sagen:tss4116
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| - | Ein armer Mann in Tilleda richtete bereits die achte Kindtaufe aus; es gab nicht allzuviel zu schlucken, und der Vorrath von thüringer Landwein war von den Gästen bald ausgetrunken. Diese verlangten mehr, und der Kindtaufsvater sagte zu seiner Tochter, einem jungen Mädchen von sechszehn Jahren: Geh mein Kind, geh in den Keller und hole Wein. Er hatte aber gar keinen Keller, und es war nur sein Scherz. In welchem Keller denn, Vater? fragte das Mädchen, und der Vater antwortete ihr: Ei, meinetwegen in dem Ritterkeller auf dem Kiffhäuser. Das Mädchen nahm einen kleinen Handeimer und ging in seiner Einfalt fort, immer den Berg hinan. Auf einmal in der Mitte des Berges, steht sie vor einem verfallenen Gewölbe und eine alte Schaffnerin in wunderlicher Tracht, mit großem Schlüsselbund davor, und fragt das erstaunte Mädchen: Du willst gewiß Wein aus dem Ritterkeller? | + | Ein armer Mann in [[geo:Tilleda]] richtete bereits die achte Kindtaufe aus; es gab nicht allzuviel zu schlucken, und der Vorrath von thüringer Landwein war von den Gästen bald ausgetrunken. Diese verlangten mehr, und der Kindtaufsvater sagte zu seiner Tochter, einem jungen Mädchen von sechszehn Jahren: Geh mein Kind, geh in den Keller und hole Wein. Er hatte aber gar keinen Keller, und es war nur sein Scherz. In welchem Keller denn, Vater? fragte das Mädchen, und der Vater antwortete ihr: Ei, meinetwegen in dem Ritterkeller auf dem [[region: |
| Der Schenkwirth hörte davon, denn Niemand wollte mehr von seinem sauern oder verfälschten Wein trinken, ging deshalb zum Nachbar, und bat ihn nur um ein Schlückchen zum Kosten, das mundete ihm baß, und er forschte, woher der Wein bezogen werde, und rechnete schon, wieviel er mit einem Fäßlein solchen Weines geringe Sorte gut machen könnte. Allein er erfuhr nichts. Nun legte er sich auf die Lauer, und nahm bald wahr, daß des Nachbars Töchterlein Abends zum Kiffhäuser ging, und halbwegs oben in einem Gewölbe verschwand, nach einer Weile aber mit vollem Eimer herauskam. Er merkte sich die Stelle gut, und hatte am andern Abende nichts eiligeres zu thun, als mit einer großen leeren Tonne bergauf zu fahren, die er im Ritterkeller zu füllen dachte. Aber wie er nun an dem Eingang des Kellers war, da wurde es rabenschwarze Nacht um ihn her, der Sturm erhob sich heulend aus Wald und Geklüft, packte ihn mächtig, und kollerte ihn sammt der Tonne bergab, daß ihm hören, Sehen und alle übrigen Sinne vergingen. Als er aus seiner Betäubung erwachte, sah er sich in einer bleicherleuchteten Todtengruft und mächtiges Grausen durchschauerte ihn; ängstigende Bilder zogen vorüber, er wußte nicht, ob sie wirklich oder Geburten seiner fieberhaften Phantasie waren. Zuletzt kam ein Mönch, der trug ihn eine hohe Treppe empor und legt ihn nieder. Ohnweit von ihm schlug die Uhr Mitternacht. Der Mönch steckte ihm ein Stück Geld in die Hand, und verschwand. Halbtod schleppte sich der Schenkwirth nach Hause, legte sich zu Bette, und starb nach drei Tagen. Für das Geld des Mönchs wurde er begraben. | Der Schenkwirth hörte davon, denn Niemand wollte mehr von seinem sauern oder verfälschten Wein trinken, ging deshalb zum Nachbar, und bat ihn nur um ein Schlückchen zum Kosten, das mundete ihm baß, und er forschte, woher der Wein bezogen werde, und rechnete schon, wieviel er mit einem Fäßlein solchen Weines geringe Sorte gut machen könnte. Allein er erfuhr nichts. Nun legte er sich auf die Lauer, und nahm bald wahr, daß des Nachbars Töchterlein Abends zum Kiffhäuser ging, und halbwegs oben in einem Gewölbe verschwand, nach einer Weile aber mit vollem Eimer herauskam. Er merkte sich die Stelle gut, und hatte am andern Abende nichts eiligeres zu thun, als mit einer großen leeren Tonne bergauf zu fahren, die er im Ritterkeller zu füllen dachte. Aber wie er nun an dem Eingang des Kellers war, da wurde es rabenschwarze Nacht um ihn her, der Sturm erhob sich heulend aus Wald und Geklüft, packte ihn mächtig, und kollerte ihn sammt der Tonne bergab, daß ihm hören, Sehen und alle übrigen Sinne vergingen. Als er aus seiner Betäubung erwachte, sah er sich in einer bleicherleuchteten Todtengruft und mächtiges Grausen durchschauerte ihn; ängstigende Bilder zogen vorüber, er wußte nicht, ob sie wirklich oder Geburten seiner fieberhaften Phantasie waren. Zuletzt kam ein Mönch, der trug ihn eine hohe Treppe empor und legt ihn nieder. Ohnweit von ihm schlug die Uhr Mitternacht. Der Mönch steckte ihm ein Stück Geld in die Hand, und verschwand. Halbtod schleppte sich der Schenkwirth nach Hause, legte sich zu Bette, und starb nach drei Tagen. Für das Geld des Mönchs wurde er begraben. | ||
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