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sagen:vsfreiburg04

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 +====== Freiburg’s Gründung ======
  
 +    K. Halbmann
 +
 +Die Sage erzählt: Herzog Berthold III. von Zähringen sei einst vom Kaiser dem Bischof von Köln gegen die Städter zu Hilfe geschickt worden. Besiegt von denselben, sei er in Gefangenschaft gerathen; habe jedoch während dieser Zeit den Plan zur Gründung einer Stadt gefaßt. Nach seiner Befreiung sei er mit Kunst und Handel in Köln bekannt geworden und habe bei seiner Nachhausekunft [[geo:freiburgbreisgau|Freiburg]] gegründet.
 +
 +Der Herzog saß gefangen\\
 +Zu [[geo:Andernach]] in Haft;\\
 +Ob sie ihn wohl bezwangen,\\
 +Den Stolz der Ritterschaft?\\
 +Es wuchs dem edlen Leuen\\
 +Da drunten erst der Muth,\\
 +Die Kraft thät sich erneuen\\
 +In flammenvoller Gluth.\\
 +
 +Er hat in fernen Landen\\
 +Den Geist der Zeit ermerkt,\\
 +Er hat sich in den Banden\\
 +Für künft’ge Zeit gestärkt.\\
 +Hei, wie ihn da gelüstet\\
 +Zu säen seine Saat!\\
 +Hei, wie der Held sich brüstet,\\
 +Da ihm die Freiheit naht!\\
 +
 +Und als man ihn entlassen\\
 +Zu Andernach der Haft,\\
 +Gen [[geo:Köln]] fuhr er die Straßen\\
 +Mit seiner Ritterschaft.\\
 +Was dort ihm dunkel graute,\\
 +Hie wird es ihm zum Licht,\\
 +Und was sein Geist erschaute,\\
 +Vergessen mocht er’s nicht.\\
 +
 +Am [[region:rhein|Rheine]] sah er gehen\\
 +Die Schiffe in die Fluth,\\
 +Er sah am Lande stehen\\
 +Viel fremder Länder Gut.\\
 +Er sah im heil’gen Köllen\\
 +Den Geist der neuen Zeit,\\
 +Und Kirchen und Kapellen\\
 +Voll Pracht und Herrlichkeit.\\
 +
 +Hei, was das Herz ihm pochte,\\
 +Wie ’s innen hat gegährt!\\
 +Was nicht die Kraft vermochte,\\
 +Der Geist hat’s abgeklärt.\\
 +Die Mähr hat er erkundet\\
 +Von Martins Zauberpracht;\\
 +Sein Herze war gesundet,\\
 +Sein Auge hat gelacht.\\
 +
 +Er sprach zu den Genossen:\\
 +„Ihr Ritter hoher Art,\\
 +Mich hätt’ es schier verdrossen,\\
 +Daß man mich so gewahrt.\\
 +Ich saß im alten Neste\\
 +Und sah die Sonne nicht,\\
 +Die Mauern waren feste,\\
 +Drein drang kein Tageslicht.“\\
 +„Drinn mußt’ ich ruh’n und rasten\\
 +
 +In Ketten eingezwängt,\\
 +Mußt’ hungern, dürsten, fasten,\\
 +Mir war der Arm beengt.\\
 +Doch hab ich drinn erlernet,\\
 +Wo goldne Freiheit winkt,\\
 +Wie man den Zwang entfernet,\\
 +Wenn frei die Sonne blinkt.“\\
 +
 +„Mich soll man nimmer fangen.“\\
 +Der edle Degen sprach:\\
 +„Eh’ nach ein Jahr vergangen,\\
 +Da lösch ich meine Schmach.\\
 +In Städten reich an Hallen,\\
 +Gesegnet reich an Wein,\\
 +Wo goldne Aehren wallen,\\
 +Soll meine Wohnung sein.“\\
 +
 +„Wo grüne Fichten rauschen,\\
 +Im dunkeln Tannenforst,\\
 +Da will ich ruh’n und lauschen\\
 +In meinem kühlen Horst.\\
 +Mir soll die Mühle mahlen\\
 +Mein selbstgebautes Korn;\\
 +Gereift von Sonnenstrahlen,\\
 +Füllt süßer Wein mein Horn.“\\
 +
 +Die Ritter sah’n verlegen\\
 +Den wackern Herzog an,\\
 +Wohl schien der Plan verwegen,\\
 +Den er im Herzen sann.\\
 +Da sprach der Ritter Einer:\\
 +„Die Rede mich ergötzt,\\
 +Doch hat’s so schnell noch keiner\\
 +In’s volle Werk gesetzt.“\\
 +
 +Nun ritten die Gesellen\\
 +Hinweg vom deutschen Rhein,\\
 +Wohl von dem heil’gen Köllen\\
 +In’s [[region:Breisgau]] tief hinein;\\
 +Hin, wo die Fichten rauschen\\
 +Im prächt’gen [[region:schwarzwald|Schwarzwaldgrund]],\\
 +Wo Vögel Lieder tauschen,\\
 +Früh bis zur Abendstund.\\
 +
 +Dort stand nach alten Sagen\\
 +Ein Kirchlein arm und klein;\\
 +Der Herzog ließ da tragen\\
 +Zum Bau den ersten Stein.\\
 +Die Hämmer sah man schwingen,\\
 +Da gab es lauten Schlag,\\
 +Die Aexte hört man klingen,\\
 +Wohl scholl es manchen Tag.\\
 +
 +Bald stiegen Schloß und Hallen\\
 +Zum blauen Himmel an,\\
 +Bald sah man Ritter wallen\\
 +Mit Goldschmuck angethan.\\
 +Da ritt von seinem Schlosse\\
 +Der Herzog, jener Aar,\\
 +Ins Thal mit seinem Trosse\\
 +Noch in demselben Jahr.\\
 +
 +Wo einstens düstre Wälder\\
 +Wild rauschten in dem Thal,\\
 +Da grünten Saatenfelder\\
 +Im goldnen Sonnenstrahl.\\
 +Wo trauerten die Tannen,\\
 +Sah man jetzt Reben blüh’n,\\
 +Und Sumpf und See zerrannen\\
 +Vom heißen Sonnenglüh’n.\\
 +
 +Und mitten in dem Thale\\
 +Erhob sich reich und groß\\
 +Im grünen Waldessaale\\
 +Die Stadt aus duft’gem Schoos,\\
 +Und herrlicher und prächt’ger\\
 +Gedieh die Saat im Gau,\\
 +Und größer wuchs und mächt’ger\\
 +Des Herzogs stolzer Bau.\\
 +
 +Da klang ein hell Geläute\\
 +Vom Thal gen Himmel auf,\\
 +Man sah da ein Gebäude\\
 +Voll Kunst bis an der Knauf.\\
 +Hoch ragte Freiburgs [[kirche:muensterfreiburgbreisgau|Münster]]\\
 +In Herrlichkeit und Pracht,\\
 +Aus all dem Waldesginster,\\
 +Wie ’s keiner hätt’ gedacht.\\
 +
 +Und als er sah vollendet\\
 +Den Bau, wie er’s gewollt,\\
 +Zum Herrn sich Berthold wendet,\\
 +Daß er ihn schirmen sollt.\\
 +Andächtig sank er nieder,\\
 +Mit ihm die Ritter all,\\
 +Hell klangen Freudenlieder\\
 +Zum lauten Glockenschall.\\
  
 //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867// //Quelle: [[autor:heinrichschreiber|Heinrich Schreiber]], [[buch:vsfreiburg|Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend]], Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867//
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