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-====== Der Feuerpuhtz ======+====== Der Schatz auf dem Oybin ======
  
-Unter diesem Namen ist in der Stadt [[geo:Lauban]] eine feurige Erscheinung bekannt, welche Nachts bald als Kugel, Pyramide, Kegel, auch in Schlangenform und dergl. sich zeigt, durch die Luft einige Straßen durchläuft und dann wiederum plötzlich verschwindet, welches denn allemal ein Brandunglück, das der guten Stadt droht, bedeutet, indem sie über dem Hause, wo das Feuer zuerst ausbricht, entstehet, und da, wo es endet, verschwindet. So zeigte sich diese Erscheinung daselbst z. B. vor den großen Bränden 1659 und 1760, wo sie genau die Straßen, in welchen nachher das Feuer wüthete, durchirrte. 
  
-Der Sage nach soll es ein der Stadt holder, wohlthätiger [[wesen:Feuergeist]] ([[wesen:Salamander]]) seynwelcher seine Schützlinge durch seine Erscheinung warnt und sie zur Vorsicht und Wachsamkeit ermahnt. Warum er den Bewohnern Laubans so günstig seydarüber spricht sich die Sage dahin aus. Es durchstreifte einst ein böser [[wesen:Zauberer]] das Landwelcher viel Unheil denendie nicht an ihn glauben wolltenzufügte. Dieser nun hatte einen Feuergeist in eine Flasche gebanntden er aussandtesobald er diejenigendie er anfeindeteum Haus und HofHab’ und Guth bringen wolltesodann ihn aber wiederum in die Flasche sperrte und selbige hermetisch versiegelte+Auf der Stelle des [[region:Oybin]], wo der rüstige Jäger Owate bekanntlich jenen gräulichen Bär erlegte und wo auf dem Platze, wo es geschehen war, zur Erinnerung, Quahl Freiherr von Berka, ein hölzernes Jagdhaus im Jahr 1211 erbaute, legten die Herren vom Burgberge bei [[geo:Zittau]], fast zwanzig Jahre später – weil rauben leichter istals arbeiten – ein Raubschloß daselbst an, von welchem sie die vorbei reisenden Kaufleute plündertenund die ganze Gegend beunruhigtenbis endlich Zittau’s Bürgermüde dieses Unwesensvor Burgh zogen und dieses Raubschloß zerstörtendas jedoch 1312 von einem Herrn von Leippa wieder vester erbaut und das Handwerk noch fleißiger und ernstlicher betrieben wurdewo es denn für ihre ritterliche Nahrung – mit richtigern Namen Plackerei genannt – ein sicherer Zufluchtsort war. Als Obersten haußten daselbst von Naptitz und von Tannenwälder, fürchterlichen Andenkens.
  
-Da er nun auch Lauban einstmals mit seinem Besuch beehrteseinen magischen Präparat – zuversichtlich, daß sich Niemand daran vergreifen würde – auf seinem Zimmer hatte stehen lassen und ausgegangen war um das Land zu beschauenging des Wirths vierjähriges Mädchen mit der Magd, die das Zimmer reinigen wolltehinein– Ersteres hatte nun nach Art der Kinder viel Freude an den bunten magischen Zeichnungen und Charakteren und verweilte noch nach dem Abtritt der Dienerin in selbigem+Doch das Weitere Geschichtliche mitzutheilen ist hier weder Zeit noch Platz((S. Der Oybin bei Zittau. Raubschloß, Kloster und Naturwunder. Malerisch und historisch beschrieben v. Dr. Christ. Aug. Peschek. Zittau u. Leipzig 1792. 8.)) also nur so viel davon, daß Johann, König von Böhmen – mehr zur Güte, als Strenge geneigt – das Zittauer Weichbild nebst Zubehör, gegen andere Güther bei Krummenau in Mähren eintauschte, wodurch 1319 der Oybin zugleich ein Kammerpertinenzstück der Könige von Böhmen wurde und jene lästige Plackereien ihr Ende, jedoch nur auf kurze Zeit, fanden. Denn da der König von Böhmen seine Schwester Agnes dem Herzoge Heinrich von Jauer vermählte, und ihr diese Besitzungen als Heirathsguth gab, gelangten sie in dieses Fürsten Hände, der sie durch Voigte bewirthschaften ließ, die das alte Räuberhandwerk wiederum hervorsuchtenwo denn diese Burg am 8Decbr. 1343 von dem wilden Michelsberg erobert und die Geschäfte so lebhaft fortgesetzt wurden, daß der Oybin bald unter die berüchtigsten Raubnester damaliger Zeit gehörte
  
-Zufällig fiel ihr die Flasche mit dem Geiste in die Hände. Es freute sich über das dann und wann in selbiger aufflackernde Flämmchen und spielte mit den Siegelnwelche unter seiner Hand sich auflöstenso daß der Gefangene befreit wurde und mit den Worten: „Das will ich den Laubanern nie vergessen!“ freudig zum Fenster hinausschlüpfte– Und er hat Wort gehalten.+Als [[region:Böhmen]]s Krone [[vip:karliv|Karl IV.]] zufiel, bedrohte er wegen der vielen Klagen, die bei ihm gegen die Burgherren einliefen, die Raubritter hart; allein diese verlachten seine Drohungen, bis er Ernst brauchte, mit Heeresmacht gegen Zittau zog, den Oybin belagerte und durch mühevolle Anstrengungen die Burg 1349 nach tapferer Gegenwehr erobertedie Räubervon denen nur wenige des Schwertes Schärfe verschont hatte, überwältigte und das Felsennest zerstörteIm Jahre 1369 wurde ein Cölestinerkloster daselbst errichtet, welches im Jahre 1568 wiederum einging.
  
-Nach dem Schluß der unbekannten Mächte vermochte blos ein unschuldiges Mädchen, welches nicht wußte, daß die Erlösung des Geistes in ihrer Macht stündeden Bann zu heben+Leicht läßt es sich denken, daß so viele Besitzer dieses Orts, welche vom Raube lebten, so wie angeblich auch die Klosterbrüder, nicht unbedeutende Schätze anhäuften, sie – um im Fall der Noth davon Gebrauch zu machen – in der Erde verbargenwo sie, da ihre Besitzer entweder starben, oder nicht Gelegenheit hatten sie an’s Tageslicht zu bringen, noch bis heutigen Tages liegen und da es größtentheils unrechtmäßig erworbenes Guth ist, von bösen Geistern bewacht werden, also nicht anders, als durch kräftige Bannformeln ihren Klauen entrissen werden können; schon mehrere Versuche hat man, um sich ihrer zu bemächtigen, gewagt, allein Alles vergebens, indem noch nicht der Geweihte gekommen ist.
  
-//Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: [[buch:volkssagen_und_volksthuemliche_denkmale_aus_der_lausitz|Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz.]] Reichel, Bautzen 1839, Seite 37;  [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Volkssagen_und_volksthuemliche_Denkmale_der_Lausitz_037.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]//+Die Bewohner dieser, so wie der Umgegend, erzählen wundervolle Geschichten von dem, was sie erlebt, erzählen gehört, oder selbst gesehen haben. Denn, da ertönt z. B. oft ein grauenvolles Heulen, Stöhnen und klägliches Gewinsel in der Luft, bald dröhnt es an den Ruinen des Burgthurms mit mächtigen Schlägen, Waffengeklirr wird vernehmbar und Geschrei, wie von Kämpfenden läßt sich mit gemischten Trompetenschall und wildem Pferdegewieher hören. Ein andermal erblickt man leuchtende Flämmchen, welche den ihnen Folgenden in Abgründe leiten, wo er beschädigt hinabstürzt, oder – wenn es glücklich geht – in entferntere Gegenden, gleichsam auf Windesflügeln, von einem Wirbel geweht wird. Bald schwirren in dunkeln Nächten scheußliche Ungeheuer mit glühenden Augen, Flammen aus dem Rachen hauchend, durch die Lüfte und bald erscheinen im falben Lichte des Vollmonds riesige Gestalten in schwarzen Harnischen mit blutrothen Helmbüschen, abwechselnd mit Männern in Mönchskutten und Frauen in alter Kleidung, vollgestopfte Wetscher tragend, die mit grauserregenden Gesichtern, hohlen Augen und widrigen Gebehrden anglotzen und winken. Bald stürzen wunderbar gefiederte Vögel mit krummen Schnäbeln und drohenden Fängen unter knirschenden Geschrei aus den Wolken, kämpfen hartnäckig gegen einander und ziehen mit betäubenden Flügelschlage wiederum von dannen.  
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 +Nie aber hat irgend Jemand von den Spukgestalten Geschenke erhalten, oder ist ihm durch sie ein Schätze bergender Fleck angezeigt worden, eben so wenig als – wie bereits gedacht – diejenigen, welche, kühn genug, daselbst nach Schätzen gruben, dadurch beglückt, sondern entweder verarmten oder mit lebenslänglichen Krankheiten heimgesucht wurden. Noch liegen also diese aus Kirchen, Klöstern von Priestern und Laien einige Jahrhunderte hindurch aufgehäuften Schätze im Schooße der Erde verborgen und harren der durch Zufall begünstigten Hand, oder den finstern Kenntnissen eines erfahrenen Geisterbeschwörers, der den Zauber löset, die Geister bannt und die Kostbarkeiten der Erde entreißt. 
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 +//Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 33//
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