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sagen:volkssageninderlausitz08

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-====== Das kleine graue Männchen bei Kamenz (Gräve) ======+Auf dem, eine romantische Aussicht darbietenden, südöstlich gelegenen, sogenannten Reinhardsberge bei [[geo:Kamenz]], soll eine mit Gold, Silber und andern Kostbarkeiten gefüllte, große Braupfanne vergraben seyn, welche ein kleiner grau gekleideter [[wesen:Kobold]], der zu gewissen Zeiten erscheint und die Leute auf mancherlei Weise höhnt und neckt, bewacht.
  
-Auf dem, eine romantische Aussicht darbietenden, südöstlich gelegenen, sogenannten Reinhardsberge bei [[geo:Kamenz]], soll eine mit [[typ:Gold]], [[typ:Silber]] und andern Kostbarkeiten gefüllte, große [[typ:Braupfanne]] vergraben seyn, welche ein kleiner grau gekleideter [[typ:Kobold]], der zu gewissen Zeiten erscheint und die Leute auf mancherlei Weise [[typ:hohn|höhnt]] und neckt, bewacht. +Mehrere arbeitsscheue, goldgierige Spekulanten haben schon oft mit und ohne Herpentils, Kornreuters und Faust’s Höllenzwangs-Hilfe – aber leider vergebens – nachgegraben. Wahrscheinlich haben sie nur nicht die rechte Zeit zur Hebung dieses Schatzes getroffen. Da mir nun selbige ein weiser Mann anvertraut hat, und ich nicht so hart, wie der selige Asmus bin, welcher (das Beste für sich behaltend) sagt:
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-Mehrere arbeitsscheue, goldgierige Spekulanten haben schon oft mit und ohne Herpentils, Kornreuters und Faust’s Höllenzwangs-Hilfe – aber leider vergebens – nachgegraben. Wahrscheinlich haben sie nur nicht die rechte Zeit zur Hebung dieses [[typ:schatz|Schatzes]] getroffen. Da mir nun selbige ein weiser Mann anvertraut hat, und ich nicht so hart, wie der selige Asmus bin, welcher (das Beste für sich behaltend) sagt:+
  
 Der Mann mit Mondstrahl im Gesicht,\\ Der Mann mit Mondstrahl im Gesicht,\\
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 In der [[zeit:Johannisnacht]] nämlich, wenn die Kirchthurmsglocke den letzten Schlag der eilften Mitternachtsstunde verkündet hat, ist der einzige Zeitpunkt, wo der tückische Gnome gütig und freundlich ist. Da finde man sich nun an dem angegebenen Platze ein. Man wird ein kleines, bläuliches Flämmchen der Erde entsteigen sehen, das sich nach und nach zu einer menschenähnlichen Gestalt bildet, welche einen großen Schlüssel, der das Schloß der eisernen Thüre zum Gewölbe des unterirdischen Gemachs unterm Berge schließt, in der rechten Hand trägt.  In der [[zeit:Johannisnacht]] nämlich, wenn die Kirchthurmsglocke den letzten Schlag der eilften Mitternachtsstunde verkündet hat, ist der einzige Zeitpunkt, wo der tückische Gnome gütig und freundlich ist. Da finde man sich nun an dem angegebenen Platze ein. Man wird ein kleines, bläuliches Flämmchen der Erde entsteigen sehen, das sich nach und nach zu einer menschenähnlichen Gestalt bildet, welche einen großen Schlüssel, der das Schloß der eisernen Thüre zum Gewölbe des unterirdischen Gemachs unterm Berge schließt, in der rechten Hand trägt. 
  
-Still und stumm nähere man sich der Erscheinung, verlange pantomimisch den Schlüssel, den man beim Verschwinden des Männleins erhalten wird. Auf des Berges östlicher Seite wird sodann die Erde herab rollen und sich alte Trümmer mit einer Thüre, in welche jener [[typ:Schlüssel]] paßt, zeigen. Man erschließe zutrauungsvoll die Thüre und wird sodann gleich die mit dem [[typ:schatz|Schatze]] gefüllte Braupfanne erblicken; doch berühre man ja nichts von den Kostbarkeiten, sondern werfe irgend eine Kleinigkeit darauf, verwahre den [[typ:Schlüssel]] wohl – denn das Schloß spottet jedes Schlossers Kunst – und eile rückwärts den Berg hinab, ohne sich vor den vorkommenden Schreckgestalten zu scheuen. Die Erde wird sodann wiederum den Berg bekleiden, – nur merke man sich genau den Platz, – grabe nach drei Tagen zur beliebigen Zeit nach und man wird die Thüre, welche besagter Schlüssel öffnet, so wie, einen Schatz finden, wofür das schönste Königreich auf der Welt zu kaufen ist. +Still und stumm nähere man sich der Erscheinung, verlange pantomimisch den Schlüssel, den man beim Verschwinden des Männleins erhalten wird. Auf des Berges östlicher Seite wird sodann die Erde herab rollen und sich alte Trümmer mit einer Thüre, in welche jener Schlüssel paßt, zeigen. Man erschließe zutrauungsvoll die Thüre und wird sodann gleich die mit dem Schatze gefüllte Braupfanne erblicken; doch berühre man ja nichts von den Kostbarkeiten, sondern werfe irgend eine Kleinigkeit darauf, verwahre den Schlüssel wohl – denn das Schloß spottet jedes Schlossers Kunst – und eile rückwärts den Berg hinab, ohne sich vor den vorkommenden Schreckgestalten zu scheuen. Die Erde wird sodann wiederum den Berg bekleiden, – nur merke man sich genau den Platz, – grabe nach drei Tagen zur beliebigen Zeit nach und man wird die Thüre, welche besagter Schlüssel öffnet, so wie, einen Schatz finden, wofür das schönste Königreich auf der Welt zu kaufen ist. 
  
 //Quelle:// //Quelle://
-  * //Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 46;// 
-  * //[[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Volkssagen_und_volksthuemliche_Denkmale_der_Lausitz_046.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
   * //[[autor:joachimhaupt|Joachim Leopold Haupt]], [[buch:volkssageninderlausitz|Volkssagen in der Lausitz]], in: Neues Lausitzisches Magazin, Funfzehnter, Sechszehnter, Neuer Folge dritter Band, S. 127–138, 1838//   * //[[autor:joachimhaupt|Joachim Leopold Haupt]], [[buch:volkssageninderlausitz|Volkssagen in der Lausitz]], in: Neues Lausitzisches Magazin, Funfzehnter, Sechszehnter, Neuer Folge dritter Band, S. 127–138, 1838//
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Volkssagen_in_der_Lausitz_(Haupt)|Volkssagen in der Lausitz bei wikisource.org]]// 
  
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sagen/volkssageninderlausitz08.1673524233.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)