sagen:vsfreiburg60
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| + | ====== Der Klotz von Istein ====== | ||
| + | Auffallend ist es, daß die Schönheiten des Oberrheines, | ||
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| + | Eine kleine Meile abwärts von Basel, wo der [[region: | ||
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| + | Eine Sage aus dem 12. Jahrhundert, | ||
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| + | Ritter Veit v. Istein – so sagt die Stimme aus der Vorzeit – war einer der tüchtigsten Jäger und Reiter des ganzen Oberrheines. Er ritt zur Freite und verlobte sich mit dem Fräulein v. Sponeck, das seinen Werbungen auf Dauer nicht hatte widerstehen können. – Der Brautstand der jungen Leute zog sich durch verschiedene Ereignisse in die Länge; da sie sich aber nicht entfernt wohnten, sich fast täglich sehen konnten, verlebten sie glückliche, | ||
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| + | Wußte man auf Thierstein wenig von dem alten Verhältniß Veit’s, so trugen dagegen geschäftige Zungen um so rascher nach Sponeck die Kunde von der neuen Brautschaft des Ritters. Anfangs hatte Jutta diesen Gerüchten nicht glauben wollen; als sie sich aber stets wiederholten, | ||
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| + | Veit hatte die ältere Braut gleich in der stürzenden Pilgerin erkannt, er sah nun, auf das Brückengeländer zueilend, noch einmal deren Oberleib aus der schäumenden Fluth auftauchen, sah deren drohende Stirne, sah die Wellen umher vom Blute geröthet. Von diesem Augenblick an war ihm, als ob er der Mörder gewesen, als ob er den Dolch gegen den liebenden Busen gezückt hätte. Ohne an die von dem grausigen Auftritt ohnmächtig gewordene Gräfin v. Thierstein zu denken, trieb es ihn fort durch das Dorf Aesch, Knappen und Rosse ließ er in der Herberge und streifte, wie vom wilden Jäger gehetzt, durch das Birsthal zum Rheine nieder. Erst vor Basel gelang es ihm, seine Gedanken einigermaßen zu sammeln. Nachdem er bei sich Rathes gepflogen, dünkte ihm das Beste, jetzt nicht wieder nach dem Schlosse zurück zu gehen, das er in so auffallender Weise verlassen hatte, auch nicht in dem seltsamen Aufzuge nach Basel, sondern alsbald nach seiner heimathlichen Burg zu ziehen, die ihm nun nicht mehr fern lag. Nachdem er sich zur Rast zwingen wollte und es nicht vermochte, streifte er auf Umwegen durch Hain und Wald unbemerkt um die Stadt Basel, und gelangte gegen Abend nach der Fähre von Hüningen. Der Schiffer setzte ihn alsbald über den Fluß. Als der Kahn die Mitte des Stromes erreicht hatte, der Ritter gedankenvoll in die Fluth hinab stierte, tauchte plötzlich eine weibliche Leiche vor seinen Blicken aus den Wellen empor. Es war Jutta’s drohendes Antlitz, war der Busen mit der Todeswunde. Der Schiffer sah die Erscheinung ebenfalls, sah den Ritter auf den Grund des Kahnes zusammen sinken, als ob er sich vor dem Anblick erretten wolle, und ruderte herzhafter, um dem Schrecknisse zu entkommen. Als der Kahn an das jenseitige Ufer stieß, verschwand der Ritter alsbald, ohne Fährlohn zu zahlen, und ohne es zu fodern ruderte der zitternde Schiffer wieder zurück, froh, des unheimlichen Gefährten ledig zu sein. Veit eilte stromabwärts nach seiner Burg. Wie er aber unten ankam, sich vom Usfer zum Felsenstege wenden wollte, der ihn in’s Schloß führte, sah er die todte Braut zum dritten Male aus den Wellen auftauchen, sah sie an den Felsen festgehalten. Dies überwältigte die Kräfte seines Geistes. Sinnlos eilte er zur Burg, brachte die Dienerschaft, | ||
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| + | Beide Leichen wurden als solche der Selbstmörder unten am Ufer eingescharrt, | ||
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| + | (Wilhelm v. Waldbrühl. – Geschichtliches über Istein, mit einer Abbildung, befindet sich in den Burgen, Klöstern u. s. w. Badens und der Pfalz. Thl. II. S. 369. ff.) | ||
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