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sagen:vsfreiburg35

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 +====== Die Venusgrotte am Schinberg ======
  
 +    Das historische über die „Schneeburgen“ ist von dem Herausgeber 
 +    dieser Sagen in „den Burgen u. s. w. Badens und der Pfalz“ 
 +    Thl. II. S. 390. ff. behandelt.
 +
 +Die alte Schneeburg graut\\
 +Dem Schinberg gegenüber,\\
 +Einst hoch am Bühl gebaut,\\
 +Jetzt wachsen Bäume drüber.\\
 +
 +Und Eulen nisten drin,\\
 +Wo einst ein Ritter haus’te;\\
 +Zum Forste zog’s ihn hin,\\
 +Wie auch der Sturmwind braus’te.\\
 +
 +Kaum tauchte er den Speer\\
 +In Blut des Schwertes Spitze;\\
 +So naht die Wolke schwer\\
 +Durchzuckt vom Strahl der Blitze.\\
 +
 +Der Regen schwillt den Bach,\\
 +Die Jagdgenossen weichen;\\
 +Er aber sucht das Dach\\
 +Von dichtbelaubten Eichen.\\
 +
 +Doch schlägt der Hagel bald\\
 +Herab auf Roß und Ritter,\\
 +Denn furchtbar überm Wald\\
 +Entleert sich das Gewitter.\\
 +
 +Da zeigt in dunkelm Moos\\
 +Sich eine Felsenspalte,\\
 +Kaum sprengt er darauf los,\\
 +Als sie sich röthlich malte;\\
 +
 +Und tief in Berg hinein\\
 +Erweitert sich zum Gange\\
 +Der Fels im Dämmerschein,\\
 +Erfüllt mit süßem Klange.\\
 +
 +Und sieh! am Eingang winkt\\
 +Die Königin der Feen,\\
 +Des Busens Schleier sinkt,\\
 +Er kann nicht widerstehen,\\
 +
 +Und folgt! – O welches Zauberlicht\\
 +Durchströmt der Göttin Halle;\\
 +Der Strahl voll Purpur bricht\\
 +An blitzendem Kristalle.\\
 +
 +Wo blau- und grüner Schein\\
 +Durchdringt die Wasserfälle,\\
 +Ach! dort entspringt im Hain\\
 +Des Ritters Leidenquelle.\\
 +
 +Sein Weib, so lieb und treu\\
 +Muß seinen Kuß vermissen;\\
 +Wie frevelhaft dies sei,\\
 +Ermahnt ihn das Gewissen.\\
 +
 +Er flieht der Göttin Huld,\\
 +Bei Priestern Trost zu finden;\\
 +Nicht darf von seiner Schuld\\
 +Die Kirche ihn entbinden.\\
 +
 +Vielleicht im Vatikan\\
 +Ist Losspruch zu erreichen;\\
 +Er tritt die Reise an\\
 +Und wählt des Pilgers Zeichen.\\
 +
 +Bald zeigt die ew’ge Stadt\\
 +Ihm Petrus Säulenpforte;\\
 +Der Papst hört seine That\\
 +Und spricht die düstern Worte:\\
 +
 +„Eh wird aus diesem Stab\\
 +Die Rose sprossend blühen,\\
 +Als dir die heil’ge Gab’,\\
 +Die sühnende, verliehen.“\\
 +
 +Bestürzt kehrt er zurück.\\
 +Am Schinberg in dem Walde,\\
 +Dort sucht sein starrer Blick\\
 +Im Moos die Felsenspalte,\\
 +
 +Er sieht sie, – stürzt hinein,\\
 +Den Drang zum Tod im Herzen;\\
 +Drauf schließt sich das Gestein\\
 +Und endet seine Schmerzen.\\
 +
 +Die Wittwe harrt so bang\\
 +In Schneeburgs öden Hallen,\\
 +Es schweigt der Waldgesang,\\
 +Und dürre Blätter fallen.\\
 +
 +Als nun zum zweitenmal\\
 +Im Schnee die Berge leuchten,\\
 +Der Hoffnung letzten Strahl\\
 +Schon schwarze Sorgen bleichten;\\
 +
 +Da kommt ein Bote spät\\
 +Den Einlaß zu begehren;\\
 +Die Burgfrau, im Gebet,\\
 +Erscheint ihn anzuhören.\\
 +
 +„Zu [[geo:Rom]] im Vatikan\\
 +Geschehen Wunderzeichen:\\
 +Schon fing die Rose an,\\
 +Dem Stabe zu entsteigen.“\\
 +
 +„Der Himmel hat die Schuld\\
 +Vergeben, schwere Sünden;\\
 +Dies läßt des Papstes Huld\\
 +Auf Schneeburg mich verkünden.“\\
 +
 +Sie sendet Boten ab,\\
 +Doch, wo den Gatten finden?\\
 +Ein Wunder läßt zum Grab\\
 +Das rothe Flämmlein zünden.\\
 +
 +Der Ritter sitzt zu Roß,\\
 +Die Hände noch gefaltet;\\
 +Die Thräne, die ihm floß,\\
 +Noch ist sie nicht erkaltet.\\
 +
 +Dort, wo die Schneeburg graut,\\
 +Dem Schinberg gegenüber,\\
 +Ward seine Gruft gebaut,\\
 +Längst wachsen Bäume drüber.\\
  
 //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//
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sagen/vsfreiburg35.1753951461.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch