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sagen:vsfreiburg61

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 +====== Die Erdmännlein in der Haseler Höhle ======
  
 +//Die Tropfsteinhöhle „Erdmannshöhle“ bei dem Dorfe Hasel, Bezirksamt Schopfheim, gehört zu den sehenswerthesten ihrer Art in Deutschland und giebt der berühmten Baumannshöhle wenig nach. Sie ist nicht minder durch die großartigsten Bildungen von Stalactiten (daher deren Bezeichnungen: Mantel, Orgel, Kanzel Fürstengruft u. s. w.); als durch den in ihrer Tiefe wild dahin rauschenden Bach ausgezeichnet. Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wagten es die Umwohner nicht, sie näher zu untersuchen; obgleich sie versicherten, von den Erdmännlein öfter nächtlicher Weile, zumal bei strenger Kälte besucht zu werden. Dieselben sollen von lieblicher Gesichtsbildung gewesen sein und den Leuten, die sie aufnahmen, nur Gutes erwiesen haben. Da man aber keine Füße an ihnen bemerkte, soll Einer auf den Einfall gerathen sein, ihnen Asche zu streuen, worauf sie, erzürnt, für immer verschwunden wären.//
 +
 +Dort in dem Berge\\
 +Hausen die kleinen\\
 +Niedlichen [[wesen:zwerg|Zwerge]],\\
 +Häßlich von Beinen.\\
 +Tief in der Erde\\
 +Graben und wühlen sie,\\
 +Lust und Beschwerde\\
 +Hegen und fühlen sie,\\
 +So wie wir Andern\\
 +Oben im Lichte.\\
 +Gleich Salamandern\\
 +Kriechen die Wichte\\
 +Durch das Gemenge\\
 +Schauriger Gänge,\\
 +Schwarz wie die Hölle.\\
 +Ueber’s Gerölle\\
 +Trippeln und schlüpfen sie,\\
 +Zauberhaft hüpfen sie,\\
 +Hämmern und bohren,\\
 +Scharren und schäufeln,\\
 +Hacken und häufeln.\\
 +Seltsam Rumoren,\\
 +Fernes Gewimmer\\
 +Hört ihr ertönen;\\
 +Doch sie zu höhnen,\\
 +Waget es nimmer!\\
 +
 +Sonstmals, in der Vorzeit Jahren,\\
 +Kamen sie hervor an’s Licht;\\
 +Häusern, wo sie heimisch waren,\\
 +Fehlte Glück und Segen nicht.\\
 +
 +Da vermaß sich kühner Spürwitz\\
 +Ihrer Füße Form zu seh’n,\\
 +Asche streut’ ein Schalk im Fürwitz,\\
 +D’rauf die Zwerglein sollten geh’n.\\
 +
 +Und es gingen auch die Kleinen,\\
 +Gingen – und für immerdar.\\
 +Nimmer sieht man sie erscheinen,\\
 +D’runten bleibt die Gnomenschaar.\\
 +
 +Tief in dem Berge\\
 +Hausen die kleinen\\
 +Niedlichen Zwerge,\\
 +Häßlich von Beinen.\\
 +Kammern und Stuben,\\
 +Die sie sich gruben,\\
 +Findet ihr unten;\\
 +Säle mit bunten\\
 +Mauerverzierungen.\\
 +Hier, in Gruppirungen\\
 +Seltsam verschieden,\\
 +Grüßen euch mächtige,\\
 +Riesengeschlechtige\\
 +Steinpyramiden.\\
 +Winzige Kegel,\\
 +Trotzend der Regel,\\
 +Seht ihr daneben\\
 +Frech sich erheben.\\
 +Himmelwärts ragende,\\
 +Hängende, tragende\\
 +Säulen und Zinnen\\
 +Zeigen sich dorten.\\
 +Schaurige Pforten\\
 +Führen nach innen.\\
 +
 +Aber laßt euch nicht bethören,\\
 +Allzutief hineinzugeh’n\\
 +Und der Zwerge Ruh’ zu stören;\\
 +Manchem ist ein Leid gescheh’n.\\
 +
 +Einst mit höhnischer Geberde\\
 +Hatt’ ein Müller sie verlacht,\\
 +Dafür sank ihm in die Erde\\
 +Hof und Garten über Nacht.\\
 +
 +Nimmer waget sie zu kränken,\\
 +Denn es bleibt nicht ungerächt;\\
 +Felsensturz und Hausversenken\\
 +Strafen den, der sich’s erfrecht.\\
 +
 +Dort an den Wänden\\
 +Künstliche Blenden\\
 +Dienen als Schränke,\\
 +Felsen als Bänke.\\
 +Ueber den Hallen\\
 +Schwebende Spitzen\\
 +Drohen zu fallen,\\
 +Jach euch zu ritzen.\\
 +Fern in der Tiefe\\
 +Ueber die schiefe\\
 +Felsige Fläche\\
 +Hört ihr mit Grausen\\
 +Schwellende Bäche\\
 +Stürzend erbrausen,\\
 +Und der Cocytus\\
 +Scheint euch kein Mythus.\\
 +Bläuliche Lichtlein\\
 +Fackeln im Düstern.\\
 +Hört ihr der Wichtlein\\
 +Heimliches Flüstern?\\
 +Sehen und hören\\
 +Möget ihr immer,\\
 +Doch sie zu stören,\\
 +Waget es nimmer!\\
  
 //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//
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