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sagen:vsfreiburg60

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 Auffallend ist es, daß die Schönheiten des Oberrheines, die doch denen des Niederlandes nicht nachstehen, fast gar nicht bekannt sind. Selbst am Niederrhein scheinen dieselben so fern, als wären sie in der neuen Welt; obschon dort alle Mittel vorhanden sind, sie kennen zu lernen. Viele der schönen Stellen des Oberrheines liegen freilich am Schwarzwalde, in der Entfernung einiger Meilen von dem herrlichen Flusse, aber dennoch entbehrt auch dessen unmittelbare Nähe nicht des Reizes der malerischen Ansichten, über den zum Ueberflusse noch der Geist der Sage schwebt, so daß Alles durch die Vergangenheit vielfach belebt wird. Auffallend ist es, daß die Schönheiten des Oberrheines, die doch denen des Niederlandes nicht nachstehen, fast gar nicht bekannt sind. Selbst am Niederrhein scheinen dieselben so fern, als wären sie in der neuen Welt; obschon dort alle Mittel vorhanden sind, sie kennen zu lernen. Viele der schönen Stellen des Oberrheines liegen freilich am Schwarzwalde, in der Entfernung einiger Meilen von dem herrlichen Flusse, aber dennoch entbehrt auch dessen unmittelbare Nähe nicht des Reizes der malerischen Ansichten, über den zum Ueberflusse noch der Geist der Sage schwebt, so daß Alles durch die Vergangenheit vielfach belebt wird.
  
