel angewendet, um dieß zu bewerkstelligen. Allein weder Versprechungen von Geld, Ehrenstellen, weder von Lebensgenüssen, noch gründlicher Gelehrsamkeit mit Weltberühmtheit verbunden, seyen vermögen gewesen, ihn von dem wahren Glauben abzuziehen, an welchem er – der ewigen Strahlenkrone gewiß – vest und unverbrüchlich gehangen habe. Dieses nun sey von dem [[wesen:Teufel]] übel vermerkt worden, daß er daher seinen Untergang unvermeidlich beschlossen habe. Um es auszuführen, sey er am Abende des [[zeit:georgstag|St. Georgentages]] ausgefahren, bewaffnet mit einem mächtigen Felsstück in der rechten Kralle, um den Arglosen in seiner Klause zu zerschmettern und jenen Fels zu seinem Leichensteine zu machen, damit Niemand wisse, wohin er gekommen, sein Gedächtniß von der Erde gewehet werde, wie leichte Spreu vom Winde, und die Wellen eines Baches sein Andenken aus dem Buche der Menschheit spülen.
  
 Hin brauste er durch die Luft, eben als der Einsiedler seine Tagesrechnung abgelegt, sein Abendgebet verrichtet und sich dem Schutz der [[wesen:Engel]] übergeben hatte. Immer wollte er den Fels herabschleudern, aber eine höhere, stärkere Macht lähmte ihm den Arm. Entschlafen war der Waldbruder, Engel in leuchtenden Kleidern bewachten sein Lager. Hin brauste er durch die Luft, eben als der Einsiedler seine Tagesrechnung abgelegt, sein Abendgebet verrichtet und sich dem Schutz der [[wesen:Engel]] übergeben hatte. Immer wollte er den Fels herabschleudern, aber eine höhere, stärkere Macht lähmte ihm den Arm. Entschlafen war der Waldbruder, Engel in leuchtenden Kleidern bewachten sein Lager.
Zeile 18: Zeile 18:
 Oft haben ihn – am hellen, lichten Tage – Holzbauern in wunderbaren, grotesken Sprüngen auf gedachten Felsen herumgaukeln, widrig lachen hören und andre Possen treiben gesehen und ihm – weil sie ihn allemal am St. Georgstage erblickten – wegen des rothen Mantels, den Namen des rothen Görge ertheilt.  Oft haben ihn – am hellen, lichten Tage – Holzbauern in wunderbaren, grotesken Sprüngen auf gedachten Felsen herumgaukeln, widrig lachen hören und andre Possen treiben gesehen und ihm – weil sie ihn allemal am St. Georgstage erblickten – wegen des rothen Mantels, den Namen des rothen Görge ertheilt. 
  
-//Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 169; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Volkssagen_und_volksthuemliche_Denkmale_der_Lausitz_169.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]//+//Quelle: [[autor:graeve|Heinrich Gottlob Gräve]], [[buch:volkssagen_und_volksthuemliche_denkmale_aus_der_lausitz|Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz]]. Reichel, Bautzen 1839, Seite 169//
 ---- ----
-{{tag>sagen gräve volkssagenundvolksthumlausitz oberlausitz gerlachsheimschlesien einsiedler klause teufel engel felsen georgstag}}+{{tag>sagen gräve volkssagenundvolksthumlausitz oberlausitz gerlachsheimschlesien einsiedler klause teufel engel felsen georgstag v2}}
sagen/vsuvdl074.1706707668.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)