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 +====== Der Pan Dietrich ======
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 +Wenn man von dem ungefähr 1½ Stunden von [[geo:bautzen|Budissin]] gelegenen Dorfe [[geo:moenchswalde|Mönichswalde]] den Fußsteig nach dem Marktflecken [[geo:wilthen|Wilthen]] hin wandelt, gewahrt man rechter Hand einen mittelmäßig hohen, mit Nadelholze bewachsenen Berg, der Pan Dietrich (zu teutsch: Herr Dietrich) genannt, von welchem man sich erzählt:
 +
 +Wie in den Zeiten des [[lex:faustrecht|Faustrechts]] ein wilder, unbändiger Raubritter, Namens [[wesen:dietrichvonbern|Dietrich]], daselbst seine Burg gehabt, welcher die ganze Gegend umher weit und breit in Furcht und Schrecken setzte, und nach vollbrachten Weglagerungen der Jagd an Sonn- und Festtagen oblag, mit seinen wüsten Gesellen schlemmte und zechte, sich weder um Gott, noch Menschen bekümmerte und so Tag täglich sein rohes, ungebundenes Leben fortführte. 
 +
 +Im Leben ging ihm Alles nach Wunsch und Willen; allein nach dem Tode folgte die Strafe, indem er mit seinen Kumpans im Früh- und Spätjahre als scheußliche Spukgestalt, bald mit, bald ohne Kopf, unter Begleitung von Hunden und andern wilden Thieren, unter tosendem Lärm, Heulen, Pfeifen, Pferdegewieher und Peitschenknall aus seiner verfallenen Burg – welche jetzt nur noch in der Runde zusammengeworfene Steine, denen man keine Bearbeitung ansieht, zeigt – auszieht, im Kreise einigemal herumfegt und sich dann wiederum dahin zurückbegiebt und durch sein Erscheinen Krieg, Pest, Sterben, Mißwachs, oder andre Unglücksfälle verkündet. 
 +
 +Dem Zuge, welchen der [[wesen:Tod]], auf einer Eule reitend, beschließt, schreitet der fromme [[vip:bonifatius|Bonifacius]] (der ihn oft von seinem rohen, wüsten Leben abzustehen, vergeblich ermahnte) voran.
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 +Wen erinnert nicht diese Sage an das in Thüringen so bekannte [[wesen:wütendesheer|wüthende Heer]], dem der [[wesen:treuereckart|treue Eckhard]] warnend vorangeht, – so wie an den unbändigen [[vip:hannshackelberg|Graf von Hackelberg]], der auf der Jagd den Hals brach, oder an den – selbst durch Actenstücke bekannten – Kriegs- und Friedensfürst Lindenschmidt im Odenwalde, der selbst zu unsern Zeiten aus seiner Kriegesveste ziehend, die französische Revolution verkündete und nach des großen Kaisers Fall in die Friedensburg kehrte.
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 +//Quelle: [[autor:graeve|Heinrich Gottlob Gräve]], [[buch:volkssagen_und_volksthuemliche_denkmale_aus_der_lausitz|Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz]], S. 54-55, Erscheinungsdatum: 1839//
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 +{{tag>sagen gräve volkssagenundvolksthumlausitz oberlausitz eule mönchswalde ohnekopf bonifatius weissagung raubritter wütendesheer treuereckart hannshackelberg pandietrich tod faustrecht v2}}
  
  
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