-Eine kleine Meile abwärts von Basel, wo der [[region:Rhein]] die Grenze zwischen Baden und dem Elsaß bildet, rückt das Gebirge, aus den Vorbergen des Schwarzwaldes bestehend, bis dicht an den Fluß, über welchen es als steiler Felsen jäh hinabhängt. Dieser Felsen, aus Korallkalk bestehend, wird der Isteiner Klotz genannt. Der Klotz fällt so steilrecht gegen das Ufer ab, daß er nur an wenigen Stellen mühsam und nicht ohne Gefahr erklettert werden kann. Da der Felsen sich mehrere hundert Fuß über das Strombett erhebt, von mehreren Höhlen durchbrochen ist; so gewährt er, von unten betrachtet, ein recht anziehendes Bild, das durch das nahe liegende Dörfchen Istein, durch eine kleine Kapelle, Sanct Veit, und einen dabei liegenden Friedhof noch mannigfachere Beziehungen erhält. Die Höhlen des Felsenballs, in welchen früher Einsiedler gewohnt zu haben scheinen, sind in jüngster Zeit um eine vermehrt. Der ganze Felsen wurde nämlich für die rheinische Eisenbahn untergraben, und dieser Höhlengang ist beiderseitig durch prächtige Thorvorsprünge geschmückt, die in der Baupräge des Mittelalters sich an die Trümmer anreihen, welche auf der Spitze des Felsens noch sichtbar sind. Diese Trümmer bildeten ehedem ein stolzes Ritterschloß, dessen Anblick die weite Gegend in Furcht und Schrecken setzte. Die Herren vom Istein waren gewaltige Bauern-Unterdrücker, zuletzt gefährliche Wegelagerer, die schon vor dem großen Bauernkriege die Rache des Volkes gegen sich heraufbeschworen. Im Jahre 1409 zogen die Bürger von Basel, durch die Bewohner der Umgegend verstärkt, so daß sie ein Heer von 5000 Streitern in’s Feld stellen konnten, gegen die Veste, und erstürmten dieselbe trotz des tapfersten Widerstandes gleich am ersten Tage, am 12. des Reifmonds. Die Sieger zerstörten die Veste dergestalt, daß sie nicht wieder zur Herberge der Wegelagerer dienen konnte. Aber sie begnügten sich nicht mit einfacher Zerstörung der Raubburg, sondern luden deren Quadern auf Schiffe, führten diese gen Basel und erbauten dort von denselben das Rheinthor, als herrliches Sieger-Denkmal. Sie schenkten ferner 382 Umwohnern, welche mitgekämpft hatten, zum Lohne der Tapferkeit das Basler Bürgerrecht. Jetzt steht auf dem höchsten Flecke des Felsens über den Trümmern eine kleine Holzhütte, dem Besucher Schatten und Schirm gegen des Wetters Ungemach zu geben. Man hat bei dieser Hütte eine Aussicht, wie der Rhein sie wohl nicht wieder bietet. Von Basel ab sieht man den Fluß, der gerade unten am Fuße des steilrechten Felsens sich um unzählige Werder zu winden beginnt; über dem Flusse liegt der ganze Sundgau, das Elsaß, wie eine Landkarte ausgedehnt, liegt die prächtige Reihe des Wasgau’s, die man bis Straßburg verfolgen kann. Auf der entgegengesetzten Seite sieht man die Häupter des Schwarzwaldes, welche über die Rebengelände emportauchen und, mit den Gefilden des Elsasses im Vereine, ein Rundgemälde liefern, wie es deren wenige in Deutschland gibt. Zu diesen Herrlichkeiten tritt nun aber bei heiterem Wetter noch die schneebedeckte Alpenkette, welche über den Höhen der Voralp sichtbar wird, demnach gegen Süden hin das Gemälde mit einer silbernen Schranke schließt.+Eine kleine Meile abwärts von Basel, wo der [[region:Rhein]] die Grenze zwischen Baden und dem [[region:Elsaß]] bildet, rückt das Gebirge, aus den Vorbergen des [[region:schwarzwald|Schwarzwaldes]] bestehend, bis dicht an den Fluß, über welchen es als steiler Felsen jäh hinabhängt. Dieser Felsen, aus Korallkalk bestehend, wird der Isteiner Klotz genannt. Der Klotz fällt so steilrecht gegen das Ufer ab, daß er nur an wenigen Stellen mühsam und nicht ohne Gefahr erklettert werden kann. Da der Felsen sich mehrere hundert Fuß über das Strombett erhebt, von mehreren Höhlen durchbrochen ist; so gewährt er, von unten betrachtet, ein recht anziehendes Bild, das durch das nahe liegende Dörfchen Istein, durch eine kleine Kapelle, Sanct Veit, und einen dabei liegenden Friedhof noch mannigfachere Beziehungen erhält. Die Höhlen des Felsenballs, in welchen früher Einsiedler gewohnt zu haben scheinen, sind in jüngster Zeit um eine vermehrt. Der ganze Felsen wurde nämlich für die rheinische Eisenbahn untergraben, und dieser Höhlengang ist beiderseitig durch prächtige Thorvorsprünge geschmückt, die in der Baupräge des Mittelalters sich an die Trümmer anreihen, welche auf der Spitze des Felsens noch sichtbar sind. Diese Trümmer bildeten ehedem ein stolzes Ritterschloß, dessen Anblick die weite Gegend in Furcht und Schrecken setzte. Die Herren vom Istein waren gewaltige Bauern-Unterdrücker, zuletzt gefährliche Wegelagerer, die schon vor dem großen Bauernkriege die Rache des Volkes gegen sich heraufbeschworen. Im Jahre 1409 zogen die Bürger von Basel, durch die Bewohner der Umgegend verstärkt, so daß sie ein Heer von 5000 Streitern in’s Feld stellen konnten, gegen die Veste, und erstürmten dieselbe trotz des tapfersten Widerstandes gleich am ersten Tage, am 12. des Reifmonds. Die Sieger zerstörten die Veste dergestalt, daß sie nicht wieder zur Herberge der Wegelagerer dienen konnte. Aber sie begnügten sich nicht mit einfacher Zerstörung der Raubburg, sondern luden deren Quadern auf Schiffe, führten diese gen Basel und erbauten dort von denselben das Rheinthor, als herrliches Sieger-Denkmal. Sie schenkten ferner 382 Umwohnern, welche mitgekämpft hatten, zum Lohne der Tapferkeit das Basler Bürgerrecht. Jetzt steht auf dem höchsten Flecke des Felsens über den Trümmern eine kleine Holzhütte, dem Besucher Schatten und Schirm gegen des Wetters Ungemach zu geben. Man hat bei dieser Hütte eine Aussicht, wie der Rhein sie wohl nicht wieder bietet. Von Basel ab sieht man den Fluß, der gerade unten am Fuße des steilrechten Felsens sich um unzählige Werder zu winden beginnt; über dem Flusse liegt der ganze Sundgau, das Elsaß, wie eine Landkarte ausgedehnt, liegt die prächtige Reihe des Wasgau’s, die man bis Straßburg verfolgen kann. Auf der entgegengesetzten Seite sieht man die Häupter des Schwarzwaldes, welche über die Rebengelände emportauchen und, mit den Gefilden des Elsasses im Vereine, ein Rundgemälde liefern, wie es deren wenige in Deutschland gibt. Zu diesen Herrlichkeiten tritt nun aber bei heiterem Wetter noch die schneebedeckte Alpenkette, welche über den Höhen der Voralp sichtbar wird, demnach gegen Süden hin das Gemälde mit einer silbernen Schranke schließt.
  
 Eine Sage aus dem 12. Jahrhundert, welche über den Trümmern der alten Burg schwebt, giebt ihnen einen eigenen schwermüthigen Reiz. Eine Sage aus dem 12. Jahrhundert, welche über den Trümmern der alten Burg schwebt, giebt ihnen einen eigenen schwermüthigen Reiz.
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