Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:vsfreiburg34

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:vsfreiburg34 [2025/07/31 10:44] – angelegt ewuschsagen:vsfreiburg34 [2025/08/05 15:12] (aktuell) ewusch
Zeile 3: Zeile 3:
 [[sagen:vsfreiburg35|weiter >>>]] [[sagen:vsfreiburg35|weiter >>>]]
  
 +====== Güntersthal ======
  
 +Vor seinem alten Schlosse\\
 +Der Herr von Kyburg stand,\\
 +„O, daß mir wär ein Sprosse,\\
 +Wie reich wär all mein Land!“\\
 +Der Alte rief es nieder,\\
 +Und traurig klang es wieder\\
 +Von steiler Felsenwand:\\
 +„O, daß mir wär ein Sprosse,\\
 +Wie reich wär all mein Land!“\\
 +
 +Ein Mägdlein kam gegangen\\
 +An süßer Milde reich,\\
 +Blaß waren ihre Wangen,\\
 +Die Lippen Perlen gleich;\\
 +Den Ritter thut es grüßen,\\
 +Es warf sich ihm zu Füßen\\
 +Und flehte blaß und bleich:\\
 +„O stille mein Verlangen,\\
 +Mach du mich groß und reich!“\\
 +
 +Der Vater sprach mit Schmerzen:\\
 +„Mein Kind, was wünschest du,\\
 +Gern sag ich dir von Herzen\\
 +Dein mild Verlangen zu.“\\
 +Er hob empor die Holde\\
 +Umblizt vom Lockengolde,\\
 +Er weinte still dazu,\\
 +„Ach Vater, sprach die Schöne,\\
 +Mein Herz begehrt der Ruh!“\\
 +
 +„Was soll mir Gold und Ehre,\\
 +Was all des Reichthums Glück!\\
 +Nach Anderm ich begehre.\\
 +Mein Herz sehnt sich zurück,\\
 +Hinein zum stillen Walde,\\
 +Zu Blumen auf der Halde,\\
 +Daß Rosen ich mir pflück,\\
 +Von Gottes heil’ger Lehre\\
 +Zu ew’gem Heil und Glück!“\\
 +
 +Der Vater sprach gerühret:\\
 +„Mein Hoffen, das ist aus,\\
 +Der einst das Schwert geführet\\
 +In manchem kecken Strauß,\\
 +Der sieht die stolzen Hallen\\
 +Verwaist in Schutt zerfallen,\\
 +Verweh’n im Sturmesbraus,\\
 +Kein Sprößling ist’s, der kühret,\\
 +Die Ehre seinem Haus.“\\
 +
 +„Dir still ich dein Verlangen,\\
 +Du herzig Töchterlein,\\
 +Ein Kloster soll dir prangen,\\
 +Drinn ruh’ einst mein Gebein.\\
 +Die Hallen will ich bauen\\
 +Dort in den grünen Auen,\\
 +Drinn magst du Nonne sein,\\
 +Dir still ich dein Verlangen,\\
 +O, wär ein Sprößling mein!“\\
 +
 +Das Kloster wird gebauet\\
 +Tief in des Thales Grund,\\
 +Viel Blumen man erschauet\\
 +In Gärten seit der Stund’.\\
 +Man hörte Wundersänge,\\
 +Und schöner Frauen Klänge\\
 +Weit in des Waldes Rund,\\
 +Wenn Mondnacht hielt umgrauet\\
 +Des Thales tiefen Grund.\\
 +
 +Da sah von seinem Schlosse\\
 +Herr Günter einst zu Thal,\\
 +Da ging des Hauses Sprosse\\
 +Beim ersten Sonnenstrahl,\\
 +In Nonnenkleid und Schleier\\
 +Zur heil’gen Messe Feier,\\
 +Schon klang der Festchoral.\\
 +Da sah der Herr vom Schlosse\\
 +Sein Kind zum Letztenmal.\\
 +
 +Durch’s Thal hört man es läuten,\\
 +Das klang wie Harfenklang,\\
 +Man sah in Trauer schreiten\\
 +Die Nonnen durch den Gang;\\
 +Die Knappen sah man wallen\\
 +Mit Schweigen durch die Hallen,\\
 +Die Glocken klagten bang.\\
 +Herr Kyburg wird begraben\\
 +Mit Trauer im Klostergang.\\
  
 //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//
 ---- ----
-{{tag>sagen heinrichschreiber vsfreiburg freiburg v0}}+{{tag>sagen georgkilianhalbmann vsfreiburg freiburgbreisgau klosterguenterstal kybfelsen nonne kirchenbau verse begräbnis v1}}
sagen/vsfreiburg34.1753951446.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch