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sagen:veckenstedt081

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-[[capitel:xliv._gespenstige_thiere|XLIV. Gespenstige Thiere]] | +**[[capitel:xliv._gespenstige_thiere|XLIV. Gespenstige Thiere]]** 
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 +====== Das Unthier vom Steinteiche ======
  
     Kolkwitz     Kolkwitz
  
-In dem [[typ:teich|Steinteiche]] bei [[geo:Kolkwitz]] war früher eine sehr tiefe Stelle. Der [[typ:wächter|Teichwächter]] sah dort bald eine Frau, bald ein [[typ:Schaf]] umherschwimmen. Er erzählte, was er gesehen hatte, anderen Leuten, seine Stelle als Teichwächter aber gab er auf, weil er vor dem Gesehenen [[typ:angst|Furcht]] hatte. Auch dem folgenden Teichwächter geschah dasselbe. So kam es, dass bald Niemand mehr die Stelle eines Teichwächters dort annehmen wollte. Selbst die [[typ:pferd|Pferde]], welche in der Nähe des Teiches und Priorfliesses früher geweidet wurden, zeigten mitunter zur Mittag- oder zur Abendzeit eine seltsame Unruhe und rannten dann in wildem Schrecken davon. +In dem Steinteiche bei [[geo:Kolkwitz]] war früher eine sehr tiefe Stelle. Der Teichwächter sah dort bald eine Frau, bald ein Schaf umherschwimmen. Er erzählte, was er gesehen hatte, anderen Leuten, seine Stelle als Teichwächter aber gab er auf, weil er vor dem Gesehenen Furcht hatte. Auch dem folgenden Teichwächter geschah dasselbe. So kam es, dass bald Niemand mehr die Stelle eines Teichwächters dort annehmen wollte. Selbst die Pferde, welche in der Nähe des Teiches und Priorfliesses früher geweidet wurden, zeigten mitunter zur Mittag- oder zur Abendzeit eine seltsame Unruhe und rannten dann in wildem Schrecken davon. 
  
-Endlich fand sich ein junger Mann, der eben von den [[typ:soldat|Soldaten]] losgekommen war, welcher die Teichwächterstelle annahm. Als er seinen Posten angetreten hatte, nahm er ein scharfgeladenes [[typ:gewehr|Doppelgewehr]] und zwei [[typ:hund|Hunde]] mit an den Teich. Es währte nicht lange, so liess sich vom Teich her ein Rauschen vernehmen: dann bemerkte der Wächter, wie sich Etwas dem Lande näherte und schliesslich in ein furchtbares Gebrüll ausbrach. Der Wächter ging auf den Teich zu. Da sah er ein riesiges Thier, welches er für einen [[typ:bär|Bären]] hielt. Er hetzte die Hunde auf dasselbe, die aber wagten nicht auf das Ungethüm loszugehen, sondern schmiegten sich ängstlich an den Wächter an. Jetzt griff dieser zu seinem Gewehr, vermochte aber in seiner [[typ:Angst]] nicht anzulegen und zu schiessen. Es währte eine geraume Zeit, dass das Unthier sich in der Nähe des Ufers aufhielt, dann entfernte es sich von demselben wieder, kehrte nach der tiefen Stelle des Teiches zurück und verschwand dort. +Endlich fand sich ein junger Mann, der eben von den Soldaten losgekommen war, welcher die Teichwächterstelle annahm. Als er seinen Posten angetreten hatte, nahm er ein scharfgeladenes Doppelgewehr und zwei Hunde mit an den Teich. Es währte nicht lange, so liess sich vom Teich her ein Rauschen vernehmen: dann bemerkte der Wächter, wie sich Etwas dem Lande näherte und schliesslich in ein furchtbares Gebrüll ausbrach. Der Wächter ging auf den Teich zu. Da sah er ein riesiges Thier, welches er für einen Bären hielt. Er hetzte die Hunde auf dasselbe, die aber wagten nicht auf das Ungethüm loszugehen, sondern schmiegten sich ängstlich an den Wächter an. Jetzt griff dieser zu seinem Gewehr, vermochte aber in seiner Angst nicht anzulegen und zu schiessen. Es währte eine geraume Zeit, dass das Unthier sich in der Nähe des Ufers aufhielt, dann entfernte es sich von demselben wieder, kehrte nach der tiefen Stelle des Teiches zurück und verschwand dort. 
  
 Der Wächter ging am anderen Morgen zu dem Besitzer der Fabrik, welche in der Nähe des Teiches liegt, und erzählte diesem, was er gesehen hatte; der aber meinte, das sei nichts Neues; er hätte das Unthier nur fragen sollen, was es begehre. Von der Zeit an ist in dem Steinteich nichts Besonderes mehr gesehen worden.  Der Wächter ging am anderen Morgen zu dem Besitzer der Fabrik, welche in der Nähe des Teiches liegt, und erzählte diesem, was er gesehen hatte; der aber meinte, das sei nichts Neues; er hätte das Unthier nur fragen sollen, was es begehre. Von der Zeit an ist in dem Steinteich nichts Besonderes mehr gesehen worden. 
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 //Quelle: [[autor:veckenstedt|Edmund Veckenstedt]]: [[buch:wendischesagen|Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche]]. Leuschner & Lubensky, Graz 1880// //Quelle: [[autor:veckenstedt|Edmund Veckenstedt]]: [[buch:wendischesagen|Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche]]. Leuschner & Lubensky, Graz 1880//
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sagen/veckenstedt081.1675774144.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)