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sagen:vsfreiburg45

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 +====== Auf dem Michaelsberge bei Riegel ======
  
 +Ein sanftes Windchen spielt\\
 +Mit Veilchen zart und kühlt\\
 +Die leis’ bewegte Luft,\\
 +Erfüllt mit süßem Duft.\\
 +
 +Als noch der Barde sang,\\
 +Zur Elz der [[volk:Römer]] drang,\\
 +Erhob sich sein Kastell\\
 +An dieser heil’gen Stell’.\\
 +
 +Der Deutsche flucht der Schmach;\\
 +Aus finstern Eichen brach,\\
 +Ein Wetter, seine Schaar,\\
 +Und blutig sank der Aar.\\
 +
 +Im Lauf der Zeit umfing\\
 +Den Berg ein Mauerring,\\
 +Aus dem mit hoher Wart’\\
 +Der Thurm der Feste starrt’.\\
 +
 +Nun steht ein Kirchlein hier,\\
 +Gar freundlich neben mir;\\
 +Beim Anblick fühlt mein Herz\\
 +Ach! der Erinn’rung Schmerz.\\
 +
 +Du Heimath sei gegrüßt!\\
 +Der Wehmuth Thräne fließt;\\
 +Dir sei sie still geweiht,\\
 +O Traum der Jugendzeit!\\
 +
 +Die langen Schatten zieh’n\\
 +Schon über gold’nes Grün,\\
 +Vom Felde kehrt im Flug\\
 +Zurück der Taubenzug.\\
 +
 +Ein Feuerflor umhüllt\\
 +Des Westens dunstig Bild,\\
 +Und die verklärten Reih’n\\
 +Der Berge über’m [[region:Rhein]].\\
 +
 +Mein Auge folgt dem Strom\\
 +Hinab zu [[kirche:muensterstrassburg|Straßburgs Dom]];\\
 +Doch was es dort erreicht,\\
 +Nur Nebelbildern gleicht.\\
 +
 +Wie jetzt des Abends Blut\\
 +Durchströmt der Sonne Gluth!\\
 +Es dringt in ros’gen Schein\\
 +Mit seinem Purpur ein.\\
 +
 +Im Osten laßt mich schau’n,\\
 +Der Berge dunkles Blau’n;\\
 +Des Feldbergs weißen Schlei’r\\
 +Und finstres Burggemäu’r!\\
 +
 +Die [[geo:freiburgbreisgau|Hauptstadt]] dort im [[region:breisgau|Gau]]\\
 +Mit ihrem Wunderbau,\\
 +Dort des Erbauers [[kirche:muensterfreiburgbreisgau|Thurm]]\\
 +Ergraut im Zeitensturm!\\
 +
 +Ein goldnes Wölkchen schwebt,\\
 +Wo er sich stolz erhebt,\\
 +Der hohen Zinne Kranz\\
 +Berührt der letzte Glanz.\\
 +
 +Er lischt. Der Schatten fallt,\\
 +In wachsender Gestalt\\
 +Des Kirchleins, auf den Schmelz\\
 +Der Matten an der Elz.\\
 +
 +Ein Schifflein gleitet drauf,\\
 +Der Fischer lenkt den Lauf;\\
 +Er zieht den Hut und steht\\
 +Kaum rudernd im Gebet.\\
 +
 +Es weckt den frommen Drang\\
 +Der Abend-Glocke Klang,\\
 +Denn nah verhallt und weit\\
 +Das festliche Geläut.\\
 +
 +Da regt sich’s alsobald,\\
 +Und über mir erschallt\\
 +Im leichten Schwunge hell\\
 +Das Glöcklein der Kapell.\\
 +
 +Schon stirbt der Silberschein\\
 +Des Thau’s, das Lied im Hain,\\
 +Und von der Höhen Nacht\\
 +Selene freundlich lacht.\\
  
 //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//
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sagen/vsfreiburg45.1753951653.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch